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24.07.2016

Tipps für den richtigen Kauf von Trommeln und Schlagzeug-Equipment

Was gibt es im Musikgeschäft zu beachten?

Wir sagen euch, worauf es ankommt

„Fahr in einen Laden und probiere die Sachen aus, dann findest du auf jeden Fall das Richtige!“ Egal, in welchem Forum im Internet man sich aufhält, diesen Rat findet man meistens nach wenigen Minuten. Auslöser sind Fragen nach Kauftipps, beispielsweise, welche Snare man sich denn nun vom sauer ersparten Geld zulegen soll. Für den Tippgeber ist die Diskussion damit beendet, zum Erfolg führt die Aussage allerdings nur, wenn man im Laden ein paar einfache Regeln befolgt. 

Zwei Faktoren können den persönlichen Check von Instrumenten im Laden nämlich zu einer relativ unberechenbaren Angelegenheit machen. Da wäre erstens die Tatsache, dass Musikgeschäfte zwar in aller Regel mit guten Testmöglichkeiten werben, die Mitarbeiter allerdings – und verständlicherweise – wenig erbaut sind, wenn dieses Versprechen allzu wörtlich genommen wird. Selbst in großen Geschäften ist es oft nur eine Frage von Minuten, bis der Blastbeat-Fan freundlich, aber bestimmt gebeten wird, seinen kreativen Ergüssen doch bitte lieber zuhause freien Lauf zu lassen. Die zweite Einschränkung betrifft die ungewohnte Umgebung und den wahrgenommenen Sound vor Ort gecheckter Instrumente. Selbst intensives Ausprobieren ist nämlich keine Garantie dafür, dass das erworbene Instrument im eigenen Proberaum auch so klingt wie im Musikladen. Wie ihr diese Probleme in den Griff bekommt und noch mehr Spaß beim Equipment-Checken habt, lest ihr in den folgenden Tipps.

Vorbereitung im Internet

Je nachdem, welches Teil ihr kaufen möchtet, kann eine Internetrecherche sehr hilfreich sein, bevor ihr euch in die Öffentlichen oder das Auto schwingt. Bei einem Tomhalter oder einem Beckenfilz ist hier sicherlich nicht viel Vorarbeit nötig, geht es aber um Trommeln, Percussion-Instrumente oder Becken, bekommt ihr mit Videos oder Soundfiles wichtige Eindrücke von der klanglichen Richtung, in die es jeweils geht. Sind eure Kaufabsichten dann schon konkret, solltet ihr natürlich vorher sicher stellen, dass das Wunschinstrument im jeweiligen Laden auch vorrätig ist. Ich kann mich noch gut an die maßlose Enttäuschung erinnern, die sich breit machte, als ich bei meinem ersten Besuch eines großen Musikladens realisierte, dass nicht alle Becken eines Herstellers am Lager waren.

Referenz-Instrumente und eigene Stöcke einpacken!

Der Sound von Schlaginstrumenten ist extrem raumabhängig. Einerseits trägt das zu ihrer Faszination bei, beim Kauf im Musikgeschäft ist dieser Umstand hingegen ein Faktor, der großes Enttäuschungspotenzial besitzt. Denn er kann dazu führen, dass die Trommel, die ihr im aufwändig hergerichteten Testraum des Ladens für ganz großartig haltet und kauft, bei euch zuhause auf Realitätsgröße zusammen schrumpft. Dass ihr vielleicht eine mehrstündige Fahrt hinter euch habt und das Aufregungsadrenalin euch die Ohren zumacht, sorgt für zusätzliche Verwirrung. Dagegen hilft nur eines: nehmt euch ein eigenes Instrument mit, in einer  – bei Trommeln – Stimmung, die euch in eurem Proberaum gefällt. Ihr werdet nicht nur erstaunt sein, wie das Teil dann im Laden klingt, möglicherweise realisiert ihr auch, dass ein mehrfach teureres Instrument gar nicht so viel besser ist. Für Becken gilt das gleiche. Nichts spricht dagegen, eine Beckentasche mit eurem Setup mitzunehmen, insbesondere dann nicht, wenn ihr eine konkrete Kaufabsicht hegt. Gerade, wenn euch gut zusammen passende und tonal aufeinander abgestimmte Crash-Becken wichtig sind, führt nichts an dieser Praxis vorbei. Dass ihr eigene Sticks mitnehmen solltet, brauche ich hoffentlich nicht zu erwähnen.

Am ganzen Set spielen

Bei fast allen Instrumenten, die von euch später ins Set integriert werden, gilt: im Set testen. Snares oder Becken ohne Kontext auf irgendwelchen Displays anzuspielen, bringt wenig. Sucht euch – wenn möglich – mehrere Instrumente ähnlichen Typs im Laden zusammen und vergleicht sie mit eurer eigenen Referenztrommel und untereinander. Tut dies an einem Ort im Laden, denn der Beckentestraum klingt mit hoher Wahrscheinlichkeit anders als die Hauptverkaufsfläche oder die Snare-Kabine. Versucht, die neuen Trommeln so ähnlich zu stimmen wie eure Referenztrommel. Sofern keine schallisolierten Kabinen vorhanden sind, solltet ihr die Verkäufer bitten, einmal so laut zu spielen, wie ihr es im Proberaum auch tut. Spielt ihr im Proberaum mit Gehörschutz, tut dies auch beim Ausprobieren im Laden. Je realistischer ihr die Situation „nachstellt“, desto besser.

Metallkessel sind für Rock und dünne Becken für Jazz...

…liest man, wenn man sich die „Empfehlungen“ im Internet zu Gemüte führt. Natürlich ist das Unsinn, aber viele Hersteller spielen dieses verwirrende Spiel mit, um möglichst viel Zeug verkaufen zu können, aber auch, um den Trommlern Orientierung zu geben. Darauf solltet ihr nicht zu viel geben. Probiert im Laden lieber auch jene Sachen aus, von denen ihr glaubt, dass sie für eure Anwendung und euren Geschmack unpassend sind. Da können erstaunliche Erkenntnisse und tolle Inspirationen entstehen, außerdem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ihr tatsächlich euren eigenen Sound entwickelt beziehungsweise mit eurer Instrumentenwahl unterstützt.

Hörpausen machen

Was für Toningenieure gilt, gilt auch für eure Testsession im Laden: gönnt euren Ohren Pausen. Unser Gehör arbeitet adaptiv, das bedeutet, es passt sich an Umgebungen an. Vereinfacht gesagt, klingt ein Instrument nach zwei Stunden Draufhauen anders als zu Anfang des Soundchecks. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man beispielsweise eine Snare in der ersten Euphorie total klasse findet, dann merkt, dass eine andere doch besser klingt, um sich nach einer Pause zu fragen, wie man überhaupt irgend etwas an ihr finden konnte. 

Am Ende zählt euer Gefühl 

Ein Problem unserer Zeit sind die unendlichen Optionen. Gab es früher am Ort ein kleines Musikgeschäft, welches zehn günstige, zehn normale und zehn teure Becken am Lager hatte, aus denen man dann auswählen konnte, werden wir heute von Auswahl geradezu erschlagen. Am Ende kommt es aber darauf an, dass ihr euch einfach gut fühlt mit eurer Auswahl und bedenkt, dass die Musik nicht in den Instrumenten entsteht, sondern dadurch, wie ihr sie bedient. 

 

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