Test
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07.03.2019

Shure SM86 Test

Handheld-Kondensatormikrofon

Kondensiertes Geschwisterchen

Das Shure SM86 ähnelt ein wenig dem Beta57A und dem SM58, ist aber anders als diese ein Kondensatormikro. Shure baut nicht nur Mikrofone, die mit der in verschiedensten Produkten eingesetzten Unidyne-III-(Tauchspulen-)Kapsel arbeiten (SM57, SM58, SM7B, 545SD, 5575LE, 55SH II, Super 55…), das sollte bekannt sein. So fertigte das amerikanische Unternehmen seit der Übernahme der kleinen Mikrofonschmiede Crowley & Tripp 2009 auch Bändchenmikrofone sowie natürlich solche, die das Kondensatorprinzip für sich nutzen. 

Details

Kondensatorkapsel

Kondensatormikrofone haben gegenüber den dynamischen Tauchspulenmikrofonen einige Vorteile. Sie können aufgrund der geringeren bewegten Masse Details genauer darstellen und erlauben eine recht lineare Übertragung auch noch der höheren Frequenzen. Das gilt besonders dann, wenn die Membranfläche, wie beim Shure SM86 der Fall, nicht besonders groß ist. Nachteile gibt es auch, etwa den höheren technischen Aufwand (der sich auch im Preis niederschlägt) und die größere mechanische Empfindlichkeit. Bedenkt man aber, dass das Shure SM86 ein ausgewiesenes Bühnenmikrofon ist und Kondensator-Handhelds keine Seltenheit mehr sind, sollte man sich darüber nicht den Kopf zerbrechen. Das Korbgitter des Shure SM86 ähnelt dem des SM58, auch der Korpus ist „sturdy“, wie man es von vielen Mikros der Firma kennt. Mit 278 Gramm ist es dennoch kein Schwergewicht.

Der Preis ist vergleichsweise gering, das Mikrofon wird zum Zeitpunkt dieses Tests für 149 Euro angeboten. 

Kein linearer Frequenzgang – bewusst

Im Frequenzgang zeigt sich das Mikro, wie auch von einem durch den Hersteller in erster Linie für Gesang zu verwendenden Schallwandler zu erwarten, nicht komplett linear, sondern die Aufnahme der Stimme positiv unterstützend. So sind bei Messungen mit höherem Abstand die Tiefen deutlich zurückgefahren, um den Nahbesprechungseffekt zu kompensieren. Dadurch ist das Shure SM86 auch im Nahbereich nicht zu bassig. Ein genereller Boost zwischen 2 und 12 kHz liefert Präsenz und Höhenreichtum, gegenläufige Einkerbungen unterhalb von 10 kHz sind oft bei Mikrofonen zu finden, bei denen die Schärfe vermindert werden soll. Diese tritt in erster Linie durch S- und T-Laute auf. Der angegebene numerische Frequenzgang beträgt 50 Hz bis 18 kHz, wobei man der Fairness halber nicht verschweigen sollte, dass bei 18 kHz schon eine Dämpfung von 10 (!) Dezibel zu erwarten ist.

Klassisch ist die Richtwirkung, die auch vom Polardiagramm als Niere ausgewiesen ist. Genau von der Rückseite ist das SM86 somit am wenigsten empfindlich für die meisten Frequenzen.  

Technische Daten

Mit 3,15 mV/Pa ist das Shure kein Mikrofon, welches enorme Pegel an den Mikrofonvorverstärker liefert, auch 23 dB(A) Rauschen sind keine Wunderwerte. Allerdings ist es dafür pegelfest: Erst bei 147 dB SPL werden 1% THD+N erreicht. Das ist ein guter Wert. Da es keine Batterieversorgung gibt, muss das SM86 zum Betrieb mit Spannung über das Mikrofonkabel versorgt werden. Schon eine 12V-Speisung ist dafür ausreichend, natürlich kann auch die klassische 48V-Phantomspeisung verwendet werden.  

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