Test
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05.10.2018

Praxis

Das Bedienkonzept des the t.mix 20.12: simpel aber radikal. Ob man mit der „Ein-Fader-Politik“ zurechtkommt, hängt wohl überwiegend von der persönlich präferierten Arbeitsweise ab. Einen großen Vorteil bietet die Kombination aus zahlreichen Hardware-Tastern, Potis, Touchscreen und solitärem Motorfader auf jeden Fall: Man kann den the t.mix 20.12 tatsächlich vergleichsweise zügig am Gerät bedienen. Das ist besonders dann wichtig, wenn in puncto W-LAN unerwartet nichts mehr geht. Ich stand einmal mit einem Tablet-Mixer auf einem Weihnachtsmarkt und sollte eine Band via iPad mischen. Als Bescherung verweigerte mein externer Router den Dienst und der eingebaute 2.4-Ghz-Accesspoint funktionierte ähnlich „gut“ wie die ICE-Klimaanlagen der deutschen Bahn im Hochsommer. Mit dem the t.mix 20.12 wäre das ganze kein Problem, man mischt dann einfach am Gerät.

In Kombination mit einem externen Router und der 20.12TT iPad-App kommt man noch schneller zu einem überzeugenden Ergebnis. Gibt es im Publikumsbereich keinen Platz fürs Pult, stellt man den Mixer auf die Bühne und mischt mit dem iPad. Bei der Arbeit gefallen mir die zahlreichen EQ-Optionen. In diesem Punkt bietet der günstige Mixer eine Vollbedienung, ideal, um nervige Koppelfrequenzen sachgerecht zu entsorgen oder auch extremere Klangvorstellung umsetzten zu können. Die Dynamik-Abteilung ist solide, aber kein Highlight. Das einfach ausgestattete Gate (kein Sidechain, kein Filter) kann Nebengeräusche entsorgen und ist auch schnell und sensibel genug, um Drum-Kanäle aufzuräumen. Die verbauten Kompressoren sind eher im Beamtenmodus unterwegs. Klanglich eher auf unauffällig getrimmt, bieten sie eher eine ordentliche Signalverdichtung anstatt einer radikalen Klangmanipulation. Dazu passt, dass die kürzeste Attack-Zeit nur 10 ms beträgt. Somit bleiben die ersten Transienten stets unangetastet, was für weniger erfahrene Anwender eher von Vorteil ist.

Die beiden Effektsektion des the t.mix 20.12 bieten eine solide Grundausstattung. Schade ist allerdings, dass die an sich ordentlich klingenden Hall-Algorithmen im Ausklang einen wenig „metallisch“ tönen (vergleiche Hörbeispiele). Durch die zahlreichen Ein- und Ausgänge ist es für Klangfetischisten alternativ möglich, ein externes Hallgerät einzubinden. Die Delay- und Modulationseffekte sind dagegen nicht zu beanstanden. Eine grundsätzliche Sache bezüglich der eingebauten Effekte hat mich allerdings gestört. Sie werden im bekannten Send/Return-Verfahren angesteuert. Das bedeutet, über einen Aux-Weg sendet man pro Kanal den passenden Signalanteil an den internen Effekt, der wiederum das Effektsignal über die FX-Returns auf die Summe schickt. Alles wie gewohnt, allerdings sollte dabei der Effektanteil der Effekteinheit auf 100% „wet“ stehen, da ja der Effektanteil mit über den Aux-Weg geregelt wird. Leider kommt im the t.mix 20.12 bei jedem Effekt-Preset die Grundeinstellung „FX Anteil 70% - Dry Signal 30%“ zum Einsatz. Man sollte aber den Dry-Anteil auf Null reduzieren, und das FX-Signal ganz aufdrehen.

Was ich im Mix-Betrieb vermisst habe, sind dedizierte Mute-Gruppen. Einfach mal alle Eingänge oder Monitor-Sends über Mute-Gruppen stummzuschalten, ist leider nicht möglich. Als Workaround bieten sich jedoch die sechs DCA-Gruppen an. Diese lassen sich bei Bedarf schnell muten. Die Aux-Wege können ebenfalls einer DCA zugewiesen werden. Auf diese Weise lässt sich ein „Not-Aus“ für alle Bühnenmonitore realisieren, falls unerwünschtes Feedback die Performance stören sollte.

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