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Test
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13.02.2020

SPL Gemini Test

M/S-Mastering-Prozessor

Ab durch die Mitte!

Mit dem SPL Gemini schauen wir uns einen der Spezialisten der recht jungen SPL-Mastering-Serie an. Dieser überzeugt mit einer cleveren M/S-Matrix sowie einer, der gesamte Serie zugehörigen, hochwertigen Verarbeitung mit kompromissloser Bedienbarkeit und einer gewissen Art von Modularität.

Zuvor sollen aber noch die drei „konventionellen“ Prozessoren Passeq, PQ und Iron – ein umfangreicher passiver EQ, ein vollparametrischer EQ und ein filigraner Kompressor – genannt sowie auf die SPL-Infrastruktur hingewiesen werden, die aus zwei Monitor-/Master-Controllern namens DMC und MC16 sowie der fetten und erst kürzlich von mir getesteten Insert-Matrix Hermes bestehen. Einen passenden Wandler namens Mercury gibt es mittlerweile ebenfalls und den werden wir uns hoffentlich auch bald anhören!

Details

Family Business


Ein Mastering-Setup ist eine höchst individuelle Sache. Jeder hat Tools, auf die er schwört, am Ende kochen aber alle auch nur mit Wasser: etwas chirurgischer EQ hier (PQ), gezielte Kompressoreinsatz da (Iron) und ein etwas breiter Strich zum Schluss (Passeq) – fertig ist die Laube. Im Prinzip, denn etwas Verwaltung benötigt man natürlich auch noch. 

Und hier ging SPL einen ungewöhnlich „teil-modularen“ Weg, wenn man so will. Im Gegensatz zu vielen All-in-One-Lösungen (wie beispielsweise dem Maselec MTC-1) setzt man bei SPL auf recht umfangreich ausgestattete Spezialisten, die in der Summe aber ein echtes Feuerwerk an Möglichkeiten entzünden. So überrascht es nicht, das auch „M/S“ ausgelagert und in Form eines Gemini dafür recht umfangreich parametrisiert wurde. 

Das bedeutet konkret: dedizierter M/S-Encoder und -Decoder, Vorkonditionierung in Form von Gain-Trim und Balance sowie nachgeschaltete Feinregulierung mit einem elliptischen Filter und Stereo-Width-Regelung. In Verbindung mit Hermes wird das alles sogar sehr flexibel mit weiteren Outboard nutzbar, aber der Reihe nach.

Was ist M/S?


M/S steht für Mid/Side oder Mitte/Seite und beschreibt vereinfacht gesagt ein Stereosignal (L/R) nur etwas anders und bietet damit andere Möglichkeiten der Bearbeitung. Grundsätzlich läuft es bei der Stereofonie ja so, dass unsere beiden Ohren entweder das gleiche oder etwas unterschiedliches hören können – und daraus können wir eine räumliche Ortung ableiten, ohne weiter auf Details eingehen zu wollen. Das eine Ohr hört also links, das andere Ohr hört rechts. Nun kann man diese beiden Informationen aber eben auch anders auftrennen und fragen: Was hören beide Ohren identisch und wo unterscheiden sich die Informationen: Mitte und Seite. 

Mathematisch gewinnt man die Mitte durch Addition von L und R, also durch Monosummierung. Aus Erfahrung wissen wir, dass dabei alle Stereoinformationen (also alle nicht in Phase liegenden Informationen zwischen L und R) verloren gehen. Genau diese „verlorenen“ Infos konservieren wir mit einem weiteren Trick im Seitenband, in dem wir eines der beiden L/R-Signale vor der Summierung invertieren, also in der Phase drehen. Daraus ergibt sich nur noch die reine Stereoinformationen, der Unterschied zwischen L und R, die für sich gehört meist etwas sonderbar klingt. Aber hört doch selbst und damit zum ersten Mal den Gemini in Action:

Als Formel sieht das Ganze übrigens so aus:

M = L + R 
 S = L + (-R) = L – R


Und daraus folgt natürlich auch: L = M + S sowie R = M – S. 

Langer Rede kurzer Sinn: Durch Aufteilung und getrennte Bearbeitung von Mitten- und Seitensignal erzielt man oftmals Vorteile: So kann man beispielsweise stärker komprimieren, ohne dass es zu komprimiert klingt. Oder man kann tiefer in das Stereogeschehen eingreifen, um einzelne Elemente oder den ganzen Mix breiter zu machen, ohne dass es nach zu viel Processing klingt.

Konkret: Man komprimiert die Mitte und lässt die Seiten in Ruhe oder aber man bearbeitet das Seitenband mit einem EQ, bis der Arzt kommt und lässt die Mitte in Ruhe – um mal zwei Extreme zu nennen. Oder noch ein ganz simples Beispiel: Man macht nur die Seite lauter, den „Raum“ damit größer und den Mix breiter. Damit der Bass aber nicht zu schwammig wird, lässt man ihn außen vor, filtert ihn also im Seitenband weg. Das geht mit einem steilen Low-Cut am besten und dazu nutzt man gerne ein elliptisches Filter, das nach seinem Entdecker auch „Cauer-Filter“ genannt wird. 

Was kann der Gemini?


Der SPL Gemini deckt zunächst mal die ganz banalen Sachen ab, die wir bereits theoretisch betrachtet haben. Das wäre dann also L/R zu M/S wandeln und auch wieder zurück. Auf dem Weg dazwischen kann man nun auch noch die L/R-Balance modifizieren, den Pegel der Seite verändern sowie mit einem elliptischen Filter auch nach unten begrenzen. Hinzukommt die Solo-Monitoring-Funktion, sodass man Seite und Mitte auch getrennt voneinander hören kann (siehe obige Audiobeispiele). Und dann gibt es natürlich noch die getrennten (Mono-)Inserts und deren Bypass, einmal für die Mitte und einmal für die Seite.

Rückseitig gibt es einen L/R-Stereo-Eingang und -Ausgang, logisch. Das besondere ist der Mono-Send/Return für die Mitte und ein weiterer Mono-Send/Return für die Seite. Alles auf XLR und hochwertig verarbeitet, genau wie der Rest der schwarzen Kiste, die 5 kg wiegt und eine Höheneinheit im Rack beansprucht. Die vier Potis sind fein gerastert,die luxuriösen Taster sind angenehm zu drücken und stilecht matt beleuchtet.

SPLs proprietäre 120V-Technik sorgt dank der hohen Rail-Spannung auch hier in den OP-Amps für einen hervorragenden Rauschabstand, geringste Verzerrungen sowie eine hohe Dynamik.

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