Hersteller_Sennheiser
Test
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04.04.2014

Praxis

Fertigung

Nimmt man das Funkmikrofon in die Hand, wird dessen hochwertige Verarbeitung offensichtlich. Mit seinen 450 Gramm liegt das Mikrofon schwer in der Hand und macht einen äußerst robusten Eindruck. Die Auswahl der Richtcharakteristik wird über einen Schalter direkt am Kapselgehäuse getroffen, deshalb muss zum Umschalten der Richtcharakteristik der Mikrofonkorb abgeschraubt werden. Das klingt zwar erst einmal umständlich, doch ist der Mikrofonkorb im Handumdrehen ab- und wieder angeschraubt. Außerdem ist ein versehentliches Umschalten der Richtcharakteristik dadurch ausgeschlossen. Einem »harten« Live-Einsatz sollte bei diesem Vocal-Set nichts im Wege stehen. Sender und Empfänger sorgen mit ihrer (schweren) Metallausführung zwar für deutlich mehr Gewicht im Live-Koffer, machen dafür aber auch einen äußerst robusten Eindruck.

Usability

Das Mikrofon liegt trotz seines relativ hohen Gewichts angenehm ausgewogen in der Hand. Sein Aufbau verspricht zugleich einen relativ einfachen Zugriff auf Hauptbedienelemente, Menüführung und Batteriefach als auch eine gewisse Sicherheit gegenüber unbeabsichtigten Parameteränderungen. An-/Aus-Taster, Batteriefach und Auswahl-Rädchen des Senders sind leicht zugänglich. Sofern man sich beim Sender an die Menübedienung per kleinem Auswahlrädchen gewöhnt hat, kann die Arbeitsfrequenz mühelos gewählt werden. Hier wird allerdings besser mit dem Fingernagel als mit der Fingerkuppe agiert.

Um die Funkstrecke in Betrieb zu nehmen, genügt es, die Stabantennen an den Sender zu montieren und beide Geräte einzuschalten. Sollen die Sender-Parameter neu synchronisiert werden, muss lediglich der „Sync“-Taster des Empfängers gedrückt und die Infrarot-Schnittstelle des Funkmikrofons in Reichweite gebracht werden. Das alles gelingt absolut mühelos.

Die verschiedenen Anzeigemodi des Empfängers lassen sowohl die Beurteilung der Übertragungsqualität als auch das Einpegeln des Audiosignals sehr übersichtlich vonstatten gehen („Soundcheck“-Modus). Außerdem erweist sich die umfassende Anzeige aller relevanten Parameter auf einen Blick in der Praxis als sehr hilfreich („Empfängerparameter“-Modus). Das Aufrufen von Kanälen und Kanalbänken, das Aufsuchen freier Frequenzen und auch das Abspeichern von Presets ist aufgrund der gut gegliederten Menüführungen im Sender- und Empfänger-Display ein Kinderspiel. Sowohl »auf die Schnelle« als auch mit ausreichend Tiefe lassen sich in der Praxis die Einstellungen vornehmen, denn die Parameterauswahl kann am Empfänger entweder über den „Easy-Modus“ oder detaillierter über den „Advanced-Modus“ erfolgen.

Funk- und Signalqualität

Über die Qualität der Funkübertragung kann ich an dieser Stelle nichts Negatives sagen. Im Test verhielt sich das Funkset absolut tadellos. Jenseits des (geringen) Grundrauschens konnten im Testbetrieb weder Intermodulationsstörungen noch Artefakte wahrgenommen werden. Eine Entfernung von fünf bis sieben Metern stellte das Set vor keinerlei Herausforderung. Die hohe Betriebssicherheit zeigte sich darin, dass während des Testbetriebs keinerlei Aussetzer oder Klangeinbußen festzustellen waren.

Für das Einpegeln des Audiopegels auf Arbeitsniveau ist es wichtig, innerhalb der Kette Mikrofon/Sender, Empfänger, Preamp und die verschiedenen Pegeltypen im Blick zu haben (interner digitaler Pegel in dBFS und ausgangsseitiger analoger Pegel in dBu). Für meinen Geschmack könnten für beide Pegeltypen (sowohl für den „Sensitivity“-Wert des Senders wie auch für das Ausgangssignal des Empfängers) die wählbaren Pegelabstufungen feiner sein. Mindestens 2 dB- statt 6 dB-Schritte wären auf diesem Produktniveau für ein gezielteres Einrichten der Audiopegel der Funkstrecke wünschenswert.

Klang

Der Signal/Rausch-Abstand wird nicht zuletzt durch den HDX-Compander des Empfängers optimiert. Das Audiosignal des Vocal-Sets kann man deshalb als »glasklar« bezeichnen. Sowohl die Nieren- als auch die Supernierencharakteristik der 965er Kapsel kann durch ein qualitativ hochwertig wirkendes Frequenzbild überzeugen. Stimmsignale werden durch die Konturierung des Frequenzgangs der Doppelmembran quasi in »Studioqualität« aufgegriffen. Dafür sind insbesondere die Anhebung der Höhen und das sanfte Bass-Roll-Off verantwortlich. Die Bereiche von Sprachverständlichkeit und Präsenz klingen »unaufgeregt« und mixfreundlich. Die unterschiedlichen Konturierungen des Frequenzgangs, die sich bei den verschiedenen Charakteristiken zeigen, machen das Set zudem für das Aufgreifen von Vocal-Signalen sehr variabel.

Der Druckstau des Nahbesprechungseffekts wirkt eher dezent als übertrieben. Bei Besprechung jenseits der Hauptachse (ca. 60°) behält das Funkmikrofon seinen Klangcharakter weitestgehend bei, lediglich der Audiopegel fällt leicht ab. Und auch der Mikrofonabstand darf vom Sänger durchaus auch einmal variiert werden. Das SKM 500-965 zeigt sich hier verhältnismäßig großzügig gegenüber Distanzveränderungen. Die Supernierencharakteristik liefert genau das, was von ihr erwartet wird. Gegenüber dem Betrieb mit Nierencharakteristik führen von hinten (beziehungsweise von »hinten/Seite«) auf den Performer gerichtete Schallquellen bei ihrem Einsatz zu deutlich weniger Übersprechungen.

Plosivlaute werden vom SKM 500-965 druckvoll, ohne »Mulm«, aber nicht überbetont übertragen. Die Transienten werden wirklich fein aufgelöst. Überraschend ist, dass Zischlaute bei der Supernierencharakteristik trotz einer starken Anhebung des oberen Mittenbereichs alles andere als »zu scharf« klingen. Ohne Frage liegt die vom SKM 500-965 aufgelegte Messlatte für die Konkurrenz klanglich insgesamt schon ziemlich hoch.

In der Praxis zeigen sich die Presets des im Empfänger integrierten Equalizers zugleich als wirkungsvoll wie auch als ansprechend dezent. Der Low-Shelf sorgt für 3 dB Absenkung unterhalb von 180 Hz und dürfte tieferen Stimmen das »Mulmen« nehmen. Der High-Shelf liefert dagegen +6 dB oberhalb von 10 kHz und kann damit für eine gewisse »Offenheit« des Signalklangs sorgen, bringt allerdings bei S- und Zisch-Lauten auch ein wenig die gefürchtete klangliche »Schärfe« ins Spiel. Dennoch sind mithilfe der Equalizer-Presets grobe Anpassungen des Sets an verschiedenste Stimmen und unterschiedliche Live-Situationen problemlos möglich.

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