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Test
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04.12.2021

Waves Nx Test

Vrtueller Mixing Room mit Head-Tracker

CLA Nx, Nx Ocean Way Nashville und Abbey Road Studio 3

Waves Nx war eine der ersten Plugins auf dem Feld der virtuellen Mixing Rooms. Kopfhörerkalibrierung, virtuellen Mixing Rooms, wie das Studio von Chris Lord-Alge, Ocean Way Nashville und Abbey Road Studio 3, und als Besonderheit einen Bluetooth Head Tracker sind dabei. Dieser verfolgt die Kopfbewegung und verändert dementsprechend das Stereobild. Mixt man mit Nx besser?

Bei Waves hat man die Zeichen der Zeit erkannt und sich mit den letzten Plugins eher an Sounddesigner und Home Producer als an Studios gewandt. Ihre Software „Nx“ richtet sich mit dem „Virtual Mix Room“ ebenfalls eher an die Laptop-Generation. Das Ziel: die Einschränkungen kompensieren, die beim Mixing mit Kopfhörern entstehen. 

Details & Praxis

Eine der größten Kritikpunkte der ersten Generation von Nx war die Einschränkung auf nur einen virtuellen Studioraum. Deshalb hat Waves in den letzten Jahren weitere virtuelle Mixing Rooms nachgelegt. „CLA Nx“ ist eine Simulation vom Mixing-Studio von Chris Lord-Alge. Dazu gibt es mit „Nx Ocean Way Nashville“ und „Abbey Road Studio 3“ noch zwei weitere, separat erhältliche Raumsimulationen für Nx. Alle kommen mit der Head Tracking Technologie und Kopfhörer-Profilen. 

Waves Nx – Professionelles Mixing auf Kopfhörern? 

Nx will dabei unterstützen, bessere Mixentscheidungen zu treffen. Denn so gut Mixing-Kopfhörer sein mögen, einen linearen Frequenzgang haben sie selten. Zu starke Anhebungen im Bass oder unsaubere Darstellung der Höhen führen zu einer verfälschten Frequenzwahrnehmung und damit zu Mixes, die im Auto oder auf Earbuds nicht ansatzweise so klingen, wie den heimischen Kopfhörern. Nx hat zwölf Kalibrierungsprofile von verbreiteten Mixing-Kopfhören mit dabei. Mit diesen kann man, falls man eines der zwölf Modelle besitzt, der verfälschten Wahrnehmung mit einer entsprechenden EQ-Korrektur-Kurve entgegenwirken. 

Zweiter Stolperstein beim Mixing mit Kopfhörern: ein zu extremes Stereopanorama. Die Ohren hören auf Studiokopfhörern anders als vorm Küchenradio, im Auto oder vor der heimischen Anlage, sie sind quasi voneinander isoliert – kein Crossfeed, keine Raumreflexionen. Damit fehlt ein entscheidender Teil der Wahrnehmung von Räumlichkeit. Deswegen pannt man mit Kopfhörern Spuren schnell zu extrem und der Mix fällt beim Abhören in Mono in sich zusammen. Im „Virtual Mix Room“ in der Hauptversion von Nx sind mit „Room Ambience“ und dem „Head Tracking“ zwei Funktionen dabei, die hier Abhilfe versprechen. 

„Room Ambience“ erzeugt je nach Einstellung mehr oder weniger Räumlichkeit. Welches Mixing-Studio hier simuliert wird, verrät Waves nicht. Dazu können über „Speaker Position“ Winkel und Position der virtuellen Stereomonitore verändert werden. Hier allerdings größere Abweichung des Standardwerts von 60° einzustellen, empfiehlt sich nur für diejenigen, die zusätzlich zum eigenen Studio noch mit Kopfhörern mixen und ihre Monitore im Studio in ungewöhnlichem Winkel aufgestellt haben. 

Head Tracking für ein realistischeres Stereopanorama 

Drehen wir unseren Kopf, wenn wir vor Monitorboxen im Stereodreieck sitzen, verändert sich unsere Wahrnehmung von Stereopanorama und Räumlichkeit – physisch bedingt. Der Abstand jedes Ohrs zur Schallquelle und den Raumreflexionen verändert sich. Außerdem spielt unser Kopf beim Dämpfen und Verändern von Schallwellen, die auf unsere Ohren treffen, eine wichtige Rolle. Man spricht von der „Head Related Transfer Function“ (HRTF). Eine Software allein kann aber weder die Größe unseres Kopfes noch den Abstand unserer Ohren, geschweige denn die Kopfposition (gerade oder gedreht) erraten.

Waves Nx hat mit dem „Head Tracking“ eine Technologie eingebaut, die genau dafür gedacht ist. Will man auf zusätzliche Hardware verzichten, kann die Kopfbewegung per Webcam getrackt werden. Bei fast allen Laptops ist heutzutage am oberen Bildschirmrand eine verbaut. Nutzt man einen Standrechner, braucht es noch eine Webcam, die man oben an den Bildschirmrand klemmt. Als Alternative bietet Waves noch einen Bluetooth Head Tracker an. Der kleine Dongle wird mit zwei mitgelieferten Gummibändern mittig auf dem Bügel des eigenen Kopfhörers geschnallt.

Der Bluetooth-Dongle – Head Tracking Deluxe 

Ist der Tracker angebracht, drückt man einmal den kleinen Bluetooth-Knopf auf dem Dongle und teilt der Software mit, dass man ihn nun einsetzen möchte. Laut Waves lassen sich bis zu sechs Head Tracker mit einer Nx-Instanz verbinden. So könnte theoretisch also eine ganze Band bei Aufnahmen mit dem Tool arbeiten. Der Tracker bietet gegenüber der Webcam-Nutzung einige Vorteile: dauerhaft laufende Webcams sind bei Laptops ein ordentlicher Stromfresser. Außerdem bringen schlechte Lichtverhältnisse das Webcam-Tracking in Nx schnell an seine Grenzen. Webcam und Bluetooth-Tracker können übrigens für eine noch höhere Genauigkeit im „Sensor Fusion“-Modus kombiniert werden.

Die Abtastrate war im Dauertest über den Bluetooth Tracker nur minimal schneller (17-20 fps) als bei der Webcam (Logitech C615 und Apple iSight im Macbook Pro 2016 mit 15-18 fps). Die Rate brach bei beiden Modi während schneller Kopfbewegungen um zwei bis vier Frames ein und auch das Verschieben des Stereopanoramas wurde merklich langsamer. Der „Sensor Fusion“-Modus, also die Kombination aus beiden Tracking-Methoden, blieb selbst bei heftigen Links-Rechts-Bewegungen und schlechtem Licht konstant bei 21 Frames. Hier fiel auch die Stereobewegung hörbar flüssiger und schneller aus. Dazu scheint das Tracking bei den drei Studiosimulationen (CLA Nx, Nx Ocean Way Nashville, Abbey Road Studio 3) im Vergleich zum „Virtual Mix Room“ besser zu sein. Hier konnten im Sensor-Fusion-Modus bis zu 30 fps erreicht werden. Der Head Tracker allein zeigte dort Abtastraten von 25 fps an.

Head Modeling und Mixing Rooms in Nx

Stichwort Genauigkeit: Was Nx (und bisher jede andere Virtual Mixing Software) nicht automatisch erkennen kann, sind unser individueller Kopfumfang und der Ohrabstand. Beide spielen bei der HRTF eine ebenso wichtige Rolle, wie die Position des Kopfes. Für das „Head Modelling“ gibt es in Nx die Option für beide Faktoren (Umfang und Abstand) Maße zu nehmen und diese einzugeben. Also schnell das Maßband gezückt und meinen Dickkopf vermessen. Die Ergebnisse: 59 cm Umfang, 26 cm Ohrabstand. Ich drehe den Kopf mit aktiviertem Head Tracker und den neuen Maßen und das Stereopanorama verschiebt sich fast ohne Verzögerung. Was anfangs als Gimmick wirken mag, führt im Mixing durch das gesteigerte Räumlichkeitsempfinden schnell zu besseren Mixentscheidungen. 

Mit CLA Nx, Nx Oceanway Nashville und Abbey Road Studio 3 sind in den letzten Jahren einige weitere virtuelle Studioräume ins NX-Portfolio dazu gekommen. Jedes Plugin ist separat erhältlich, kann mit dem Bluetooth-Tracker im Bundle erworben werden und bringt alle Funktionen mit, die auch im „Virtual Mix Room“ von NX dabei sind. “CLA Nx” als neuestes Nx-Plug-in simuliert das “Mix LA”-Studio von Chris Lord-Alge (CLA), einem der profiliertesten Mixing Engineers im Rock- und Metalbereich. Mit Lord-Alge verbindet Waves bereits eine lange Partnerschaft. Kompressoren, Vocal-Mixing-Chains, EQs und epische Raumeffekte hat man aus seinem Arsenal bereits als Plug-in emuliert. Da ist es nur konsequent, sein Mixing-Studio selbst auch als Nx-Version zu veröffentlichen.  

CLA Nx – Mixing im Studio von Chris Lord-Alge 

Hat man bereits den Virtual Mix Room installiert und dort das Head-Tracking und die Kopfmaße dort eingerichtet, ist „CLA Nx“ schnell aufgesetzt. Der Bluetooth Tracker wird erkannt, die Kopfmaße können direkt als Preset geladen werden – los geht’s. Man blickt auf Lord-Alges riesige Mixing-Konsole. In der Mitte ist der aus Nx bekannte Gitterkopf zu sehen, der die eigenen Kopfbewegungen nachanimiert. Auch im Bild: zwei Monitorpaare. Da sind einmal riesige Far-Field-Monitore, dem Handbuch nach handgefertigte Ocean Way HR1, und auf dem Pult liegend Near-Field-Monitore, CLA-10 Avantones. Zwischen beiden kann im Plugin gewechselt werden. 

Außerdem kann man sich über den großen „Rotate“-Regler am Mixing-Platz um 360° im Studio drehen. Das kann bei längerem Abhören durchaus sinnvoll sein, um den Raumeindruck zu verändern und mit einer anderen Perspektive zu mischen. Bei „CLA Nx“ rächt es sich wie beim „Virtual Mix Room“ etwas, dass so wenige Kalibrierungsprofile für Kopfhörer dabei sind. Diese Funktion lasse ich daher meistens deaktiviert, da selbst die meinen Mixing-Kopfhörern Beyerdynamic DT-770 Pro (250 Ohm) am nächsten kommende Kalibrierung für die ähnlichen DT-880 Pro (250 Ohm) die deutliche Bassbetonung der Kopfhörer nicht so weit dämpft, dass es der Emulation zuträglich wäre.  

Nx Ocean Way Nashville und Abbey Road Studio 3 

Zweites legendäres Studio zum virtuellen Mixen: Ocean Way Nashville. Wem der Name bekannt vorkommt: Universal Audio hat den Aufnahmeraum des Ocean Way aus L.A. bereits seit 2013 als Studio-Reverb im Programm. Nun gibt es die Zweigstelle aus Nashville als virtuellen Mixing Room. Funktionen und Oberfläche ähneln der von „CLA Nx“ sehr. Wieder kann aus zwei Monitorpaaren ausgewählt werden, wieder kann man sich im Kreis drehen, um die Anlage auch einmal hinter sich zu hören, wieder werden Head Tracker und Kopfmaße aus den anderen Nx-Plugins übernommen. Beide Monitormodelle klingen um einiges transparenter als die aus „CLA Nx“, dafür fehlt ihnen die Basspräsenz der CLA-Monitore. 

Als erstes virtuelles Studio kam „Abbey Road Studio 3“ bereits 2019 dazu. Bei der Emulation gibt es zwei kleine Unterschiede im Vergleich zu allen anderen Nx-Plugins: Zum einen ist der Raumanteil hier fest eingestellt, sonst kann dieser mit „Room Ambience“ oder „Ambience“ angepasst werden. Zum anderen gibt es hier sogar drei Monitorgrößen zur Auswahl. Das Handbuch schweigt sich über Größe und Bezeichnung der drei Paare aus, ein Blick auf die Webseite des Studios gibt jedoch einiges Preis: So scheint es sich bei den großen Far-Field-Monitore um ein Quested Q4214 System zu handeln. Als Mid-Fielder werden im Studio 3 Bowers & Wilkins 800D eingesetzt. 

Praktischer Nutzen der Nx-Plugins

Wie klingt es denn nun? Was bringt eines der Nx-Plugins, was bringen alle? Die Unterschiede zwischen „Virtual Mix Room“ einerseits und den drei Nachbildungen andererseits sind deutlich hörbar. Werte von mehr als 30% bei „Room Ambience“ erzeugen mit Ersterem einen derart reflektierenden Raum, dass man schnell das Gefühl bekommt, man mixe im Badezimmer. Andererseits ist das Head Tracking hier am deutlichsten hörbar. Die drei virtuellen Studios unterscheiden sich auf meinen drei Kopfhörern (Beyerdynamic DT-770 Pro 250 Ohm, Sennheiser HD 280 Pro, Slate VSX) klanglich nur in Nuancen. Hier kommt es sehr auf den persönlichen Hörgeschmack, aber auch auf das Genre an, das man hauptsächlich mixt.  

Jeweils ein EDM-, ein Rock- und ein Acoustic-Pop-Track wurde nacheinander mit jedem der vier Nx-Plugins grob abgemischt. Dazu wurden vier Referenztracks („Power“ von Kanye West, „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana, „Glory Box“ von Portishead“, „Beyond Beliefs“ von Ben Böhmer) mit allen vier Varianten lautstärkeangepasst gegengehört. Wenig überraschend ist der drückende Bass- und Mittenanteil aus „CLA Nx“ am besten für wummernde Hip-Hop-Tracks, knarzenden Rock und peitschenden Grunge am besten geeignet. Der Acoustic-Pop-Track wurde am klarsten in der „Nx Ocean Way Nashville“-Emulation abgebildet. Und die glasklare Darstellung der Mitten und Höhen in „Abbey Road Studio 3“ war am ehesten für EDM und das zarte Arrangement von „Glory Box“ geeignet. 

Fazit

Waves Nx hat mit dem Head Tracking ein Feature, das es von der Konkurrenz abhebt.. Die drei Studioräume „CLA NX“, „NX Ocean Way Nashville“ und „Abbey Road Studio 3“ sind je nach Genre hervorragende Mixing-Tools. 

Warum es allerdings nur zwölf Kopfhörer-Kalibrierungsprofile gibt, ist genauso schleierhaft, wie die Aufteilung in vier Plugins. Will ich Mixing-Räume vergleichen, artet das in mühsame Bypass-Klickereien aus. Viel einfacher wäre ein Plugin mit verschiedenen Mixing-Rooms. Auch das Fehlen einer Systemwide-App schmerzt: Will man neben dem Mixing kurz ein Tutorial oder eine Referenz im Streamingdienst der Wahl gegenhören, geht das nur über einen umständlichen Workaround samt Drittanbietersoftware. Wer aber in die Welt des Kopfhörer-Mixings einsteigen möchte, für den ist die NX-Reihe eine echte Empfehlung. Nutzt man eines der Plugins dauerhaft, kann ich den Bluetooth-Tracker nur empfehlen, er ist einfach genauer und ressourcenschonender.

  • Pro
  • Webcam Head Tracker erkennt (bei gutem Licht) die Kopfposition.
  • Bluetooth Head Tracker ist einfach eingerichtet.
  • Sehr realistische Darstellung des Stereopanoramas bei Kopfbewegungen
  • Mehrere Wahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Monitormodellen
  • Virtuelle Studioräume bilden Mixe realistisch ab
  • Contra
  • Keine System-Wide-App
  • Nur zwölf Kalibrierungsprofile für Kopfhörer
  • Mühsames Umschalten beim Einsatz mehrerer Nx-Plugins
  • Features
  • Simulation von echtem Stereopanorama durch Head Tracking und Studioakustik
  • Headtracking durch eigene Webcam oder zusätzlichen Bluetooth-Dongle
  • HRTF kann durch Eingabe der Kopfmaße individuell angepasst werden
  • Virtual Mix Room: Winkel und Position der Monitore wählbar.
  • CLA Nx: Zwei Monitorgrößen (Cla-10+Sub und Mains) und eine Boombox wähbar, dazu 360°-Drehung um den Mixing Spot. Raumanteil einstellbar.
  • Nx Ocean Way Nashville: Zwei Monitorgrößen (HR1 und HR5) wählbar, dazu 360°-Drehung um den Mixing Spot. Raumanteil einstellbar.
  • Abbey Road Studio 3: Drei Monitor-Größen (Near, Mid und Far) wählbar, dazu 360°-Drehung um den Mixing Spot.
  • Systemvoraussetzungen
  • Windows: Ab Intel Core i5, i7, i9, Xeon oder AMD Quad Core, Windows 10 64 bit, Windows 11 (Build 22000.194)
  • Mac: Intel Core i5, i7, i9, Xeon oder Apple M1, MacOS-Versionen: 10.14.6, 10.15.7, 11.5.2, 12.0.1
  • Speicher Minimum: 8 GB RAM (16 GB empfohlen), HDD: 16 GB Speicher auf der Systempartition,
  • Für Bluetooth Head Tracker: Bluetooth 4.0 oder höher mit BLE-Modus (Bluetooth Low Energy)
  • Preis
  • Waves Nx Virtual Mix Room: 29 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Im Bundle mit Head Tracker: 69 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Waxes CLA Nx 29 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Im Bundle mit Head Tracker: 99 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Waves NX Ocean Way Nashville: 29 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Im Bundle mit Head Tracker: 99 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Waves Abbey Road Studio 3: 49 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Im Bundle mit Head Tracker: 129 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)
  • Waves NX Head Tracker für Headphones 89 EUR (Straßenpreis 15.11.2021)

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