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Test
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05.06.2013

Universal Audio Teletronix LA-2A Classic Leveler Collection Test

Kompressor-/Limiter-Plug-Ins für UAD

Die Reissue-Reissue

Dieses Review der Universal Audio Teletronix LA-2A Classic Leveler Collection ist quasi ein Testbericht über eine "Software-Reissue-Reissue". Denn ebenso wie der Hardware-LA-2A als Urgestein unter den Dynamikprozessoren gilt, zählte dessen erste Plug-In-Adaption zu den ersten Prozessoren, die Universal Audio vor über zehn Jahren für die damals neugeschaffene UAD-Plattform anbot. Zeit für eine neue Betrachtung dieses Themas!

Eine Dekade ist im digitalen Zeitalter eine Ewigkeit. Die erste Generation der Universal-Audio-Plug-Ins zählte zum Zeitpunkt ihres Releases zur allerersten Garde im Software-Sektor und konnte sich auch in den Folgejahren gut behaupten. Allerdings dreht sich das digitale Rad dem Moore'schen Gesetz folgend mit stetig zunehmender Geschwindigkeit. Dieser Effekt hat auch bei dem Plug-In-Angebot für die UAD-Plattform nicht Halt gemacht. Die Prozessoren, die Universal Audio in jüngeren Jahren auf den Markt gebracht hat, bedienen sich immer weiter vefeinerter Methoden. Verfahren wie „Component Modeling“, bei denen analoge Schaltkreise bis hin zu einzelnen Widerständen und Kondensatoren in Software-Code „nachgebaut“ werden, erlauben heute das Design ausgesprochen subtiler, charaktervoller Software-Plug-Ins, in deren Klangverhalten auch die viel zitierten Nichtlinearitäten, die analogen Sound oftmals so reichhaltig machen, in viel stärkerem Umfang als je zuvor Einzug halten.

Während der Hardware-LA-2A immer noch so frisch ist wie eh und je, schien die erste Generation der UAD-Plug-Ins zuletzt etwas in die Jahre gekommen. Was also tun? Aus Gründen der Abwärtskompatibilität kann man ja bestehende Prozessoren nicht so einfach umkrempeln. Wie auch bei der 1176-Collection hat Universal einen sehr eleganten Ausweg aus diesem Dilemma gefunden: Mit der LA-2A Classic Leveler Collection sind nun drei völlig neu entwickelte Plug-Ins im UAD-Programm, die auf Basis aktueller, zeitgemäßer Modeling-Technologie designt wurden, und mit denen das Thema „digitaler LA-2A“ nun auf eine neue Evolutionsstufe gehoben werden soll. Zu diesem Zweck hat Universal Audio drei Exemplare aus der recht reichhaltigen LA-2A-Geschichte herausgepickt. Und genau diesen Hintergrund wollen wir nun einmal beleuchten, bevor es an die Unterschiede geht, welche diese Plug-Ins im praktischen Einsatz auszeichnen.

Details

Von Raketentechnik bis zur heutigen DAW

Entwickelt wurde der LA-2A von Jim Lawrence. Der kalifornische Ingenieur diente im Zweiten Weltkrieg bei der US-Marine als Radar-Techniker, und anschließend entwickelte er optische Sensoren für ein militärisches Raketenprogramm. Seine wahre Leidenschaft galt aber dem Rundfunk, und nach kurzer Betätigung bei einem Radiosender in L.A. war Lawrence es leid, den Pegel des gesendeten Programmes permanent von Hand anpassen zu müssen – die Idee für eine automatische Level-Kontrolle war geboren. Da kamen die zuvor gesammelten technischen Erfahrungen gerade recht. Teletronix wurde schließlich 1958 in Pasadena gegründet, und zwischen allen möglichen Broadcast-Produkten wie beispielsweise Senderöhren hatte der Hersteller auch den LA-1 im Programm. Dieser ist der direkte Vorläufer des LA-2A, von dem nur wenige Exemplare gebaut wurden, der aber den Grundstein für eine jahrzehntelange Erfolgsgeschichte legte, die nun schließlich bei der aktuellen Level Collection von Universal Audio angelangt ist. Doch zurück zu den Anfängen: Wenig später wurde der etwas weiterentwickelte LA-2 vorgestellt, welcher recht schnell in den Anlagen großer Rundfunk-Netzwerke wie CBS und RCA installiert wurde. Und von dort fand das Gerät mit wenig Verzögerung auch den Weg in die Aufnahmestudios. Um 1962 schließlich wurde der interne Aufbau des Gerätes verbessert, was beispielsweise für einen größeren Rauschabstand sorgte – der LA-2A war geboren. Dieser wurde nun einige Jahre unverändert produziert, bis der Universal-Audio-Gründer Bill Putnam die Firma 1967 übernahm. Mit einem Facelift und der nun nicht mehr crèmegrauen, sondern silbernen Frontplatte wurde der LA-2A noch einige Jahre produziert, bis er schließlich von seinem Transistor-Nachfolger LA-3A abgelöst wurde. In den 70er- und 80er-Jahren wurden jeweils noch einmal kleinere Serien produziert, doch erst seit der Wiederauferstehung von Universal Audio 1999 ist der LA-2A wieder durchgehend erhältlich – und damit sind wir in der Neuzeit angelangt.

Drei Versionen zur Auswahl

Für die Classic Leveler Collection hat Universal Audio sich nun die drei wichtigsten Revisionen aus der LA-2A-Geschichte herausgepickt: Den Ur-LA-2 sowie jeweils einen LA-2A in der frühen grauen und der späteren silbernen Variante. All diese Geräte haben das grundlegende Funktionsprinzip gemein, das Layout der Bedienlemente und auch die legendäre T4-Optozelle, das Herzstück dieses Kompressors. In einer Broschüre pries Universal Audio das Gerät damals als „größte Verbesserung auf dem Feld der automatischen Pegelkontrolle in 20 Jahren“ an, und hatte damit so Unrecht nicht, war doch der LA-2A das allererste Dynamiktool, das nicht auf Vari-Mu-Röhrentechnik beruhte und sich am Markt überaus erfolgreich durchsetzen konnte.

Zweiknopfbedienung

Alle Plug-Ins des Bundles verfügen über die typische Zweiknopf-Bedienung mit Peak-Reduction- und Gain-Potis sowie über das bekannte Programm-adaptive Regelverhalten. Die Unterschiede – neben den solchen rein optischer Natur – liegen einerseits im reinen Klang, und zudem, und das ist der wichtigste Punkt, im Ansprech- und Regelverhalten der Prozessoren. Der LA-2 ist dabei der Gemütlichste im Bunde. Je später das Design, desto zackiger die Kompression: Folglich deckt der Grey-Face LA-2A das mittlere Spektrum ab, während die letzte Variante, der Silverface, die schnellsten Zeitkonstanten bietet, und damit nicht nur die flexibelste Version darstellt, sondern von allen LA-2As auch diejenige, die sich am besten für den Einsatz auf perkussivem Material eignet.

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