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Test
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15.01.2016

U-He Protoverb Test

Freeware Plug-In für Win, Mac und Linux

Das etwas andere Hall-Plug-In

Die meisten Reverb-Effekte bilden die Reflektionen von Räumen nach und versuchen Resonanzen dabei zu vermeiden. Der Protoverb von U-He macht es anders: Es werden so viele Raumresonanzen wie möglich generiert, wodurch einige Frequenzen länger nachhallen als andere. 

Laut Urs Heckmann, dem Hersteller vieler beliebter Instrument- und Effekt-Plug-Ins wie Diva, Zebra und Presswerk, soll dadurch ein natürlich klingender Hall geschaffen werden, der die Eigenheiten der Signale definiert wiedergibt, statt sie zu einem undifferenzierten Klang zusammenzufassen. U-He bietet das Plug-In kostenlos an und freut sich im Gegenzug über die Zusendung eigener Settings – ein Plug-In zum Mitwirken!

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Details + Praxis

Allgemeines

Protoverb 1.0 ist verfügbar für Windows als VST2- sowie AAX- und für Mac als AU-, AAX- und VST-Plug-In, jeweils in 32- und 64-Bit. Sogar für Linux ist eine VST2-Version verfügbar. Eine VST3-Version ist nicht erhältlich.

Bedienoberfläche

Der Protoverb ist in wenigen Sekunden auch ohne Vorwissen zu verstehen, da sein Konzept auf dem Zufallsprinzip basiert. Im Gegensatz zu Parametern wie Pre-Delay, Reverb-Time und Diffusion, die man sonst von Reverb-Effekten gewohnt ist, besitzt der Protoverb im Grunde nur einen Decay-Regler, um die Nachhallzeit zu bestimmen sowie Dry und Wet.

Reiner Zufall

Das eigentlich Interessante am Protoverb jedoch sind die Random-Buttons, die zufällige Räume und Delay-Zeiten erzeugen. Der linke Random-Button „Modules“ generiert dabei den Aufbau des Raumes, der rechte Button hingegen die Anzahl und Länge der Delays, so der Hersteller.

Weiterhin ist das Plug-In mit einem On-Off-Schalter, einer Undo/Redo-Funktion sowie einem Save-Button zum Speichern der per Zufall generierten Settings ausgestattet. Im dazugehörigen Preset-Menü sind bislang nur 15 Presets mit an Bord, doch ganz sicher werden künftig weitere hinzukommen, denn Protoverb ist…

Ein Plug-In zum Mitgestalten!

Sofern der Zufall es zulässt und man ein interessantes Setting generiert hat, kann dieses direkt aus dem Plug-In heraus dem Hersteller zugesandt werden. Die Random-Buttons erzeugen nämlich zusätzlich einen Code, welcher an U-He verschickt werden kann, sofern man es möchte. Der Code lässt sich zudem per Hand mit Zahlen und Buchstaben anpassen, wodurch sich der Klang des Reverbs verändert. 

Möchte man ein Setting zum Hersteller schicken, füllt man ganz einfach online ein Formular aus, um den Herrschaften bei U-He Angaben über die klanglichen Eigenschaften des Settings zu machen. Dieses könnte demnach schon bald im Preset-Menü der zukünftigen Protoverb-Versionen zu finden sein. Oder um es mit den Worten des Herstellers zu sagen: „When you find the best or worst sounding reverb let us know!“

Installation

Auf der Website des Herstellers stehen drei Downloads zur Verfügung: Windows, Mac und Linux. Nach dem 11-Megabyte-Download wird eine gewöhnliche Installationsroutine durchlaufen, in der das gewünschte Plug-In-Format installiert werden kann. Zusätzlich lassen sich hier auch die Presets und ein dazugehöriges Benutzerhandbuch mit installieren. Eine vorige Registrierung beim Hersteller ist freundlicherweise nicht erforderlich, da der Download einfach von der Produktseite der Hersteller-Website erfolgt. 

Klang

Da das Plug-In seine Klangeigenschaften per Zufall generiert, lässt sich sein Sound nur schwer pauschalisieren. Für die Klangbeispiele habe ich deshalb zunächst das Preset-Menü durchforstet und bin dabei auf interessante Ergebnisse gestoßen. Hört euch das mal an:

Die langen Hallfahnen des Protoverb wirken auf mich weniger authentisch, lassen sich aber gerade deshalb sehr experimentell einsetzen – besonders, wenn man es mit dem Decay-Regler bewusst übertreibt. Stellt man diesen einfach mal auf 100 %, wird die Hallfahne tatsächlich unendlich lang gehalten, was sich sicher experimentell in Songs verwenden lässt. Im Test fiel mir auf, dass der Regler zwar mit „Decay“ betitelt ist, im Display des Plug-Ins, das die prozentualen Werte anzeigt, der Parameter allerdings als „Feedback“ angezeigt wird. Im folgenden Klangbeispiel habe ich das Preset „Medium Room“ auf einer Vocal-Spur eingesetzt und es mir nicht nehmen lassen, das Ende des Takes mit 100 % Decay zu automatisieren. Am Ende des Klangbeispiel habe ich ein Fade-Out gesetzt, da der Nachhall ansonsten tatsächlich unendlich lange läuft. Jedenfalls hielt Protoverb nach einer etwa fünfminütigen Kaffeepause noch immer den selben Pegel…

Insgesamt hat mich der Klang des Protoverb überzeugt. Sehr positiv überrascht haben mich ausgerechnet die kleinen Räume, die bei mir schon fast das Gefühl vermitteln, ein zusätzliches Raum-Mikrofon aufgestellt zu haben. Und dabei bin ich der Meinung, dass bei vielen Reverb-Effekten besonders die kleinen Räume eher unnatürlich klingen. Genau hier macht der Protoverb also einen richtig guten Job und ich habe das Gefühl, dass der virtuelle Nachhall-Macher sich seinen Platz in meinen Produktionen erkämpfen wird.

Fazit

Mit dem Protoverb bietet U-He einen Freeware-Hall, der sich in puncto Klangqualität ganz sicher nicht verstecken muss. Trotz oder gerade wegen seines Random-Konzepts und den kaum vorhandenen manuellen Eingriffsmöglichkeiten ist der Reverb-Effekt ebenso experimentell wie einfach in der Bedienung. Als langjähriger Lexicon PCM Native Nutzer hat mich das Plug-In besonders im Hinblick auf die kleinen Räume sehr positiv überrascht. Durch seine kostenlose Verfügbarkeit bleibt mir nur zu sagen: downloaden, experimentieren, mitwirken und Spaß haben!

Das kostenlose Plug-In findet ihr hier: http://www.u-he.com 

  • Pro:
  • überschaubare Bedienoberfläche
  • inspirierendes Random-Konzept
  • Möglichkeit zur Mitwirkung an zukünftigen Presets
  • experimentelle Eigenschaften
  • keine Registrierung erforderlich
  • verfügbar für Linux, Mac und Windows
  • Contra:
  • kein Contra
  • Preis
  • kostenlos

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