Software Hersteller_SPL
Test
2
28.01.2020

SPL Hermes Test

Mastering-Router

Patchbay 2.0: Routing-/Insert-Matrix für das High-End-Studio

Vor ein paar Jahren hat SPL begonnen, das Portfolio neu zu strukturieren. Seitdem bietet die deutsche Schmiede mehr High-End-Prozessoren an, flirtet heftig mit dem Hi-Fi-Markt und konzentriert sich auch stärker auf die Mastering-Infrastruktur.

Angefangen hat alles es mit dem Iron-Kompressor, gefolgt von den beiden EQs PQ und PassEQ, und mündete in der neuen Mastering-Systemlösung mit spezialisierten Teilprozessoren wie der DMC-Kommandozentrale, dem Gemini-M/S-Prozessor und dem heute zum Test geladenen Hermes, einem Mastering-Router.

Details

Götterbote


Der SPL Hermes ist ein Mastering-Router oder auch eine hochflexible Insertier-Matrix für bis zu acht Stereoprozessoren auf einem Stereobus. Wie alle anderen Geräte der neusten Generation kommt auch dieser schicke 19-Zoll-Kasten (2 HE) in den Trendfarben Rot mit schwarzen Inlays, Schwarz mit silbernen Inlays sowie „All Black“ (unser Testexemplar) daher. Alle Bedienelemente fassen sich hochwertig an und sind logisch strukturiert.

Auch der Götterbote setzt auf SPLs proprietäre 120V-Technik in den Operationsverstärkern, der restlich Signalfluss hingegen ist überwiegend „passiv“ gehalten. Außerdem ist er mit zwei Parallel-Mix-Funktionen ausgestattet, die unabhängig voneinander auf bis zu zwei Inserts angewendet werden können. Aber zäunen wir das Pferd zunächst lieber von hinten auf.

Insert-Matrix Deluxe

Ein Insert bietet die Möglichkeit, Prozessoren in einen bestehenden Signalfluss zu integrieren. Gute Pulte haben dafür einen eigenen Taster, günstige Lösungen hingegen oft nur eine entsprechende Buchse, die meist unsymmetrisch als Y-Split via Klinke realisiert wird. Steckt das Kabel, ist der Insert aktiv – steckt er nicht, ist das Gerät vom Signalfluss ausgenommen. Soweit so gut – und bei professionellen Anwendungen so zu umständlich zu handhaben.

Der nächste logische Schritt wäre es, mehrere Inserts pro Kanal zu integrieren, sodass man verschiedene Geräte in den Signalfluss klemmen kann – oder eben auch nicht, je nach Bedarf. Die bessere Variante wäre es, wie bei einer Patch-Bay auch die Reihenfolge der Prozessoren vertauschen zu können, aber eben ohne das nervige Umstecken sowie die Puristen zum Wahnsinn treibenden Übergangswiderstände aus Buchsen und Kabeln.

Für solche Szenarien gab es bereits einige Konzepte. Beispielsweise die SSL X-Patch, die aber umständlich zu bedienen war und deswegen auch ziemlich schnell aus den Regalen wieder verschwand. Deutlich besser war da schon das Konzept in der SSL Matrix nutzbar, aber auch richtig teuer! Ebenfalls interessant war der Dangerous Music Liaison mit seinen sechs Inserts, die sogar auf zwei Busse verteilbar waren. Speziell für Masteringanwendungen gab es auch noch die Maselec MTC-1 sowie den Quasi-Vorgänger des Hermes, die SPL MasterBay S („discontinued“). 

Ich persönlich habe lange die MasterBay genutzt, verwende aktuell nun eine Kombination aus SSL Matrix und MTC-1. Die Flock Audio Patch sollte man an dieser Stelle ebenfalls erwähnen, auch wenn ich noch keine unter den Fingern hatte. So wie Hermes ist aber keine der vorstellten Lösungen positioniert, allein der Tatsache wegen, dass die meisten Kisten nur vordefinierte Flips bieten oder eine umständliche Software-Bedienung – oder deutlich teurer sind. Hermes hingegen ist hardware-only, super flexibel und bezahlbar. 

Materialschlacht


Um die acht Stereo-Inserts des Hermes zu verwalten und dies klanglich auch so neutral wie möglich zu gestalten, setzt SPL auf eine passive Matrix, die entsprechend viele Relais benötigt. Sehr viele Relais. Ich hab nachgezählt und kam auf über 250! 

Bekanntlich sagt aber ein Bild mehr als tausend Worte, sodass ihr im Folgenden den aufgeschraubten Hermes sowie in viele kleine orangene Kästchen in ihm seht. Letzteres sind die angesprochenen Relais für die rechte Seite, unter der Trägerplatine befindet sich nochmal die selbe Menge für den linken Channel. 

Alle Ein- und Ausgangsstufen sowie die Zusatzfunktionen für Parallel und Gain sind natürlich trotzdem gepuffert, mit den proprietären Op-Amps von SPL realisiert und damit aktiv. Und so wurde auch davon eine schiere Armada verbaut, welche in den Bildern als kleine, aufrecht stehende Platinen zu erkennen sind.

Die hohe Rail-Spannung dieser proprietären Operationsverstärker (120 V = ±60 V) sorgt für mehr Headroom, minimale Verzerrungen und maximalen Rauschabstand sowie maximale Dynamik. Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen: Der Hermes klingt absolut nicht. Also anders gesprochen: Er hat keinen Eigenklang und das ist gut so! Und welche Taste was genau macht, das klären wir lieber in der Praxis.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare