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Test
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23.03.2016

Praxis

Angriff!

Der Attack-Regler thront ganz oben, und lässt eine Verstärkung der Einschwingphase eines Signals um bis zu +/- 15 Dezibel zu. Dreht man dieses Poti auf Linksanschlag, so senkt man die Attacks um 15 Dezibel ab, dreht man auf Rechtsanschlag, haut man zusätzliche 15 Dezibel auf die Originalattacks drauf. Als Beispiel habe ich ein gezupftes Akustikgitarren-Pattern gewählt, und um 10 Dezibel abgesenkt, beziehungsweise um 10 Dezibel angehoben:

Bei der Verstärkung um 10 Dezibel werden die Fingernagel-Lautstärke und die Dynamik verstärkt. Das Picking setzt sich viel mehr durch, die Betonungen innerhalb des Grooves werden noch ein wenig mehr herausgearbeitet – sie erklingen lauter. Mit 10 Dezibel Absenkung allerdings klingt es so, als hätte man dem Gitarristen die Fingernägel herausgerissen. Total weiche Attacks, sodass sich dieses Pattern in einer Mischung weniger durchsetzen dürfte, und innerhalb der Staffelung der Instrumente nach hinten rücken wird. Würde man bei herkömmlichen Mixings die Gitarrenspur leiser machen, oder die Höhen wegfiltern, um die Gitarre in den Hintergrund zu stellen, verlöre man immer auch ein wenig Gitarrenvolumen. Nicht so beim Transient Designer. Man verliert de facto keinen Pegel und auch keine Höhen-Luftigkeit. Auf diese Art und Weise kann man also dennoch Mischungsverhältnisse und die räumliche Staffelung ändern.

Bei einem Drumloop kann man, neben den Veränderungen der Attacks, auch einen weiteren Effekt dieser zeitlichen Bearbeitungen des Transient Designers heraushören. Dreht man die Attack hoch, so klingt das resultierende Signal trockener, so, als würde man den Raum heraus regeln. Geht man mit dem Attackregler in den negativen Bereich der Skala, so klingt das Schlagzeug räumlicher.

Spätestens jetzt wird klar, wie viele Möglichkeiten das Gerät bietet. Und dabei habe ich bisher nur einen einzigen Regler bemüht!

Sustain

Der nächste Regler ist mit "Sustain" beschriftet und dient im wahrsten Sinne der Übersetzung dem Erhalten der Lautstärke. Dieses Poti übernimmt exakt die gleiche Funktion wie ein entsprechend beschrifteter Regler dies an einem Synthesizer tut. Hier wird der Pegel eines Signales nach Durchlauf der Attackphase geregelt. Am Synthie ist das relativ simpel, dies jedoch mit komplexen Signalen im Nachhinein regeln zu können, ist schon bemerkenswert. Das klappt natürlich auch nicht immer gleichermaßen gut, aber innerhalb gewisser, realistischer bleibender Grenzen kann man durchaus einen erstaunlich guten Effekt erzeugen. Bis auf wenige Ausnahmen führt das Anheben des Sustains im echten Leben – bei komplexen Audiosignalen mit perkussiven Klangelementen – immer wieder zu einem Verstärken der Räumlichkeit. Bei einer Akustikschlagzeug-Aufnahme meist deswegen, weil es in aller Regel einen echten Raumhall-Anteil mit sich bringt, der durch diese Art der Bearbeitung hochgezogen wird.

Entzieht man diesem Drumloop Sustain, so klingt der Loop trockener, die etwas sanftere, leisere Hi-Hat tritt in den Hintergrund und klingt leiser. Mit Hilfe des Sustain-Reglers kann man also auf sehr einfach Art das gegenseitige Übersprechen (Bleed-Through) der verschiedenen Mikrofone einer Schlagzeugmikrofonierung herunterregeln, womit sich der SPL Transient Designer spätestens jetzt als hilfreiches Tool für Liveanwendungen qualifiziert.  

Eine weitere Anwendung ist das Verlängern des Sustains einer Bassgitarre, um selbige im Mix anzudicken. Der Kontrabass im folgenden Audiobeispiel verliert relativ schnell an Pegel. Hier hilft der TDx Sustain-Regler. Man kann den Ausklang eines solchen Basses zwar auch mit einem Kompressor und den richtigen Settings verstärken, reißt sich dabei aber immer auch das Hintergrundrauschen auf. Dies geschieht beim Transient Designer zwar auch, aber dennoch wesentlich weniger störend.

Die Kombination von Attack- und Sustain-Regler macht dicker, fetter, lauter, und größer

Setzt man beide Regler kreativ ein, so lassen sich aus relativ unspektakulären Klängen knackige Signale formen, die einfach fetter sind und mehr Spaß machen.

Mit den Attack- und Sustain-Reglern des SPL TDx ist es so ähnlich wie mit Pfeffer und Salz: Man kann seine Audio-Leibspeise schnell überwürzen, aber ein bisschen von beidem wird man eigentlich immer dran tun wollen. Hat man das Gericht dann doch einmal versalzen, so hilft es wieder ein paar von den unangetasteten Zutaten hinzuzufügen, und nichts anderes ermöglicht der Mix-Regler des TDx:

Mix-Regler überblendet stufenlos zwischen bearbeitetem und unbearbeitetem Signal

Man könnte den Mix-Regler auch als Dry/Wet-Regler bezeichnen, denn genau dieses Mischungsverhältnis lässt sich hier nach Gusto herstellen. Auf Linksanschlag ertönen 100 Prozent des trockenen, auf Rechtsanschlag erklingen 100 Prozent des bearbeiteten Signals, und in der Mittenstellung haben wir einen waschechten Parallelbetrieb. Hier haben wir auch schon einen der beiden Unterschiede zum Original Transient Designer im 19-Zoll-Format: Dort gibt es am Gerät selbst keine solche Parallel-Mischmöglichkeit, sweshalb man mit Hilfe der Direct-Outs oder über Post-Fader-Auxwege eine Pultes ausweichen muss, wenn man im Parallelbetrieb fahren will. Solch ein Mix-Regler ist an Tontechnik-Equipment mittlerweile ziemlich populär geworden und an vielen aktuellen Geräten zu finden. Ich muss gestehen, dass ich diesen Trend mag. Böse Zungen mögen behaupten, dass man sich mit Hilfe eines Dry/Wet-Reglers schlecht eingestellte Settings schönfärbt, aber letztlich sucht man doch immer wieder eine extremere Einstellung, einen krasseren, einen fetteren Sound, und Extremeinstellungen werden immer extreme, oftmals störende, Artefakte mit sich ziehen, aber genau diese kann man oft mit einem Hauch Originalsignal maskieren. Wieder bewahrheitet sich der alte Spruch „fix it in the mix“.

Der Ausgangspegel ist dank Output-Poti absenkbar

Zuviel des Guten kann manchmal wunderbar sein. Einige Quellsignale wie laute Drums oder nah an den Headroom herangeführte Pegel hüpfen schnell in Lautstärkeregionen, die unweigerlich zu unschönem Zerren und Übersteuern führen, vor allem, wenn man die beiden Regler (Attack und Sustain) voll aufreißt. Hierfür, und um unterschiedlichen Zielsystemen eine pegelrechtes Signal zuzuführen, darf mit Hilfe des Output-Reglers um bis zu 60 Dezibel abgesenkt werden. Nichts was man als Feature breittreten muss, dennoch ist es schön, es zu haben. 

19-Zoll-Orginal oder 500er-Format

Im Vergleich zum Muttergerät, dem zweikanaligen 19-Zoll-Transient Designer 2, bietet die 500er TDx-Variante nur einen Kanal. Beide Versionen des Transient Designers schenken sich vom aktuellen Marktpreis her gesehen, der momentan bei ungefähr 500 Euro liegt, nichts, weshalb man sich gut überlegen sollte, ob man sich für den gleichen Preis nicht lieber eine Stereovariante zulegt. Wer bereits einen 500er Rahmen besitzt und vielleicht im Livebetrieb so wenig Gepäck wie möglich mit sich schleppen möchte oder wer Platz sparen muss, wird sicherlich beim TDx zugreifen wollen. Nicht zuletzt lockt natürlich auch der Mix-Regler ins 500er Lager. Hier gilt es einfach, die eigenen Ansprüche auszuloten und zu entscheiden, ob man sich auf Kosten des Ein-Kanal-Preises das Quäntchen Flexibilität der Dry/Wet-Funktion ins Rack holt, oder ob man lieber zweikanalig fahren möchte. Da ich dieses Schätzchen aber fast immer an Einzelsignalen im Pre-Mix-Stadium angewandt habe, würde ich persönlich die 500er TDx-Version bevorzugen, auch wenn diese durch die Kanalhalbierung quasi doppelt so teuer scheint.

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