Test
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16.04.2019

the t.mix 16.4 Test

Digitalmixer

Digitaler Hausmeister

Es waren die 80er Jahre, in denen 19-Zoll-Rackmixer mächtig angesagt waren. Unter anderem, um die damals üblichen Keyboard-Burgen vorzumischen oder im Proberaum schnell einen Summenmix auf einem Cassettendeck aufzuzeichnen. In der Jetztzeit erleben 19-Zoll-Rackmixer ein Revival, allerdings überwiegend in der digitalen Domäne. Dabei ist Hauptaufgabe nahezu identisch geblieben. Im 19-Zoll-Kleid sollen ohne großen Aufwand und möglichst zügig einen oder mehrere Mixe erstellt werden. Genau in diese Kerbe schlägt auch unser heutiger Testkandidat the t.mix 16.4. 

Details

Digital hat ja den Vorteil, dass die Geräte kleiner und leichter werden und – im direktem Vergleich zu ihren analogen Verwandten – gleichzeitig ein größerer Funktionsumfang zur Verfügung steht. Ein digitales Leichtgewicht ist the t.mix 16.4 allerdings nicht. Denn untergebracht ist die digitale Technik in einem massiven 4 HE Metallgehäuse, das erstaunliche 7 kg auf die Waage bringt. Entsprechend robust ist die Verarbeitung. Das Gehäuse dürfte wohl jeden ADAC-Crashtest mühelos bestehen.

Ich wuchte den Mixer auf meine Werkbank und orientiere mich für den Einstieg zunächst auf der Frontseite. Dabei möchte ich auf die eingebaute Lightshow nicht verzichten und versorge the t.mix 16.4 über das Kaltgerätekabel mit Strom. Kein externes Netzteil! Das verschafft dem Rackmixer Sympathiepunkte bei mir. Die Vorderseite ist klar strukturiert, was Neulingen und Hobbyisten den Einstieg erleichtert.

Von links nach rechts notiere ich zehn identisch aufgebaute Kanalzüge. The t.mix 16.4 verfügt nicht über Remote- bzw. Recall-fähige Mikrofon-Preamps, weshalb die Mikrofonvorverstärkung rein analog vonstattengeht. Jeder Kanalzug verfügt über analoge Gain-Potis, mit denen sich Mikrofonsignale von 0 bis +50 dB verstärken lassen. Eine Signal/Clip-LED hilft bei der Aussteuerung. Ferner lässt sich jeder Mikrofonkanal individuell mit einer +48 Volt Phantomspeisung versorgen, diese wird allerdings in der DSP-Sektion aktiviert. Dazu später mehr.

Unterhalb der Gain-Potis sind Mute-Taster angebracht, um jeden Kanal bei Bedarf schnell stummschalten zu können. Es folgt ein grün beleuchtetes Panorama-Poti. Statt auf herkömmliche Fader für Volume-Einstellungen greift der the t.mix 16.4 auf blau beleuchtete Volume-Potis zurück. Leider lässt sich anhand der Potis nicht ohne weiteres die jeweilige Stellung ablesen:

Die Lautstärke lässt sich darstellen, indem ihr die Select-Taste des betreffenden Kanals drückt. In der DSP-Sektion unterhalb des Displays muss man den Menü-Taster betätigen und im Display den Eintrag „Channel“ auswählen. Im Display erscheint darauf die Kanalnummer, der Kanalname (falls einer vergeben wurde), die Volume-Einstellung (off bis +10 dB), die Panorama-Position und der Hinweis auf aktivierte „Mute-, Solo- oder +48 Volt“-Funktionen.

Das Gleiche gilt für die drei Stereokanäle (11-12, 13-14, 15-16). Deren Ausstattung ist weitestgehend identisch mit den ersten zehn Channels, allerdings können die Stereokanäle lediglich Line-Pegel verarbeiten. Wo bei den ersten zehn Kanälen die Gain-Potis des Mikrofonvorverstärkers sitzen, residiert hier ein Stereo-Link-Taster. Dieser vereint die Eingangssignale zu einem Stereokanal. Drückt man den Taster nicht, dann werden die Eingänge im Dual-Mono-Modus verwaltet.

DSP-Sektion

Als nächstes gelangen wir zur DSP-Sektion. Diese verfügt über sieben beleuchtete Schnellanwahl-Taster. Möchtet ihr einen Kanal editieren, drückt dessen Select-Taste und wählt dann einen der sieben Taster aus. Sie rufen die in jedem Kanal verfügbaren Gate- und Kompressor-Einheiten sowie einen parametrischen Vierband-EQ auf. Zudem lässt sich hier die Phantomspeisung für den selektierten Kanal anwählen.

Bei der EQ-Funktion wird über die Taster das passende Frequenzband (Hi, Mid Hi, Mid Low, Low) adressiert. Etwaige Einstellungen nimmt der Anwender dann über den Parameter-Encoder unterhalb des Displays vor. Darunter ist ein weiteres, beleuchtetes Encoder-Trio angesiedelt, das zur EQ-Einstellung (Frequenz, Filtergüte, Gain), als Pegelsteller für Aux-Wege/FX-Einheit oder für die Regelung der wichtigsten Parameter der Dynamik-Sektion (Threshold, Ratio, Gain) herhalten können. Feinabstimmungen und zusätzliche Funktionen (Preset Load/Save, FX Einstellungen usw.) müssen innerhalb von Untermenüs vorgenommen werden.

Wie es sich für einen ernsthaften Mixer ziemt, so verfügt auch der the t.mix 16.4 über eine ausgewiesene Master-Sektion. Diese wird durch ein extra großes Volume-Poti samt Select-Taste dominiert. Oberhalb davon geben zwei zwölfstellige LED-Meter die Pegelverhältnisse des Summen-Mixes wieder. Erfreulich, dass weder an einem SOLO/PFL-Bus noch an einem dedizierten Monitorausgang samt Lautstärkeregler gespart wurde. Den Abschluss auf der Vorderseite übernimmt der regelbare Kopfhörerausgang.

Rückseite

Durch das große Gehäuse ist auf der Rückseite reichlich Platz vorhanden. Wie bereits erwähnt wird die Stromaufnahme durch eine Kaltgerätebuchse realisiert. Wenig praxisdienlich ist dagegen der Netzschalter auf der Rückseite. Ist der Mixer in einem Rack eingebaut, kommt man nur noch mit Mühe an den Power-Taster. Wichtig für die „Generation Smartphone“ ist allerdings die verbaute Ethernet-Buchse, die es erlaubt, mit einem externen Router den the t.mix 16.4 mithilfe der kostenlosen „DR16.4“ App und einem iPad fernzubedienen. Eine Blende über dem Optionskarten-Slot verspricht zukünftige Funktionserweiterungen. Im Konfigurationsmenü des Mixers sind jetzt schon die Einträge „Digital In/Out“ angelegt. Da der Mixer im jetzigem Zustand keine digitalen Ein- und Ausgänge vorweisen kann, könnte dies zukünftig über eine Erweiterungskarte vorgenommen werden. 

Der Rest der rückseitigen „Real Estate“ wird durch die zahlreichen analogen Ein- und Ausgänge belegt. Ich notiere für die Kanäle 1-10 sowohl XLR-Buchsen für Mikrofonsignale als auch Klinkenbuchsen für Line-Signale. Für die drei Stereokanäle stehen jeweils zwei Klinkenbuchsen parat, während die Mischpultsumme über zwei XLR-Buchsen weitergereicht wird. Außerdem vorhanden: ein Control-Ausgang und zwei Monitor- bzw. Aux-Ausgänge, beide im Klinkenbuchsen-Format. Genug der analogen Hardware, schauen wir uns die iPad-App an.

Die App

Der Hinweis, dass es eine iPad-App für die Fernsteuerung gibt, erhält man nur auf der entsprechenden Seite des 16.4 im Thomann-Webshop. Die Bedienungsanleitung schweigt sich dagegen aus. Also besuchen wir Apples App-Store, tippen „DR16.4“ in die Suchfunktion und finden den passenden Eintrag. Überraschung! Die Oberfläche kommt mir bekannt vor. Die App unseres Testkandidaten ist im Grunde identisch mit der des the t.Mix 20.12, das ich vor einiger Zeit hier getestet habe.

Ein kurzer Rundgang durch die App zeigt, dass nicht nur das User-Interface ähnlich ist. Auch die Kernfunktionen wie EQ, Gate und Kompressor und die Effektsektion sind identisch. Nur die Anzahl der Kanäle und Aux-Wege variiert. Logisch, da der große Bruder (t.mix 20.12) über mehr Ein- und Ausgänge verfügt.

Neu dazugekommen ist allerdings die Automix-Funktion in der Tradition eines Dugan-Automixers. Der steht für alle 16 Eingänge zur Verfügung und ermöglicht eine automatische Aussteuerung von Signalen, was gerade bei Diskussionsrunden sehr hilfreich ist.

Er regelt selbstständig alle Kanäle runter, bei denen gerade kein Signal anliegt. Sprechen mehrere Leute gleichzeitig, regelt der er die Lautstärke derart, dass der Maximalpegel nicht ausufert. Das geht schneller und akkurater, als es ein Tontechniker könnte, zumal wir für die Lautstärkenkorrektur nur Hardware-Potis oder die virtuellen Fader der iPad-App zur Verfügung haben. 

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