Test
8
06.08.2019

Praxis

Wiedergabe

Für die erste Hörprobe bereits bestehender Aufzeichnungen öffne ich den Cassetten-Schacht von Tape 1. Beide Fächer öffnen sich übrigens gleichmäßig über eine hörbar rein mechanische Entriegelung. Welcher Cassetten-Typ aufgenommen wird, erkennt das 202 automatisch. Das Deck zeigt allerdings nicht an, welcher Typ erkannt wurde. Ich spule das Band einmal vor und zurück, schließlich wurde es etwa 20 Jahre nicht gespielt. Anschließend „Play“ gedrückt und los geht´s. Es ertönt ein BFBS-Radiomitschnitt aus dem Jahr 1996 von Steve Masons´s Experience – eine Aufnahme auf Chrome-Cassette eines AKAI-GX52 mit aktiviertem MPX-Filter und Dolby B. Ich stelle den Mäuseklavierschalter „Noise Reduction“ auf „On“ und lausche nun der Radioshow direkt bis zum Ende (!) der ersten Seite. Moment, so war das nicht geplant, aber es ist einfach nur zu gut. Der phatte Radiosound, der Techno Mitte der Neunziger serviert von einem der angesagtesten Musikmoderatoren seinerzeit. Ich bin einigermaßen verzückt und ein leicht verklärendes Gefühl von angenehmer Nostalgie macht sich in mir breit. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet ...

Nun denn, zurück in das „Jetzt“: Meine leicht emotional geführte temporäre Retroperspektive kann mich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier de facto um eine uralte Cassetten-Aufnahme handelt, die aber dennoch GUT klingt, warm, ein wenig verhangen, im Hochton eher Contenance haltend, aber dennoch niemals dumpf. Vor allem aber ist die Tonqualität konstant, keine unbeabsichtigt mäandernden Höhen. Es fehlt aber ein bisschen die Wucht im Bass, er klingt ein wenig schwammig, aber dennoch nie konturlos. Weiter geht´s: „Just another Tape“, dieses Mal aber in Fach 2: eine Einslive-Treibhausnacht ebenfalls aus dem Jahr 1996, aufgezeichnet mit dem Spitzenmodell von Grundig (fine Arts) ohne jegliche Rauschunterdruckung, führt mich zu dem gleichen Hörergebnis: Die Wiedergabe-Qualitäten des 202 können sich in meinen Ohren wahrlich sehen lassen, die Aufnahmen meiner beiden alten Tapedecks sind kompatibel und klingen absolut okay, teilweise sogar richtig gut (!). Auch wenn andere Tester es anders empfunden haben mögen bei Version 7 des 202. Ich kann an dieser Stelle ausschließlich Positives berichten.

Die sechste Überarbeitung des 202 hat hinsichtlich des Layouts im Vergleich zum Vorgänger nicht mehr soviel glattbügeln müssen. Das Dual-Deck von Tascam wirkte bereits in Version 6 völlig intuitiv, weil jeglicher Ballast an unnötigen Anzeigen und Controllern von dem zentralen Bedienpanel verschwunden sind. Zudem ist die Bedienung wirklich zu Ende gedacht. Wermutstropfen manifestieren sich für mein Dafürhalten im Fehlen eines Standby-Tasters, der das 202 in jenen Modus versetzen, ihn aber auch wieder wachrütteln kann. Stattdessen legt sich das 202 bei Inaktivität automatisch nach 30 Minuten „schlafen“, was im Prinzip in Ordnung ist. Nur muss anschließend Mr. Powerbutton dafür herhalten, um das 202 wieder zum Leben zu erwecken. Da hatte ich was anderes erwartet. Darüber hinaus fehlt mir persönlich ein EE-Button bzw. Input-Button, mit dessen Hilfe der Eingang direkt an den Ausgang (EE = Engine to Engine) geschliffen wird, um spontan zu checken, ob und was am Input anliegt.

Ein echtes Goodie ist in meinen Augen der Pitch-Controller, mit dessen Hilfe die Abspielgeschwindigkeit von Tape 1 um plusminus 12 Prozent variiert werden kann. Der Regler ist zwar klein, dennoch ist dessen Übersetzung gut gewählt, sodass sich dieser gefühlvoll einsetzen lässt.

DJ-Herz, was willst du mehr!?

Aufnahme

Spontane Aufzeichnungen lassen sich mit dem 202 sehr gut realisieren. Ist die Cassette an die richtige Bandposition gespult, kann sie wahlweise in Tape 1 oder 2 gesteckt werden, „Record“ gedrückt, um das Gerät in die Aufnahmebereitschaft zu versetzen, anschließend das Eingangssignal bis maximal 0 dB aussteuern, „Play“ betätigt und schon läuft die Aufzeichnung. Dadurch, dass die Bandsorte automatisch ausgewählt wird und keine Rauschunterdrückungssysteme zu (de)aktivieren sind, geht alles recht zügig vonstatten. Beide Tape-Sektionen verfügen zudem über eine RTZ-Funktion (Return To Zero), um das Band über eine Aktion an die Null-Position zu transportieren.

Wer zwischen seinen aufgenommenen Tracks gerne eine Pause setzt, kann das über die Funktion Rec Mute tun. Diese setzt am Ende der Aufzeichnung vier Sekunden Stille, bevor der Recorder wieder in den Aufnahmebereitschafts-Modus versetzt wird. Ein wenig inkonsequent ist aber dann das Fehlen eines Musik- bzw. Titelsuchlaufs, der während des Spulvorgangs die gesetzten Pausen ausfindig macht. Schade, aber für das Geld womöglich zu viel verlangt.

Der Sound der Aufnahmen, die ich mit dem 202 angefertigt habe, ist für eine Musikcassette absolut in Ordnung. Ich könnte an dieser Stelle die Soundbeschreibung aus dem Wiedergabe-Absatz anbringen, erspare euch das aber der Einfachheit halber. Ganz sicher ist der Sound nicht mit den Tapedecks, die ich früher mein Eigen nannte, vergleichbar.

Meine Tapedecks waren allesamt Hi-Fi-Geräte der gehobenen Oberklasse, wenn nicht Referenzgeräte der Spitzenklasse (AKAI GX-52, Grundig fine Arts oder Denon DRM800). Alle meine MC-Decks, die ich besaß, waren als Single-Decks damals kostspieliger als der aktuelle Testproband heute, der auch noch zwei Laufwerke in einem Gehäuse vereint. Die damaligen Aufnahmen zu referenzieren, wäre nicht fair. Zudem taugen die 25 Jahre alten Bänder hierzu auch nicht mehr, das wäre wirklich ein Wischiwaschi-Vergleich, den ich hier nicht anbringen möchte. Nachfolgend könnt ihr euch aber meine Aufzeichnungen anhören, die ich mit einer etwa 25 Jahre alten Chrome- und einer frisch ausgepackten Normal-Cassette angefertigt habe. Erstaunlich: Die alte Chrome-Cassette klingt bei Weitem immer noch besser als das frische Normal-Band.

Sonderfunktionen

Das 202 stellt für das Dubben von MCs eine „One Touch“-Funktion bereit. In Tape 1 kommt das Band, welches kopiert werden soll, in Tape 2 die unbespielte Cassette. Beide zurückspulen, die Taste „Dub Start“ drücken und schon läuft das Dub von Seite A. Das Gleiche dann noch einmal für Seite B und fertig ist das Dub. Mit Hilfe des „Parallel Rec“-Features werden zwei identische Bänder gleichzeitig auf Tape 1 und 2 erstellt.

Sowohl beim Dub als auch beim Parallel-Recording kann das Signal eines vorn angeschlossenes Mikrofon dem Tape-Signal hinzugemischt werden. Leider habe ich kein Consumer-Mikrofon hier, welches sich kurzer Hand an das Deck anschließen lässt, um die Qualität des Mikrofonvorverstärkers zu demonstrieren, was wirklich schade ist. Dennoch denke ich, dass sich das 202 für Ansagen und Karaoke gleichermaßen eignen sollte.

Unterhalb von Tape 2

... kann am Mäuseklavier der Special Play Mode aktiviert werden. Im Normal-Modus wird, sobald die Wiedergabe eines Decks gestartet wurde, dieses Signal an den Ausgang weitergegeben – normal! Wird die Play-Funktion des zweiten Decks aktiviert, stoppt das 202 das erste Deck, um das nachfolgend gestartete Deck zu priorisieren und an den Ausgang weiterzuleiten. Im Special Play Mode hingegen läuft es folgendermaßen: Während die Wiedergabe eines Decks läuft, kann das zweite Deck dazu genutzt werden, ein weiteres Band mit Hilfe des separaten Kopfhörerausgangs vorzuhören und an die richtige Bandposition zu bringen. Ist das erste Deck fertig mit der Wiedergabe oder wird es manuell gestoppt, kann das zweite Tape gestartet werden. Ein DJ-Modus, der wirklich gut funktioniert! By the Way: Der Kopfhörerausgang klingt übrigens auch ganz schön satt, was durchaus die Tore öffnet für den gelegentlichen DJ-Einsatz im Club.

USB-Recording

Mit Hilfe der rückseitigen USB2-Schnittstelle lassen sich unkompliziert Aufnahmen auf einem PC oder Mac erstellen. Die unterstützten Betriebssysteme sollten die Schnittstelle aufgrund des generischen Treibers umgehend erkennen. Nun denn: Kurz verbunden, in den System/Ton-Einstellungen bzw. in den Voreinstellungen der Recording Applikation „USB AUDIO CODEC“ ausgewählt, eine neue Startdatei mit 44,1 kHz und 16 Bit erstellen und Aufzeichnung starten. So unkompliziert lief es auf jeden Fall bei mir ab. Zur Veranschaulichung der Aufnahmequalität habe ich zwei Audiobeispiele angefügt, eines über den Tascam-USB mit 44,1 kHz und 16 Bit, eines mit meiner RME-AIO mit 176,4 kHz und 24 Bit. Das Ergebnis ist: Es ist kaum ein Unterschied hörbar ...

Test-Setup

Aufzeichnung:

AD-Wandler: RME HDSPe AIO

Aufzeichnung: SONY Sound Forge 11, PCM-Audio, WAV 176,4 kHz und 24 Bit

Abhörkette:

DA-Wandler: Benchmark DAC1

Kopfhörerverstärker: SPL Phonitor

Kopfhörer: AKG K702

KRK VXT6 & Tannoy Reveal 5A

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