Test
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11.09.2018

Serato DJ Pro Test

DJ-Software

Nicht nur für den Profi!

Als Serato seine „Serato DJ Pro“-Version ankündigte, ging ein großes Raunen durch die DJ-relevanten Diskussionsforen. Mit der Veröffentlichung verflog die Euphorie zwar ein wenig, denn zu marginal erschienen die „offensichtlichen“ Neuerungen. Dennoch beginnt mit Serato DJ Pro die 64-Bit-Ära im hochauflösenden Design. Zudem verstecken sich ein paar Verbesserungen in der altbewährten Benutzeroberfläche, die das digitale DJing noch intuitiver und sicherer über die Bühne gehen lassen wollen. Seit unserem letzten Serato DJ Generationsupdate-Test des Bonedo-Kollegen Peter Westermeier ist einige Zeit vergangen und das Programm wuchs um neue Features an, mit denen der Hersteller Native Instruments Traktor und Pioneer rekordbox DJ auf Abstand zu halten versucht. Serato DJ Pro kostet 99 Euro, zertifizierte Hardware als Grundvoraussetzung erhöht das erforderliche Budget für die Erstausstattung. Durchdachte Hilfen erleichtern DJ-Anfängern den Einstieg. Profis schätzen die Stabilität und den ressourcenschonenden Betrieb seit jeher, doch gilt das auch für die neue Generation? Dies ist nur eine der Fragen, die wir im Test klären wollen.

Details

Details Obwohl Serato DJ Pro separat als Software zu kaufen ist, setzt es zum Auflegen stets eine an den Rechner angeschlossene zertifizierte Hardware voraus. Alle namhaften Hersteller, sei es Pioneer DJ, Rane, Denon DJ, Reloop oder Allen & Heath beteiligen sich am Equipment-Pool:

Serato DJ-Controller der oberen Preisliga wären

  • Pioneer DJ-SX3/SB3/SZ2
  • Denon DJ MCX8000/MC7000
  • Reloop Mixon 4
  • Roland DJ 808/505
  • Numark NS7 III

Auch den DVS-Interfaces Rane SL2 bis SL4 und Denon DJ DS1 liegt die Pro-Version kostenlos mit bei.

Gleiches gilt auch unter anderem für folgende aktuelle DJ-Mixer

  • Pioneer DJM-S9
  • Rane Seventy-Two
  • Reloop RMX-90DVS
  • Mixars Duo

Preisgünstigeren Controller-Modellen wie dem Pioneer DJ DDJ-SB3, Roland DJ202 oder Numark DJ2GO2 legen die Hersteller die abgespeckte Version Serato DJ Lite bei, die auch ein Upgrade auf Pro erlaubt.

Clubmixer, wie der

  • Pioneer DJ DJM-900NXS2
  • Denon DJ X1800 Prime
  • Allen & Heath Xone:43C 

verstehen sich auch plug‘n‘play mit Serato DJ Pro, jedoch liegt keine Lizenz bei.

Gleiches gilt für etliche auf Serato DJ Pro zugeschnittene Add-On-Controller wie

  • Rane Twelve
  • Pioneer DJ CDJ-2000NXS2
  • Reloop RP-8000
  • Novation Dicers

Setup

Serato DJ Pro gibt sich gegenüber allen anderen DJ-Programmen eher verschlossen, dies sogar buchstäblich. Das Setup bietet nur essentielle Einstellungsmöglichkeiten zum Anpassen der Performance an die Rechnerkapazitäten. Sicherlich begründet sich darin die extreme Stabilität, Ressourcenschonung des Programms und Zuverlässigkeit bei der Interaktion mit der Hardware. Gegenüber der ursprünglich getesteten Serato-DJ-Version wuchs das Setup um folgende neue Features:

Beat-Jump-Controls: Die untere Zeile der Auto Loops wird gegen die Beat Jumps ausgetauscht, um im Track um eine gewünschte Beatlänge im Spielbetrieb zu springen.

Anti-Drift (nur mit DVS): Das stabilisiert die Gleichlaufschwankung des Plattenspielers beim Auflegen mit NoiseMap-Vinyl.

Needle-Dropping (nur mit DVS): Selbst im relativen Modus reagiert die Software auf die absolute Nadelposition auf dem Vinyl. Alternativ spielt der Track immer ab einem Cuepoint, je nachdem, in welcher Spielminute man die Nadel auf dem Vinyl absetzt. ein Beispiel: Bei der zweiten Minute auf dem Vinyl wird stets der zweite Cuepoint getriggert.

Sticker-Lock (nur mit DVS): Beim Laden eines Tracks in ein Deck ist der Hotcue immer am Sticker auf dem Vinyl ausgerichtet. 

Tempo-Matching-Display: Diese von Serato Scratch Live übernommene Anzeige oberhalb der Wellenformen visualisiert die Übereinstimmung der Tempi der Decks.

Tonart: Für jeden Track wird die Tonart farblich und wahlweise als Camelot, klassische Tonart, Open Key oder Original Tag im entsprechenden Browser-Attribut angezeigt.

Zudem erweiterte Serato die Pro-Version um folgende Setup-Optionen:

Performance-Pad-Layout: Die Hotcues können wie die Performance-Pads bei einem DJ-Controller angezeigt werden.

Hi-Res Screen-Display: Wer Serato DJ Pro auf einem Laptop mit Retina-Display nutzt, kommt in den Genuss einer hochauflösenden Ansicht.

Tipp: Mit den folgenden Einstellungen optimiert ihr Serato DJ Pro für euren Rechner:

USB-Buffer: reguliert die Latenz beim Datenaustausch zwischen Laptop und Hardware.

Anzahl der Bildwiederholungen pro Sekunde: Je geringer ihr sie einstellt, desto mehr ruckelt zwar der sich drehende Sticker, aber eure CPU wird es danken.  

Practice-Modus

Serato DJ Pro fährt ohne angeschlossene Hardware in den sogenannten Practice-Modus. Hier analysiert ihr die Tracks bezüglich der BPM, Beatgrids und Tonart der in der Library gelisteten Songs. Aber auch Hotcues, Loops, Flips (nur in Verbindung des optionalen Expansion Packs) setzt und speichert ihr in diesem Modus. Mit dem Grid-Editor positioniert beziehungsweise korrigiert ihr die erforderlichen Marker als Voraussetzung für den BPM- und phasengenauen Beatsync.

Seit der Einführung von Serato DJ Pro bietet die Practice-Oberfläche auch einen virtuellen Mixer mit zwei Linefadern und einem Crossfader zum Proben der Übergänge ohne angeschlossene Hardware. Die sehr übersichtlichen Wellenformen beider Tracks erstrecken sich dabei über die gesamte Breite des GUI. Für eine größere Übersicht der Library minimiert man per Taste die Ansicht auf lediglich die Track-Infos. 

Performance-Modus Das GUI besticht durch eine eher puristische, aber dafür aufgeräumte Oberfläche. Die virtuellen Plattenteller liefern Infos zur Playtime, momentanen BPM und Pitch-Control-Position samt Prozentwerten. Drehende Sticker spiegeln die momentane Position auf dem Jogwheel und Vinyl wieder. Daneben befinden sich je nach gewählter Ansicht:

  • acht Hotcues und zwei gespeicherte Loops,
  • sechs gespeicherte Flips (optional mit dem Expansion Pack),
  • acht gespeicherte Loops.  

Darunter schließen sich in Zweierreihe acht Pads für die Auto-Loops beziehungsweise Beat-Jumps an. In jedem Deck stecken noch folgende Funktionen:   Slip-Mode: Zu vergleichen mit Loop-Rolls, wobei man in einem laufenden Track scratcht und der Track beim Drop dort fortsetzt, wo er ohne Scratching gewesen wäre.  

Censor: Songpassagen wie „explicit lyrics“ können mit dieser Taste durch kurzes Rückwärtsspielen einer Passage übersprungen werden.   Key-Lock: Trotz verändertem Tempo bleibt die Tonhöhe und damit die Tonart konstant.  

Repeat: Nach dem Ende eines abgespielten Tracks wird dieser erneut gestartet.   Serato DJ unterstützt auch Tone-Play, Slicer und Loop-Rolls. Allerdings sind diese Features nicht direkt vom GUI bedienbar, sondern nur über die entsprechend gemappte Oberfläche eines kompatiblen DJ-Controllers oder DJ-Mixers.  

Die Wellenformen ordnet Serato unter- und nebeneinander an, wahlweise:   vertikal, horizontal, extended (verlängert über die gesamte Display-Breite), stacked (gestapelt – sinnvoll beim Auflegen mit mehr als zwei Decks), oder in der Library-Ansicht mit vergrößerten Sichtfenster auf die Tracklist.

Diese hilfreiche Anordnung veranschaulicht die Phasengenauigkeit beim Mixing und notwendige Korrekturrichtungen wie Bremsen oder Beschleunigen der Decks.

Browser

Zu den weiteren Stärken von Serato DJ Pro zählt der übersichtliche Browser mit den Crates (virtuellen Plattenkoffern), alternativ als gruppierte Sub-Crates in Baumstruktur oder als intelligente Smart-Crates, die sich je nach gewählten Attributen und Regeln von selbst aktualisieren. Zudem pflegt die Software auch automatisch iTunes-Tracks samt ihren Wiedergabelisten ein, vorausgesetzt dies wurde im Setup aktiviert.

Serato DJ reiht alle Tracks in dem großen Tracklist-Fenster untereinander an, wahlweise mit angezeigtem Plattencover. Jeder Track erhält bis zu 20 verschiedene Attribute. Dort vermisse ich nach wie vor eine Bewertungsmöglichkeit als Stern, zudem einen Zähler der Abspielvorgänge. Zum optischen Differenzieren der Tracks bietet Serato DJ Pro eine Farbpalette, mit der Musikstücke markiert werden können.

Serato DJs Library war bisher nicht von stabilster Natur: Tracks fehlten plötzlich im Browser, beim Start las Serato DJ etliche Tracks neu ein, sodass diese beim Attribut „Added“ auf den gleichen Tag datiert wurden. Laut Angabe des Software-Herstellers gehören diese Probleme in der 64-Bit-Version nun der Vergangenheit an ...

Record

Die Software zeichnet je nach verwendeter Hardware alle ausgegebenen Signale auf, entweder die der einzelnen Kanäle, des Aux oder Masters, wahlweise als WAF- oder AIFF-Datei mit einer Wortbreite von 16 Bit oder 24 Bit. Selbst den Video-Mix hält Serato DJ Pro fest, sofern gewünscht.

Sampler

Der einstige SP-6 wuchs um zwei weitere Slots, sodass er mit seinen vier Bänken jetzt insgesamt 32 Samples bereitstellt, wahlweise über die Kanäle, den Aux beziehungsweise Master abfeuerbar. Funktionen wie drei Trigger-Modi, Pitch-Bending, Abspielposition und Sync verteilen sich auf zwei umschaltbare Ansichten.

Effekte

Drücke ich auf den FX-Reiter am oberen GUI-Rand, öffnet sich das Effekt-Fenster. Hier gibt es einen Multi-FX-Mode (Verknüpfung von bis zu drei Effekten gleichzeitig) und Single-FX-Mode (mit vier einzeln einstellbaren Parametern) sowie eine FX-Bank zum Abspeichern von favorisierten Effekten. Das Basispaket enthält zwölf Multi-FX wie Delay, Echo, Reverb, Flanger und etliche Filter, dazu zehn Single-FX gleicher Sorte. Wem dies nicht ausreicht, der kann für seine Effektbatterie bis zu vier kostenpflichtige Expansion-Packs hinzubuchen. Womit wir gleich beim Thema Erweiterungen wären...

Expansion Packs

Pitch ‘n Time DJ: Dieses exklusive Zusatzfeature friert die Tonhöhe selbst bei Tempoanpassungen mit 30 Prozent Differenz ohne hörbare Artefakte ein. Zudem unterstützt es Key-Sync, um die verschiedenen Tonarten der Tracks im Deck automatisch auf Knopfdruck harmonisch anzupassen, sowie Tone-Play, das tonale Triggern von Cuepoints zum Spielen von Melodien auf den Performance-Pads.

Flip: Dieses Pack speichert in einem Track ausgeführte Sprünge zwischen den Cuepoints, um verkürzte oder verlängerte Edits und sogenannte Transitions (Temposprünge zwischen Double- und Half-Time) zu kreieren. 

Serato Video: Videos unterschiedlicher Formate, selbst Karaoke-Files, können akustisch und visuell gemixt und gescratcht, dazu mit Animationen, Text und Bildern verknüpft und an einen externen Monitor/Beamer oder an ein Panel ausgegeben werden.

DVS: Um mit Plattenspielern und dem NoiseMap-Control-Vinyl aufzulegen, braucht ihr entweder einen „zertifizierten“ Battle-Mixer, zum Beispiel Rane Seventy Two, Pioneer DJM-S9 oder ein Serato-Interface wie das Denon DJ DS1. Besitzt ihr einen von Serato DJ Pro „unterstützten“ Mixer oder Stand-Alone-Controller mit Phono-Eingang, sind zusätzlich zur Pro-Lizenz das kostenpflichtige DVS-Plug-in sowie zwei Control-Vinyls erforderlich.

Serato Remote: Dank dieser App verwandelt sich das iPad oder iPhone in einen preisgünstigen Add-On-Controller, entweder per Kabel oder WLAN mit dem Laptop verbunden. Die Vorteile gegenüber anderen Zusatz-Controllern liegen auf der Hand. Die Oberfläche zeigt Seratos Software-Decks samt Trackinfos und Wellenformen. Zudem bietet das umschaltbare GUI genügend Platz zum treffsicheren Triggern der Cues, Loops, Loop-Rolls, Slicer und Samples.

Der FX-Mode verknüpft einzigartig Effekte mit Loop Rolls (Roll Mode). Natürlich lädt, synchronisiert und quantisiert auch die Fernbedienung die Tracks auf Knopfdruck. Serato DJ Pro geht mit dem technischen Fortschritt, sodass für die Software stätig neue Updates ausgerollt werden, sei es für Features, die Zertifizierung und das Mapping neuer Geräte oder zum Bugfixing. Sämtliche dieser Updates und Generationsupgrades sind für bestehende Lizenzinhaber kostenlos.

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