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Test
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12.11.2015

Shure PGA DrumKit 6 Test

Drum-Mikrofon-Koffer

Shure for sure

Um mit Drumrecording zu beginnen, kann man sich für die Zusammenstellung einzelner Mikrofone entscheiden oder direkt ein komplettes Paket erstehen, wie es Shure mit dem PGA DrumKit 6 anbietet. Der Mikrofonkoffer beinhaltet das, was man als Grundstock an Mikrofonen für die Aufnahme eines Schlagzeugs benötigt. Nicht mehr, nicht weniger und vor allem natürlich ohne ausgefallenere Lösungen.

So lachen den Käufer des Sets aus der PG-Alta-Serie – oder natürlich, wie im jetzigen Fall, den Tester und Autoren – ein PGA52-Bassdrum-Mikrofon, zwei Tom-Clips namens PGA56, ein Snare-Mikrofon, das auf PGA57 hört und mit den beiden PGA81 zwei Kleinmembran-Kondensatormikrofone an. Wer also den Achtzigerjahren Tribut zollt und sich freiwillig inmitten von Toms einpfercht, wer eine leisere Hi-Hat spielt oder sonstiges Geraffel benutzt, das es abzunehmen gilt, der muss das Shure-Köfferchen eben erweitern.

Details

Erste Aufgabe erfüllt

Der vielleicht erste Blick des typischen Interessenten wandert sicher zum Preisschild. Da steht jetzt nicht 899 oder 699 Euro, sondern 499 Euro – eine für viele User positive Aussage also, die erste Aufgabe eines derartigen Produktes wurde somit erfüllt. Allerdings geht es bei anderen Herstellern auch noch ein Stück preiswerter. Insofern muss die Herstellungs- und Klangqualität zum Preis passen, aber das wird sich zeigen.

Bassdrum: PGA52

Die Zahl im Namen verrät's: Das PGA52 soll auf das bekannte Bassdrum-Mikro Beta 52 verweisen, für welches man allerdings alleine schon annähernd 200 Möhren aus der Tüte ziehen muss. Das PGA-Mikrofon weist wie andere Bassdrum-Spezialisten ebenfalls einen optimierten Frequenzgang auf: Der Bass unterhalb von 100 Hz ist deutlich supportet, der Kickbereich um die 5 kHz ebenfalls. Im Nahbereich wird der Bass übrigens weiter verstärkt – eine typische Eigenschaft fast aller Mikrofone. Die große Tauchspulenmembran ist in Nierenform für eintreffenden Schall empfindlich, was für Bassdrum-Mikros absolut üblich ist, genauso wie die Empfindlichkeit von 1,75 mV/Pa.

Das eiförmige Mikro muss nicht in einen Mikrofonhalter gesteckt werden, sondern bringt diesen direkt mit: Ein Kippgelenk erlaubt die vertikale Ausrichtung, ohne am Mikrofonstativ selbst herumhantieren zu müssen. Mit einem Schwenkbügel kann die Einstellung sicher arretiert werden.

Toms: PGA56

Wie PGA52-Versionen auf Magerkur muten die beiden Tom-Mikrofone an. Trotz geringerer Größe ist die Zahl in der Produktbezeichnung höher, denn sie lauschen auf den Namen PGA56. Ihr Frequenzgang klettert weiter hinauf als beim Bassdrum-Mikrofon, erst bei 15 kHz wird die obere Grenzfrequenz angegeben, wohingegen dies beim 52er schon bei 12 kHz der Fall ist. Etwas weniger ausgeprägt sind auch die Unebenheiten im Frequenzgang, aufgrund der kleineren Membranfläche und dem sonst wahrscheinlich nicht sonderlich abweichenden Innenleben ist auch der Übertragungsfaktor mit 1,45 mV/Pa geringfügig niedriger. Solange das Mic allerdings nicht an wirklich schwachen und rauschenden Preamps angeschlossen wird, ist aber auch dies kein Problem. 

Mit dem PGA52 gemein ist auch die Neigevorrichtung A50 D, allerdings benötigt man zum Anbringen kein Stativ: Dem Set beigelegt sind Clips, die am Spannreifen befestigt werden. Per Slider können die Mikrofone verstellt werden, alternativ ist eine Stativbefestigung möglich. Schlau: Das Innengewinde aller Halter des Sets bietet beide gängigen Gewindegrößen, die kleine „deutsche“ (3/8"), die meist sowieso adaptiert wird, und die gängigere „amerikanische“ (5/8").

Snare: PGA57

Wer die Zahl „57“ schon einmal im Zusammenhang mit Mikrofonen gehört oder gelesen hat, der ist bestimmt nicht alleine: Das Shure SM57 ist eines der verbreitetsten Instrumentenmikrofone, wenn nicht sogar das verbreitetste. In der Version der PG-Alta-Serie nennt es sich PGA57 und zeigt ähnliche Eigenschaften. Der Frequenzgang zeigt einen leichten Boost der Höhen, jedoch mit einer verhaltenen Übertragung des Bereichs um 7 kHz und einem rapiden Abfall oberhalb von 10 kHz – typisch für ein Tauchspulenmikrofon. Unterhalb von 200 Hz beginnt die Übertragung ebenfalls schwächer zu werden. Bedenkt man aber, dass im Nahbereich von Schallquellen sowieso eine Bassanhebung durch den Nahbesprechungseffekt stattfindet und eine Snare allzu bassig auch nicht sein sollte, ist das gerade richtig. 

Durch den massiven Metallkorpus in konischer Form, die gut geschützte Membran und den passenden Frequenzgang erscheint eine Zweitverwertung des Snare-Mikrofons nicht nur möglich, sondern naheliegend: Es spricht nichts dagegen, das Shure PGA57 auch als Gesangsmikrofon zu gebrauchen. Im Proberaum beispielsweise reicht ja oft die Verstärkung der Bassdrum (wenn überhaupt), der Trommler könnte sich dann mit dem 57er als Backgroundsänger versuchen…

Overheads: PGA81

Ok, auch hier kurz das Zahlenspiel: Die Shure SM81 gelten als robuste und alltagstaugliche Kleinmembran-Kondensatormikrofone, die gerne als Overheads und Hi-Hat-Mikros Anwendung finden. Die beiden PGA81 haben optisch nicht sehr viel mit ihnen gemein, denn sie sind schwarz statt silbrig und deutlich gedrungener als ihre grazil-schlanken Namensvetter. Ein Hochpassfilter und eine Vordämpfung bietet das PGA81 zwar nicht, auch sonst kann man die beiden nicht unbedingt auf eine Stufe stellen. Das für ein Kleinmembranmikro recht eingeschränkte Spektrum von 40 Hz bis 18 kHz (im Bass bestimmt nicht für -3 dB angegeben…) ist nur die eine Sache, die doch recht geringe Dynamik eine andere: Mit nur 3,8 mV/Pa gibt es für ein Elektret-Kondensatormikrofon recht wenig Pegel aus, was sich aber nicht durch hohe Schalldruckverträglichkeit rechtfertigen lässt. Der maximale SPL-Wert ist mit 129,5 dB angegeben, sogar mit schon 1% THD. Über das Eigenrauschen erfährt man in den Unterlagen nichts. Gut, Pegel über 130 dB(SPL) sind bei einer Overhead-Mikrofonierung nicht zu erwarten, aber die sich eigentlich anbietende Alternative der Verwendung eines PGA81 als Mono-Overhead und des anderen 81 an der Hi-Hat würde ich wahrscheinlich gar nicht erst probieren wollen, wenn nicht gerade „Schmidtchen Streichel“ zart und vorsichtig das Drumset bedient.

Kabel, Klett, Packtasche!

„Kabel, Klett, Packtasche“ wirkt zwar ein bisschen wie „Stock, Hut, Gesangsbuch“, ist aber de facto genau das, was ein solches Set komplett macht. Kabel kosten Geld, besonders in hoher Qualität oder großer Stückzahl. Bei Drum-Mikrofonkoffern wie dem Shure PGA Drum Kit 6 geht es in erster Linie um die Zahl von sechs Mikrofonen, die verkabelt werden wollen, insofern darf man sich über die Beigabe des Kupferzwirns freuen – gleichzeitig natürlich nicht allzu viel erwarten. Dankenswerterweise sind Klettbänder mitgeliefert, um die Kabelage hier oder dort zu fixieren und um dem um das Drumset herummschwirrende Gesinde (Bassisten, Keyboarder…) keine Stolperfallen zu liefern. Zumindest keine unbeabsichtigten.

In gewisser Hinsicht als Aufforderung zum fröhlichen Weiterkaufen zu verstehen ist die Tatsache, dass im Softcase des Mikrofonsets noch Platz ist. Hat man mehr Toms als die heute üblichen zwei, benötigt für Hi-Hat, Side-Snare, den Blechkanister oder sonst irgendein Ziel für die Holzstäbe, können dort weitere Mikrofone schlafen, wenn sie nicht benötigt werden. Was nämlich unpraktisch ist, ist ein Koffer, der eben nicht alles beherbergt, was man benötigt, sondern nur einen Teil. Und da ich gerade die Anzahl Toms angesprochen habe: Manchmal tut es auch eine Mikrofonierung zwischen zwei Toms mit nur einem Mikrofon. Damit lassen sich nicht selten ordentliche Abnahmen erzielen. Und es gibt ja noch ein „Drum Kit 7“…

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