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Test
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27.06.2016

Tama Silverstar Mirage Drumset Test

Acryl-Drumset mit Hardware

Drums mit Durchblick

Die Ölkrise ist schuld! So jedenfalls lautete vor 40 Jahren die Erklärung, wenn jemand fragte, warum die vormals so beliebten Drums mit Acryl- oder „Plexiglas“-Kesseln bereits nach wenigen Jahren so sang- und klanglos wieder von der Bildfläche verschwanden. Tatsächlich wurde die Produktion seinerzeit durch rasant steigende Ölpreise unverhältnismäßig teuer, so dass es sich nicht mehr rentierte, Trommeln herzustellen, die auf diesem Rohstoff basierten. Und so mussten die Herren Bonham, Cobham und viele andere – übrigens wurde sogar Max Roach mal mit einem Ludwig Vistalite Kit gesichtet – wieder auf die guten alten Holzkessel umschwenken oder sich anderer Materialen bedienen.    

Nun, 40 Jahre später, in einer Zeit, in der sich viele moderne Rockbands wieder auf die glorreichen 60er und 70er Jahre zurückbesinnen, tun die Hersteller gut daran, auch das seinerzeit verwendete Equipment – natürlich auf den heutigen Stand der Technik gebracht – wieder anzubieten. Also erweiterte Tama seine erfolgreiche Silverstar-Linie, üblicherweise mit Kesseln aus Birkenholz ausgestattet, flugs um eine limitierte Auflage mit Acryl-Kesseln in einer Handvoll unterschiedlicher Konfigurationen. Wir haben das sechsteilige Silverstar Mirage Shell Set, erweitert um einen Hardware-Satz, für euch getestet.

Details

Die nahtlosen Kessel gibt es lediglich in einer Farbvariante

Im Gegensatz zu anderen Herstellern bietet Tama seine Acryl Drums nur in einer einzigen Farbvariante, nämlich im transparenten „Crystal Ice“ Finish an. Die silbernen, mit einem Luftausgleichsloch versehenen Badges weisen darauf hin, dass es sich zudem um eine limitierte Auflage handelt. Neben einer 22x16“ Bass Drum beinhaltet das Set zwei Rack Toms in 10x7 und 12x8 Zoll sowie zwei Floor Toms in 14x12 und 16x14 Zoll. Dazu gesellt sich eine passende 14x6“ Snare Drum. Der Hardware-Satz besteht aus zwei Galgen-Beckenständern, einem Snare-Ständer sowie Hi-Hat Maschine und Bassdrum-Pedal aus der Iron Cobra Reihe. Zur Befestigung der Rack Toms an den Beckenständern dienen zwei Multiklammern.

Die Wandstärke der in China gefertigten Acryl-Kessel beträgt bei der Bass Drum sieben Millimeter und bei den Toms und der Snare Drum schlanke fünf Millimeter, wobei die zwei Millimeter von der Außenseite platzierte Gratung recht spitz ausfällt, also wenig Kontakt zum Fell hat. Wie allgemein üblich, verläuft die Abschrägung zu beiden Seiten im 45 Grad Winkel. Im Gegensatz zu den meisten Acryl Drums aus den Siebzigerjahren ist bei den modernen Varianten keine Kesselnaht vorhanden. Gut so, denn genau hier lag seinerzeit die Schwachstelle dieser Trommeln, die häufig zu Rissen in den Kesseln geführt hat. An der Unterseite des Snare-Kessels ist ein breites, gleichmäßiges und nicht allzu tiefes Snarebed eingearbeitet.

Geschmackvolle Hardware-Details und gute Verchromung 

Die bei den Silverstar Mirage Drums verwendete verchromte Kessel-Hardware kennt man von den herkömmlichen Silverstar Trommeln mit Holzkesseln. Dazu gehören, neben den gummiunterlegten Low Mass Spannböckchen – jeweils acht beim 16“ Floor Tom und der Bass Drum und sechs bei den restlichen Toms –, die nach innen geflanschten Sound Arc Hoops, die den Stockverschleiß reduzieren sollen und sich zudem optisch von herkömmlichen Reifen abheben. Etwas konventioneller geht es bei den Halteböckchen der Floortom-Beine zu, die einem spartanischen Konstruktionsprinzip folgen, bei dem die Feststellschraube direkt auf die geriffelte Fläche des Beins drückt und dort im Laufe der Zeit zwangsläufig ihre Spuren hinterlassen wird. Technisch ausgereifter und gleichzeitig unspektakulär kommt die Starmount Halterung für die Rack Toms daher, die dem bewährten RIMS-Prinzip folgt und die Kessel frei schwingen lässt. Ein kleines, aber feines Detail ist die Möglichkeit, die Feststellschrauben in horizontaler Ebene je nach Bedarf unterschiedlich zu positionieren, so dass sie immer bequem zugänglich sind. Sämtliche Anbauteile sowie die Sound Arc Hoops sind übrigens einwandfrei verchromt. 

Die hölzernen Bassdrum-Spannreifen wirken optisch inkonsequent

Die Bassdrum-Beine werden mittels eines einfachen Prinzips zwischen zwei Klemmbacken fixiert und können zum Transport an den Kessel angeklappt werden. Auch hier werden Gummiunterlagen zur Isolation vom Kessel verwendet, ebenso wie an den hochwertig anmutenden Halteklauen der silbergrau lackierten Holzspannreifen. Schade, dass Tama hier keine Acryl-Reifen verwendet hat, die optisch meines Erachtens ein wesentlich stimmigeres Bild ergeben hätten. Die acht Spannböckchen der Snare Drum weichen bezüglich ihres Designs etwas von den Böckchen der restlichen Trommeln ab. Sie verfügen, aus Gründen der Gewichtsersparnis, in der Mitte über eine kleine Aussparung. Zum Spannen des 20-spiraligen Snareteppichs, der von kräftigen Textilbändern gehalten wird, dient ein nach außen abklappbarer Hebel, der sich als etwas schwergängig erweist, aber anstandlos seinen Dienst verrichtet. Mittels einer Kunststoffschraube kann die Teppichspannung eingestellt werden.

Bezüglich der Fellen fiel die Wahl, passend zum Erscheinungsbild des Sets, auf transparente, einlagige Varianten. Die Schlagfelle tragen, zusätzlich zum Tama-Logo, die Bezeichnung „Powercraft II“. Bei den Bassdrum-Fellen wurde, in Remo Powerstroke Manier, ein Dämpfungsring eingearbeitet.

Das Hardware-Paket ist komplett und kann mit sinnvollen Details aufwarten

Das HB5W Hardware Kit beinhaltet zwei kräftig dimensionierte Beckenständer, an denen mit Hilfe zweier Multiklammern auch die Rack Toms befestigt werden. Beide Stative verfügen über einen versenkbarem Galgenarm sowie einen stufenlosen Mechanismus zum Einstellen des Neigungswinkels. Letzteres trifft auch auf den Snare-Ständer zu, dessen Haltekorb über eine große Kunststoffmutter fixiert wird. Die Iron Cobra Hi-Hat-Maschine ist mit verstellbarer Federspannung und drehbaren Beinen sehr gut ausgestattet. Positiv hervorzuheben ist auch die Aussparung des Gewindes am Halter des Top-Beckens, wodurch Verschleißerscheinungen am Mittelloch vorgebeugt wird. Das auf einer stabilen Bodenplatte ruhende HP200P Bassdrum-Pedal, ebenfalls aus der Iron Cobra Serie, wird mit einer Kette angetrieben und bietet eine stufenlose Justierung des Schlägelwinkels. Der Schlägel verfügt über eine Filz- und eine Kunststoff-Schlagfläche. Sowohl Hi-Hat-Maschine als auch Bassdrum-Pedal verfügen über ausgezeichnete Laufeigenschaften.

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