Hersteller_Sontronics
Test
2
23.06.2017

Praxis

Clean?

Das Sontronics Mercury ist ein analytisch und äußerst sauber klingendes Mikrofon. – Paaaah, reingelegt! Das klare Gegenteil ist der Fall, das würde man aufgrund des Äußeren und der beschriebenen Technik wohl auch kaum anders erwarten: Bei eher geringem Output hört man förmlich, wie das Kapselsignal Gesellschaft durch harmonsiche Obertöne erhält und im Mikrofon-Ausgangsübertrager in Form gebracht wird. Eine stark reibende Komponente im Signal wirkt bei vielen Mikrofonen und anderen tontechnischen Geräten schnell aufgesetzt und wie ein Fremdkörper, mir fallen spontan das Telefunken C12, das Chandler REDD, das Neumann U 47 Fet und das Mojave 201FET ein, bei denen ebenso wie beim Mercury durch die feinkörnige Struktur eine wirkliche Aufwertung geschieht. Das hat auch mit dem dynamischen Verhalten dieses Soundbestandteils zu tun, denn er folgt dem Signal sehr gut und „hängt“ an ihm, statt nur wie ein plumper Stempel zu wirken. In den Audiobeispielen wird deutlich, wie gut die Stimme des Sängers Chul-Min Tiefe und gleichzeitig Präsenz bekommt. Besonders glockige, klare Stimmen ohne allzu komplexe Obertonstruktur, in gleichem Maße vergleichbare Instrumente wie Holz- und Blechbläser oder Vibraphon können damit einen deutlichen Schritt nach vorne machen und bekommen einen angenehmen Silberglanz. Als Front-of-Kit-Mikrofon am Schlagzeug kann ein wenig Würze hinzukommen. 

Rundmacher

Es ist verständlich, dass das Mercury auch sehr deutlich verrundet, besänftigt, schmeichelt und – das sei jetzt neutral gesagt – beschönigt. Kleinste Kleinigkeiten im Klangbild können dabei durchaus mal auf der Strecke bleiben, was durchaus gewollt sein kann. Ein wenig fühlt es sich für mich so an, als sei ein Audiosignal des Sontronics Mercury noch durch 1176 und LA-2A gewandert (ohne Gain Reduction wohlgemerkt). 

Optimiert für nahe Besprechung?

Bei höheren Abständen wird das Signal feiner, aber nicht zu fragil, bei geringeren „beefy“. Zu nahe Besprechung kann dazu führen, dass es zwar bassig wird, trotz der eher weichen Abstimmung aber dennoch nicht schwammig. Mit eingeschaltetem Hochpassfilter performt es auch mit 10 cm absolut hervorragend und gefällt in diesem Setting besonders gut. Wahrscheinlich ist es auch dahingehend optimiert worden. Nah aufzunehmen ist verbreitet, nicht zuletzt, weil immer mehr in akustisch nicht optimalen Umgebungen aufgenommen wird.

Klangfarbenänderungen

Sehr klassisch ist der Umgang mit der Richtwirkung. So ist es beispielsweise so, dass bei Verlassen der Hauptaufsprechachse das Klangbild deutlich anders wird, gerade natürlich in den Höhen. Extrem plötzlich auftretende Klangfarbenänderungen bleiben dem User erspart, wodurch man diese Eigenschaften durchaus klangbildnerisch einsetzen kann – etwa, indem man bei der Positionierung vor Amp oder Schlagzeug gezielt die Färbungen der Reflexionen beachtet. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die wählbaren Richtcharakteristiken, die sich gehörig voneinander unterscheiden. Doch anders als bei vielen Mikrofonen auch dieser Preisklasse kann man nicht nur die Acht, sondern auch die Kugel absolut empfehlen. Auffällige Phasenlöcher gibt es nicht. Auch gut zu wissen ist, dass die Spinne recht ordentlich ihren Dienst verrichtet, das Mikrofon nicht über die Maßen poppanfällig ist und eine gut funktionierende Tiefensperre besitzt. 

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare