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Test
10
17.04.2013

Praxis

Der Grundklang der NY Studios Vol. 3

So deutlich die äußerlichen Gemeinsamkeiten mit der Core-Library auch sein mögen, im Sound setzen sich die NY Studios Vol. 3 durch einen hörbar erhöhten Faktor an Natürlichkeit ab. Was die klangliche Grundphilosophie angeht, ist die Erweiterung am besten mit ihrem direkten Vorgänger – also den NY Studios Vol. 2 – vergleichbar. Statt von vornherein ausschließlich kräftige und vorbearbeitete Sounds anzubieten, wirkt der Grundklang wie ein Kompromiss zwischen der Core-Library und der roheren und fast gänzlich unbehandelten Ästhetik anderer Erweiterungen (z.B. Custom & Vintage, Roots oder auch Metal Foundry SDX).

Bei den Aufnahmen für die Basiskanäle von Kick, Snare und Toms wurde zwar weitgehend auf den Einsatz von Kompressoren verzichtet, dass hin und wieder in geringem Maße an dem einen oder anderen EQ gedreht wurde, darf man aber trotzdem ruhigen Mutes unterstellen. Die Overheads und vor allem die verschiedenen Raumkanäle wurden deutlich hörbar anpoliert, ein angenehmes Maß an Restschmutz scheint aber an vielen Stellen der Library durch.

Bassdrums und Toms der drei Drumsets sowie die sechs Snares wirken im Großen und Ganzen relativ erdig, ohne dabei in extreme klangliche Gefilde abzudriften. Am wuchtigsten geht es beim standardmäßig geladenen Ludwig-Set zu, das vergleichsweise tief gestimmt ist und mit seiner größeren Bassdrum den meisten Druck im Bassbereich erzeugt. Das Slingerland-Kit wirkt mit seinen kleineren und höher gestimmten Trommeln dagegen fast ein wenig funky und kann sogar in einem jazzigen Kontext funktionieren, und auch das 1966er Rogers Drumset zeichnet sich durch eine höhere Stimmung aus, transportiert mit seinen abgedämpften Toms aber einen gewissen Touch von Retro-Rock. Die Becken setzen sich dagegen kaum von der Core-Library ab, und selbst die eigentlich sehr speziellen Hi-Hats wirken überraschend unspektakulär und unterscheiden sich von gängigeren Varianten hauptsächlich durch einen mit steigender Anschlagstärke zunehmend aggressiveren Charakter, ohne dabei über die Stränge zu schlagen.

In den Audio-Beispielen gibt es die Standard-Presets der drei Drumsets in Verbindung mit einigen Grooves aus der durchaus vielseitigen MIDI-Library zu hören. Toontrack bleibt hier einem bewährten Konzept treu und bietet eine Auswahl von größtenteils relativ langen Patterns und Variationen, die in Songs bzw. Songteilen organisiert sind, entsprechend gut zueinander passen und den Weg zum schnellen Layout erleichtern. Die MIDI-Files sind wie gewohnt hervorragend eingespielt und im Gegensatz zu manch anderer SDX absolut alltagstauglich.

Artikulationen

Was die Artikulationsvielfalt angeht, ist man als Anwender des Superior Drummer und emsiger Sammler von Erweiterungen seit der zuletzt veröffentlichten Roots SDX durchaus ein wenig verwöhnt. Das Bundle aus beiden Teilen bot neben üblichen Drumsticks nicht nur Brushes, Hot Rods und Mallets, sondern konnte auch mit einer sehr hohen Anzahl an verschiedenen Spielweisen pro Instrument einen neuen Maßstab setzen. So ließen sich alle Becken in den Bereichen von Bow (Beckenfläche) und Bell (Beckenglocke) entweder mit der Stockspitze oder dem Schaft des Stockes anspielen und zusätzlich an der Beckenkante crashen. Die Hi-Hats boten eine überragende Auswahl von 20 verschiedenen Spieltechniken, die ihresgleichen sucht.

In diesem Bereich merkt man den NY Studios Vol. 3 an, dass sie bereits 2006 aufgenommen wurden, denn sie sind der Zeit entsprechend weniger ausufernd ausgestattet. Zwar kann man sich bei den Bassdrums für einen Beater aus Filz oder Plastik entscheiden, ansonsten besinnt sich der New Yorker Instant-Trommler aber auf das Grundlegende, schwingt ausschließlich die guten alten Drumsticks aus Holz, und auch der Snare-Teppich lässt sich nicht lösen. Auf den Toms lassen sich Rimshots oder Schläge auf dem Rahmen der Trommel umsetzen, die Crash-Becken werden aber ausschließlich gecrasht und nicht etwa auf Bell oder Bow bespielt. Vor allem E-Drummer, die den Superior Drummer über MIDI ansteuern wollen und deren Hardware über eine entsprechende Zonen-Erkennung verfügt, werden davon ein wenig enttäuscht sein. Im Bereich der Hi-Hats wäre eine breitere Auswahl an Spieltechniken sehr willkommen gewesen, da solche feineren klanglichen Nuancen natürlich entscheidend auf die wahrgenommene Authentizität des Ergebnisses einwirken können. In dieser Disziplin haben sich die NY Studios Vol. 3 im Vergleich zur Core-Library nicht wirklich weiterentwickelt, und gemessen an der Roots SDX darf man sich sogar (auf hohem Niveau) über einen kleinen Rückschritt beklagen.

Mixer-Channels

Absolut keinen Grund zur Klage bietet dagegen die sehr breit angelegte Auswahl der verschiedenen Mixer-Channels. Die insgesamt 22 Kanäle sind zum Teil in Stereo-Pärchen angeordnet und basieren auf einer stattlichen Anzahl von insgesamt 26 Mono-Kanälen.

Kick und Snare wurden jeweils vierfach mikrofoniert. Zu den üblichen Basis-Kanälen von Kick-In, Kick-Out, Snare-Top und Snare-Bottom gesellt sich jeweils ein relativ kräftig komprimierter Kanal, der sich für ein Hinzumischen im Sinne einer Parallelkompression anbietet. Weiterhin wurden die Bassdrums mit einem Yamaha NS 10 Lautsprecher abgenommen, der vor allem Bass einfängt und auf Übersprechungen von anderen Instrumenten verzichtet, den Snaredrums kann man dagegen über einen Rim-Kanal eine ordentliche Portion „Boing“ verpassen.

Sehr interessant sind natürlich auch die Raumkanäle, über die verschiedene Facetten des Avatar Studios eingefangen wurden. Diese erinnern klanglich in der Tat sehr an die Core-Library, wobei die drei Stereo-Pärchen, die in unterschiedlichen Entfernungen zu den Drums aufgestellt wurden, durch zwei Mono-Kanäle ergänzt werden, die beide recht deftig komprimiert wirken. Den Abschluss auf der rechten Seite des internen Mischpults machen darauf hin die Effektkanäle. Hier findet sich neben dem bereits bekannten Bullet-Mikrofon aus der Core-Library auch eine Mono-Summe, die durch ein Sansamp Verzerrer-Pedal gejagt wurde (siehe NY Studios Vol. 2), und eine Aufnahme, die tatsächlich mit einem echten Telefonhörer gemacht wurde. Um welches Modell es sich dabei handelt und ob ein Telefon mit oder ohne Wählscheibe zum Einsatz kam, konnte ich leider nicht herausfinden.

Im folgenden Video sind die unterschiedlichen Kanäle aufbauend auf einem Mix aus Direktkanälen und Overheads zu hören. Die Übersprechungen wurden für diesen Zweck komplett aktiviert, und der Superior Drummer meldete bei komplett bestückten Slots und vollständig aufgehobenen Layer-Grenzen einen RAM-Bedarf von gut sieben Gigabyte an.

Eine solche Vielfalt an Kanälen will natürlich gemischt werden, und gerade aus diesem Grund wäre es schön gewesen, wenn Toontrack eine ordentliche Schippe an unterschiedlichen Presets draufgelegt hätte. In diesem Bereich sind die NY Studios Vol. 3 aber leider recht spartanisch ausgestattet. Neben den Standard-Presets für die drei Drumsets gibt es vier weitere Presets, die Neil Dorfsman als Factory-Content beigesteuert hat. Wer mehr will, der darf sich bei den parallel veröffentlichten Producer Presets von Dorfsman und Thrall für jeweils 12 Euro bedienen.

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