Gitarre Hersteller_Vox
Test
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16.04.2020

Vox Cambridge50 Test

E-Gitarrencombo

Combo mit Mini-Röhre

Der Vox Cambridge50 Modeling-Amp gehörte zu den Neuvorstellungen der britischen Verstärkerbauer auf der NAMM 2020, ein Combo mit 50 Watt Ausgangsleistung, einer Nutube-Röhre in der Vorverstärkersektion, elf Verstärkersimulationen und diversen Effekten.
Der Combo-Amp mit 12" Speaker und offenem Gehäuse bewegt sich auf einem zurzeit vielbeackerten Terrain, auf dem er sich mit Röhrenvorstufe und der Vox-eigenen Virtual Element Technologie von der Konkurrenz absetzen möchte. Wie er das bewerkstelligt und mit welchen weiteren Features er dabei punktet, muss er im folgenden Test beweisen.

Details

Der handliche Combo besitzt Abmessungen von 452 x 240 x 410 mm und bringt schlanke 8,9 kg auf die Waage. Das Holzgehäuse ist mit schwarzem Tolex bespannt und in offener Bauweise gefertigt, sodass der eingebaute 1x12" VX 12 Celestion-Speaker in seiner Gänze bestaunt werden kann. An der Rückseite des Leichtgewichts befindet sich zudem die Netzteilbuchse des mitgelieferten 19-Volt-Stromspenders, dazu kommen der Anschluss der optional erhältlichen VFS2- oder VFS5-Fußtaster und eine USB-Buchse, auf die ich später noch näher eingehen werde. Der kleine Combo lässt sich mithilfe eines Griffs auf der Oberseite komfortabel transportieren und ruht, einmal abgestellt, sicher auf seinen vier Gummifüßen. Die Front ist mit einem schwarz-grauen Stoff bespannt, in den die von Vox bekannte Raute eingewebt wurde.

Der Vox Cambridge50 ist ein Modeling-Amp, der auf der Vox-eigenen Virtual-ElementTechnologie (VET) beruht und in Kombination mit der Nutube überzeugende Sounds erzeugen soll. Laut Hersteller ziehen Übersteuerung, schnelle Ansprache und Dynamik mit Röhrenverstärkern gleich und wirken kein bisschen digital. Diesen Angaben werde ich im Praxisteil natürlich näher auf den Grund gehen.
Bei der Nutube handelt es sich um eine von Korg Inc. und der Noritake Itron Corporation entwickelte Elektronenröhre, welche die Technologie von Vakuumfluoreszenzanzeigen nutzt. Wie eine konventionelle Elektronenröhren besteht die Nutube aus einer Anode, einem Gitter und einer Glühkathode und arbeitet als vollwertige Triodenröhre. Damit soll sie die Ansprache und die gleichen satten Obertöne bieten, die typisch für konventionelle Röhren sind.

Schauen wir uns die Oberseite einmal etwas genauer an, denn hier befindet sich das Bedienfeld:

Direkt über der Eingangsbuchse auf der linken Seite lässt sich die Gitarre mithilfe des eingebauten Tuners stimmen. Zum Aktivieren muss der mit TAP beschriftete Schalter betätigt werden, der sich im unteren rechten Drittel der Bedienfläche befindet und gedrückt eine rote LED leuchten lässt.

Der Cambridge50 stellt insgesamt zehn Verstärkermodelle und einen Line-Input bereit, die sich mithilfe eines Wahlschalters anwählen und anhand der Kürzel oder Zahlen recht eindeutig dem nachempfundenen Amp zuordnen lassen. Zu diesem Zweck steht ein großer Drehschalter bereit, der wie alle anderen Potis mit einem Chickenhead-Knopf versehen ist, der auch aus der Entfernung dank seiner markanten Bauform und einem weißen Skalenstrich ein Ablesen der jeweiligen Stellung ermöglicht.

Folgende Amps stehen zur Auswahl bereit:

  • Deluxe Clean: Beruht auf dem Tremolo-Kanal eines 22 Watt Blackface aus der 1960ern
  • Boutique Clean: Beruht auf dem Clean-Kanal eines "Overdrive Special" Boutique-Amps
  • Boutique OD: Beruht auf den Overdrive-Kanal des "Overdrive Special" Boutique-Amps
  • Vox AC30: Simulation des Clean-Kanals eines Vox AC 30 mit Alnico Blue Speakern
  • Vox AC30TB: Beruht auf einem Vox AC30 mit Top-Boost-Schaltung
  • Brit 1959: Beruht auf dem "High Treble"-Kanal des britischen Klassikers aus den 1960ern
  • Brit 800: Beruht auf einem weiteren Klassiker der britischen Ampschmiede, diesmal aber aus den 80ern.
  • Brit VM: Beruht auf dem Overdrive-Kanal 1 des vierkanaligen JVM-Amps
  • SL-OD: Beruht auf dem "Overdrive"-Kanal des 100-Watt-Klassikers aus den USA
  • Double Rec: Basiert auf dem "Modern High Gain"-Kanal des amerikanischen Brachial-Amps
  • Line: Hier erzeugt die Nutube-Röhre laut Hersteller einen reinen, klaren Sound mit reichhaltigen Obertönen, gut geeignet für halbakustische E-Gitarren oder Keyboards.

Zum Feintunen des Klangs stehen vier weitere Regler bereit, die ein Einstellen von Gain, Treble, Bass und Volume ermöglichen.
Hinzu kommen insgesamt acht Effekte, die in eine Modulations- und Delay/Reverb-Sektion unterteilt sind. Je nachdem, wie weit der entsprechende Regler betätigt wird, desto intensiver wird der Effekt; dreht man etwas weiter, wird ein neuer Effekt angewählt.

Aus folgenden Effekte kann man wählen:

  • MODULATION EFFEKTE
    Chorus: Modell eines herkömmlichen analogen Chorus
    Flanger: Modell eines analogen Flangers
    Org Phase: Modell eines beliebten 4-Stufen-Phasers mit orangefarbenem Gehäuse.
    Twin Trem: Modell eines Combo-Amps mit Tremolo
  • DELAY/REVERB EFFEKTE
    Analog Delay: Modell eines analog Delays mit Eimerkettenschaltung (BBD)
    Tape Echo: Modell eines analogen Band-Echos
    Spring: Modell eines klassischen Verstärker-Federhalls
    Hall: Modell des Halls eines Konzertsaals mit zahlreichen Reflexionen

Anbei ein Diagramm des Signalwegs.

Der Cambridge50 lässt sich auf unterschiedliche Weisen betreiben. Im Preset-Mode können vorprogrammierte Sounds aufgerufen werden, im Manual-Modus gilt das WYSIWYG Prinzip: Das Kürzel steht für What You See Is What You Get - der jeweilige Sound entspricht somit den Reglerpositionen.
Ab Werk hat Vox dem Amp elf Presets spendiert - abspeichern lassen sich zwei Sounds, die man mit dem optionalen Fußschalter VFS2 abrufen kann. Erwirbt man den VFS5-Fußschalter, können insgesamt acht Sounds abgespeichert und abgerufen werden.

Wird der Verstärker länger als eine Stunde nicht gespielt, schaltet er sich automatisch aus. Diese Funktion lässt sich deaktivieren, wobei zur Kontrolle am Stimmgerät die beiden LEDs unterschiedlich aufleuchten, wie man hier sehen kann.

An der rechten Seite befinden sich zwei Mini-Klinkenbuchsen, die den Anschluss eines Kopfhörers (Phones) und eines mp3-Players oder ähnlicher Audioquellen ermöglichen (Aux). Am Kopfhörerausgang liegt übrigens ein frequenzkorrigiertes Signal an. An die eingangs erwähnte USB-Buchse an der Rückseite des Combos lässt sich mithilfe eines handelsüblichen USB-Kabels ein Computer, Tablet, Smartphone oder ähnliches anschließen, um den Amp auch als Audio-Interface zu nutzen.

Tone Room

Vox stellt mit Tone Room die passende Editor/Verwaltungs-Software zum Download bereit, auf die ich etwas näher eingehen möchte.
Die gemodelten Amps und Effekte lassen sich grafisch mithilfe eines iOS-Gerätes oder Rechners editieren. Die dafür vorgesehene Tone-Room-Software erleichtert das Editieren aufgrund der ansprechenden Grafik, bietet aber im Grunde keine weiteren Möglichkeiten, um auf die Effektkonfigurationen Einfluss zu nehmen.

JamVox III

Der Käufer bekommt die hauseigene JamVox III Software gratis hinzu, die nach dem Download auf der Herstellerwebsite und der darauf folgenden Registrierung mit dem beiliegenden Produktcode freigeschaltet wird.
JamVox III bietet weitere Amp- und Effekt-Modelle, mit denen eigene Ideen festgehalten oder zu Songs mitgespielt werden können. Außerdem lässt sich die Software als Plugin in externe DAWs einbinden.

Folgende Systemanforderungen stellt Vox zum nutzen der Software:

- PC -

Windows 7 SP1 alle Editionen (32/64 Bit)
Windows 8.1 alle Editionen (32/64 Bit)
Windows 10 alle Editionen (32/64 Bit)
Arbeitsweise für die Aktualisierung:
Entpacken Sie die heruntergeladene Datei und starten Sie das Installationsprogramm.

- Mac -

Mac OS X10.8 oder neuer
Mac OS X10.9 oder neuer
Mac OS X10.10 oder neuer
Mac OS X10.11 oder neuer

- iOS -

iOS 8.0 oder neuer, iPhone/iPad
iOS 9.0 oder neuer, iPhone/iPad

Aufgrund der leichten Bauweise würde ich den Amp nicht unbedingt mit auf Tour nehmen, aber zum Spielen in den heimischen vier Wänden oder im Proberaum/Studio sollte die Leistung vollkommen ausreichen.

Ich bin schon gespannt, wie sich der in Vietnam gefertigte Combo im folgenden Praxisteil schlägt.

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