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22.08.2021

STL Tones Tonality Lasse Lammert Test

Amp-Modeling-Software

Norddeutscher Metalsound

Mit dem STL Tonality Lasse Lammert Plugin liefert die australisch-US-amerikanische Firma STL Tones einen weiteren Zugang zur Tonality Reihe, die hoch spezialisierte virtuelle Amps beinhaltet, welche jeweils einem speziellen Künstler oder Produzenten auf den Leib geschneidert sind.

Darüber hinaus hat das Unternehmen natürlich noch wesentlich mehr zu bieten, denn der STL Tonehub, der auf Abo-Basis erhältliche Amphub sowie diverse Kemper oder Axe Fx Packs befinden sich ebenfalls im Firmenportfolio. Darunter besticht die Tonality Reihe mit einem erfreulich niedrigen Thekenpreis und einem Signature Sound, der die User möglichst schnell zum klanglichen Ziel führen soll.

Ähnlich dem Neural DSP Konzept konnte STL berühmte Künstler wie Andy James, Will Putney oder eben jüngst Lasse Lammert für sich gewinnen, die so ihre Lieblingsamps, -cabs und -effekte in einer einzigen Software vereinen konnten. Der in Lübeck ansässige Lasse ist kein unbeschriebenes Blatt in der Produzentenszene und kann durch seine Arbeit mit Alestrom oder Gloryhammer bereits auf einige prominente Acts in der Metalszene zurückblicken. Ob es STL Tones gelungen ist, Lasses Sound digital einzufangen, möchte ich hier herausfinden. 

Details

Konzept

Beim STL Tonality Lasse Lammert Plugin handelt es sich um eine Software, die drei verschiedene Ampmodelle virtuell nachbildet. Diese kann man nun mit einer umfangreichen Auswahl an Speakersimulationen, die gänzlich auf Basis von Impulsantworten (IRs) erstellt wurden, kombinieren – und sogar das Laden eigener IRs wird unterstützt.

Darüber hinaus liefert die Software noch eine Fülle von Effekten wie zwei verschiedene Verzerrer, zwei EQs, Delay und Reverb. Das Plugin kann dabei einerseits als Stand-alone-Effekt, d.h. als eigenständige Software ohne Verwendung einer DAW, und andererseits als Plugin für MacOS und Windows im VST/AU/AAX-Standard eingesetzt werden.

GUI Übersicht

Für die Installation des Tonality Plugins benötigt man nur eine Internetverbindung zum Laden des Installers und einen iLok Account. Der gesamte Installationsprozess sowie die Aktivierung gingen bei mir völlig problemlos vonstatten und so war ich schon nach kurzer Zeit startklar. Mit der Lizenz erwirbt man übrigens die Möglichkeit, das Plugin auf bis zu drei Rechnern zu aktivieren.

Das GUI zeigt sich optisch äußerst ansprechend, während die Platzierung der Bedienelemente anschaulich aufbereitet wurde – hier fällt übrigens eine deutliche Ähnlichkeit zur grafischen Gestaltung der Neural-DSP-Plugins auf. Auch konzeptionell setzt man hier nicht auf eine Materialschlacht aus zig Amps und Effekten, sondern auf eine selektierte Auswahl, die zielgerichtet und schnell zum gewünschten Ergebnis führt. 

Im Header befindet sich ein Icon, mit dem das GUI in drei Stufen grob skaliert werden kann. Eine stufenlose Skalierung ist in der rechten unteren Fensterecke möglich. Daneben gelangt man zum Presetbrowser, in dem man bereits eine Fülle an Voreinstellungen abrufen kann. Diese sind in die Banks "Album Tones", "Werkseinstellung" und "Default" unterteilt und sie können durch Userbänke erweitert werden.

Rechts außen lässt sich das Routing zwischen Mono, Mono/Stereo und Stereo festlegen. Ersteres aktiviert den Monodurchlauf des Signals. Bei der zweiten Option bleibt das Signal Mono so lange, bis ein Stereomodul wie Reverb oder Delay auftritt. Der Stereomode erlaubt schließlich auch Stereo-Inputs und macht z. B. Sinn, wenn man das Plugin in einen Bus für mehrere Gitarrenspuren legt. Um sich zu vergewissern, dass die gewählte Routingoption nicht geändert wird, kann die Einstellung über das Schlosssymbol fixiert werden. Betätigt man das unmittelbar daneben angebrachte Fragezeichen-Icon, öffnet sich das englischsprachige Manual des Plugins, das alle Funktionen bildlich erklärt. 

Zentral ist der Workspace angesiedelt, in dem die Amp- bzw. Cab- und Effektmodule grafisch ansprechend angezeigt werden. Dort können auch die Settings vorgenommen werden.In der unteren Zeile sieht man nun die Signalkette des Plugins. Diese beginnt mit dem Inputlevel mitsamt Meter, dem frei kalibrierbaren Tuner und den fünf Effektmodulen. Sie mündet schließlich im Outputlevel, ebenfalls mit Meteranzeige.

Eine kleine Glühbirne neben dem Input Poti führt zu ein paar Tipps dazu, wie man den Eingangspegel dem Pickup-Output der Gitarre anpasst. Neben dem Levelregler kann hier auch zwischen den drei Settings Low, Medium und High Output vorgewählt werden. Nutzt man das STL Tonality als Stand-alone-Amp, gesellt sich ein Audio Settings Windows hinzu, indem die In- und Outputs, sowie Sample Rate und Buffergröße bestimmt werden können.

Signalkette und Module

Die Signalkette des Lasse Lammert Plugins besteht aus fünf Effektblöcken, die hinsichtlich ihrer Reihenfolge festgelegt und unveränderbar sind. Hinter dem Inputmodul wurde ein frei einstellbares Gate angeordnet, um die Nebengeräusch zu eliminieren. Die Module lasen sich übrigens auch gänzlich deaktivieren, wenn man in der offenen Ansicht des jeweiligen Blocks auf das untere Icon klickt. 

Input -> Gate ->Tuner -> Pre FX ->  Amp -> Cab -> Post FX -> Output

Ampmodelle

Für den Ampblock wurden drei Topteile bereitgestellt.Beim Driftwood Purple Nightmare handelt es sich um einen deutschen Boutique Amp, der mit 6L6-Endstufenröhren ausgestattet ist und auch mal Gegenstand eines Bonedotests war. Der Driftwood kommt mit zwei Kanälen und hat bereits vor den Vorstufen einen schaltbaren tubescreamer-artigen Verzerrer integriert. Als kleines Gimmick lässt sich die Farbe des Frontpanles durch einen Klick auf das Logo von Lila zu Grün switchen.

Der zweite Amp im Bunde hört auf den Namen "Frank-Dieter" und ist an den Diezel Herbert angelehnt. Auch wenn das Original mit drei Kanälen aufzuwarten weiß, wurde hier nur Channel 2 und 3 nachgemodelt. Auch dieser Amp präsentiert sich durch schaltbare Gainlevel und Mid Cut als ziemlich vielseitiger Zeitgenosse. Das dritte Modell lautet "Mean Machine" und zeigt optisch ganz klar, dass es sich hier um einen JCM800 Super Lead MkII handelt, der zusätzlich mit einem schaltbaren Gain-Mod ausgestattet wurde. Ansonsten besitzt dieser Amp, genau wie das Original, lediglich einen Kanal – dieser allerdings hat den Sound der 80er und 90er wie kein anderer geprägt.

Cabinets

Der Cabinetblock gestaltet sich extrem üppig und flexibel. Prinzipiell erhalten wir hier ein duales Setup mit zwei getrennt bestimmbaren Speakern und Mikrofonierungen, die flexibel geblendet werden können. Zur Auswahl stehen pro Seite acht 4x12"-Cabinets, die mit Celestion-Greenback-, V30- oder K100-Speakern bestückt sind. Diese wiederum können mit einer Auswahl aus fünf Mikrofonen abgenommen werden.

Für jeden Speaker lassen sich Mikrofonwinkel, -abstand und -position frei bestimmen und auch Low Cut, High Cut, Resonance und Phase können getrennt geregelt werden. Möchte man identische Settings für beide Speaker, kann man über die Icons den Mikrofonabstand, sowie die High- und Low-Pass Settings verbinden.

Neben den verschiedenen Boxen steht noch die Funktion "Disconnected" zur Auswahl, die sich jedoch vom simplen Deaktivieren des Cab Blocks dahingehend unterscheidet, dass das Signal den Cabblock noch virtuell durchläuft, ohne jedoch klanglich beeinflusst zu werden. Dadurch wirkt dieser wie eine resistive Last auf die Endstufe und liefert einen linearen Endstufensound. Ist der Cabblock jedoch mit angewählter Box lediglich auf Bypass, so hat diese als reaktive Last je nach Cabinet unterschiedlichen Einfluss auf den Sound. Für welche der beiden Optionen man sich entscheidet, ist sicherlich Geschmackssache und spielt auch nur dann eine Rolle, wenn externe IR-Loader zum Einsatz kommen.

Auch das Laden eigener Impulsantworten wird unterstützt, wobei auch hier verschiedene Faltungen für beide Cabinets möglich sind. Viele der Tweakoptionen der integrierten Speaker fallen dabei natürlich weg, allerdings greifen die beiden Filter und der Resonance Regler wie gehabt.

Effekte 

Die Effekte sind in einem Pre- und Post-Block aufgeteilt. Im Pre-FX-Modul befinden sich ein grafischer 7-Band-Equalizer, der die gleichen Frequenzbänder wie beispielsweise der Boss GE-7 aufweist. Dahinter erscheinen zwei verschiedene Overdrives, wovon der erste auf dem Airis Liverkick basiert, Lasse Lammerts Signature Pedal. Dieses wiederum wurde vom TC Electronic Integrated Preamplifier inspiriert und ist durch die Verwendung von "Meshuggah" mittlerweile ein heiß begehrtes Sammlerobjekt. Der zweite Overdrive heißt Lammert OD und basiert auf Lasses eigenen Vorgaben, ohne genauer spezifiziert zu werden.

Im Post-FX-Block befindet sich nun ein weiterer grafischer Equalizer, der diesmal jedoch mit zehn Bändern ausstaffiert ist und einen Thud-Regler für die Bearbeitung der Frequenzen unterhalb von 60 Hz sowie einen Smoothregler für die Frequenzen im 6-kHz-Bereich bietet. Als nächstes erscheint ein Delay-Pedal in der Effektkette, welches einmal als Ping-Pong-Stereodelay eingesetzt werden kann, mit den Reglern Speed und Depth allerdings auch eine Modulationskomponente mitbringt, die sich auch ohne Delayeffekt als Chorus verwenden lässt. Die Delaytime lässt sich am virtuellen Poti gut einstellen und die Anzeige verrät auch die exakte Millisekundenzahl, bedauerlicherweise kann ein exakter Wert händisch nicht eingetippt werden, was meiner Meinung nach definitiv ein sinnvolles Update wäre. Darüber hinaus kann das Tempo natürlich auch getappt oder mit dem Songtempo gesynched werden.

Ganz am Schluss steht ein Reverb, das sich mit dem Mix-Regler blenden lässt und ebenfalls über eine regelbare Delay-Modulation verfügt.

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