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Test
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21.12.2013

Sennheiser Evolution Wireless G3 Vocal Set Test

Drahtloses Mikrofonsystem

Plug & Play für Vocals

Der in der Region Hannover angesiedelte Mikrofon-Hersteller Sennheiser liefert seit fast 70 Jahren Schallwandler auf höchstem Niveau. Mittlerweile wird auch die Traditionsmarke Neumann unter dem Firmendach des Familienunternehmens beherbergt. Insbesondere im Bereich Funksysteme spielen Sennheiser-Geräte eine gewichtige Rolle. Der Mikrofon-Spezialist hat zahlreiche Modelle im Programm, die von der Einstiegsklasse bis zu Geräten für Vollprofis reichen. Mit dem vorliegenden G3-Vocal Set fühlen wir in diesem Test einem Funkset auf den Zahn, das aus der 100er-Serie der Evolution Wireless-Reihe stammt und damit im Einsteigersegment der Sennheiser-Funksets angesiedelt ist.  

Allerdings liegt das „Einsteigersegment“ von Sennheiser nichtsdestotrotz vergleichsweise in der preislichen Mittelklasse für Funksysteme. Deshalb sollte man von diesem Vocal-Set in puncto Verarbeitung, Usability und Klang schon Einiges erwarten können. Soviel sei verraten: Der Audiofreund wird nicht enttäuscht. Um unseren Praxistest besser einordnen zu können, werfen wir zuvor noch einen Blick auf ein paar technische Details des Funksets.

Details

Den Lieferumfang des Wireless-Systems darf man wohl ohne Übertreibung als „üppig“ bezeichnen. Neben dem Funkmikrofon SKM 100 G3-1G8 mit 935er-Kapsel und dem stationären Empfänger EM 100 G3-1G8 nebst zwei Antennen sind auch zwei AA-Batterien, eine bühnentaugliche Mikrofonklemme, ein Netzteil und sogar zwei Stapelschienen aus Plastik enthalten. Als Bonus liegen dem Vocal-Set vier selbstklebende Gummifüße bei, die unter dem Empfänger angebracht werden können. Sie verhindern allzu leichtes Verrutschen, sollte die Empfangseinheit nicht fest in einem Rack verschraubt werden. Eine Bedienungsanleitung in Form eines kleinen Büchleins sowie Infoblätter runden das positive Auftreten des Vocal-Sets ab.

Und wo wir gerade bei den Details sind: Dass das obere Ende des Mikrofonkorbs in der Transportschale durch einen zusätzlichen Schaumgummistreifen geschützt wird, zeigt deutlich, wie ernst es dem Hersteller mit der sicheren Auslieferung seines Mikrofons ist.

Handheldmikrofon und Sendeeinheit SKM 100

Der Mikrofonkorb mit seiner erschütterungsfrei gelagerten Mikrofonkapsel ist auf einem absolut bühnentauglichen Metallgehäuse verschraubt. Die Mikrofonkapsel entstammt der Evolution 900-Serie, die für ihren eher »warmen« und »runden« Klang geschätzt wird. Sie arbeitet mit einer typischen Nierencharakteristik und wartet mit einer für Bühnenmikrofone recht hohen Ausgangsimpedanz von 350 Ohm auf. Laut Hersteller kann das robust verarbeitete Gerät mit einem enormen maximalen Schalldruckpegel von 154 dB(SPL) umgehen. Der Übertragungsbereich des SKM 100 reicht von 80 Hz bis 18 kHz und ist damit auf Vocals/Sprache ausgerichtet. Das gilt auch für seinen Frequenzgang. Der Frequenzgang des Handheld-Mikrofons ist für Stimmen optimiert und soll diesen zu mehr Durchsetzungsfähigkeit im Mix verhelfen. Er fällt unterhalb von 150 Hz sanft ab, aber zeigt zugleich eine leichte Anhebung der unteren Mitten (etwa 400 Hz bis 2 kHz) und eine prägnante Umsetzung der oberen Mitten (etwa 3 bis 10 kHz). Mit einem Gewicht ohne Batterien von fast einem halben Kilo (450 g) eignet sich das Funkmikrofon zwar noch nicht ganz fürs Hanteltraining, vermittelt aber definitiv einen hochwertigen Eindruck.

Die Sendeeinheit beheimatet ein großes Grafikdisplay mit orangefarbener Hintergrundbeleuchtung. In ihm werden unter anderem der Audiopegel, die Sendefrequenz und der Ladezustand der verwendeten Batterien sowie Infos über Tastensperre, Pilotton und Stummschaltung angezeigt. Neben dem Display ist ein kleines Infrarot-Fenster verbaut, denn eine Infrarot-Synchronisation sorgt für Kommunikation zwischen Sende- und Empfangseinheit. Die Menüsteuerung lässt den Anwender innerhalb des nahezu europaweit anmeldefrei nutzbaren Frequenzbereichs von 1785-1800 MHz  mühelos eine aus 1500 Frequenzen wählen. Zum Speichern der Frequenzwahl stehen 20 Bänke mit Werkspresets (Festfrequenzen) sowie eine User-Bank zur Verfügung. Alle Bänke können maximal 12 Frequenzpresets beherbergen, die beim Einsatz mehrerer Sender und Empfänger einen reibungslosen Funkbetrieb garantieren sollen.

Am unteren Ende der Sendeeinheit fällt dann der für Sennheiser typische Plastikfortsatz ins Auge, der die Antenne des Funkmikrofons beherbergt. Außerdem befindet sich dort eine kleine LED, die gegebenenfalls auf den kritischen Ladestatus der Batterien/Akkus hinweist. Ferner findet sich dort auch ein roter An/Aus-Taster - hält man diesen eine Zeit lang gedrückt, erwacht das große Grafikdisplay mit seiner orangefarbenen Hintergrundbeleuchtung zum Leben. Ein nebenstehendes Rädchen ermöglicht die Auswahl von Menüpunkten und Parametern. Dieses Auswahlrädchen kann durch einen drehbaren „Schutzring“ verdeckt werden, um ein versehentliches Verstellen einmal getroffener Werte zu vermeiden. Der Schutzring kann durch andere farbliche Varianten ersetzt werden, sodass eine farbliche Codierung mehrerer Funkstrecken möglich ist. Das Display verhält sich erfreulich batterieschonend und reduziert nach einigen Sekunden selbstständig seine Hintergrundbeleuchtung, sofern keine Parameteränderungen vorgenommen werden.

Der Testkandidat gehört zur 1G8-Serie der Sennheiser-Sender und funkt damit im Bereich des 1800 MHz-Bandes. Dadurch ist es möglich, das Set europaweit anmeldefrei zu betreiben. 10 mW Sendeleistung langen allemal für den Einsatz in kleineren Clubs und mittelgroßen Sälen. Zwar wirkt es auf den ersten Blick wie ein Nachteil, dass der Handsender mit zwei AA-Batterien statt nur einer „gefüttert“ werden muss, führt man sich aber vor Augen, wie einfach die Bedienung des Senders durch das hervorragend gelöste hintergrundbeleuchtete Display ist, nimmt man dieses „Manko“ gern ein Kauf.

Erstaunlich ist die Ausbaufähigkeit des Senders. Um in seinem Batteriefach einen passenden langlebigen NiMH-Akku (Sennheiser BA2015) nutzen zu können, sind entsprechende Ladekontakte bereits zusätzlich vorinstalliert. Der herstellereigene Akku aus dem Zusatzsortiment ersetzt dann die beiden AA-Batterien, mit denen immerhin eine Betriebsdauer von acht Stunden möglich sein soll. Als Extra-Info sei auch noch erwähnt, dass die Mikrofonköpfe der Evolution-Reihe aufgrund der modularen Bauweise untereinander austauschbar sind. Somit steht einem späteren Auf-/Nachrüsten des Vocal-Sets nichts im Wege (bspw. mit einer Sennheiser EW865-Kapsel mit Supernierencharakteristik).

Funkempfänger EM 100 G3-1G8

Wie der Sender des Handheld-Mikrofons, so verwöhnt auch das Grafikdisplay der 9,5 Zoll breiten Empfangseinheit den Nutzer mit einer praktischen Hintergrundbeleuchtung. Um es zum Leben zu erwecken, wird das Gerät über den frontseitig angebrachten An/Aus-Knopf eingeschaltet. Zwischen An/Aus-Knopf und Display befinden sich ein „Set“-Knopf zum Aufrufen des Gerätemenüs und einzelner Menüpunkte sowie zwei Auswahltaster für die Parameterwahl. Links neben dem Display ist außerdem ein Knopf zum Aktivieren der „Auto Scan“-Funktion untergebracht. Er sorgt für eine einfache Verbindungsherstellung zwischen Sender und Empfänger.

Der Empfänger greift auf bewährte Sennheiser-Technik zurück, die auch in teureren Modellen des Herstellers zum Einsatz kommt. Die beiden an der Geräterückseite per BNC-Stecker zu verschraubenden Antennen zeigen auf den ersten Blick, dass es sich dabei um eine True-Diversity-Technik handelt, die durch das Aufgreifen von zwei Funksignalen eine hohe Empfangssicherheit mit gleichbleibender Signalqualität garantiert. So wird auch in Veranstaltungsräumen mit vielen reflektierenden Flächen ein störungsfreier Betrieb möglich. Der Sennheiser-Empfänger verfügt auch über eine „Squelch“-Funktion, die mittels Pilotton gesteuert wird und das „Aufrauschen“ der Funksignalverstärkung bei allzu geringer Senderleistung verhindert.

Das externe Netzteil der Empfangseinheit ist im Bausatzprinzip aufgebaut. Ein Steckeradapter wird per Einrast-Mechanismus mit dem eigentlichen Trafo-Korpus verbunden. Eine Zugentlastung am Empfänger sorgt dafür, dass es nicht zu unerwünschten Stromunterbrechungen kommen kann. Ausgangsseitig findet der Nutzer auf der Geräterückseite neben der Stromzufuhr sowohl einen symmetrischen XLR-Ausgang als auch eine Klinkenbuchse in unsymmetrischer Ausführung. Wird die Klinkenbuchse genutzt, muss sich der Anwender aber mit einem um 8 dBu geringeren maximalen Ausgangspegel gegenüber dem XLR-Betrieb zufriedengeben (+10 dBu statt +18 dBu).

Das Funkset glänzt mit zahlreichen kleinen Features. Keine echte „Funktion“ im eigentlichen Sinne, aber ein praxisnahes Gimmick, ist beispielsweise die Anzeige des Sender-Batteriestatus im Empfänger-Display. Eine „Auto Lock“- Funktion verhindert, dass einmal getroffene Einstellungen versehentlich geändert werden. Eine nette Extrafunktion des Sennheiser-Funksets ist seine Kabelemulation - sie bildet klangliche Einflüsse nach, die bei kabelgebundenen Mikrofonen durch die Kabellänge entstehen. Und das G3-Modell bietet erstmals auch eine Equalizer-Sektion, die vier Presets zur Verfügung stellt.

Auch mit anderen Sennheiser-Sendern als dem EW 100-935 G3-1G8 lässt sich der Funkempfänger EM 100 G3-1G8 verbinden. Wer also seinen Empfänger mit Instrumentensignalen füttern möchte und sein Set beispielsweise um einen Gitarrensender erweitert, für den wird die integrierte Gitarren-Tuner-Funktion hilfreich sein. Außerdem kann der Empfänger per integriertem Ethernet-Anschluss mit dem Sennheiser Monitor-System SR 300 IEM gekoppelt werden, um ein optimales Monitoring zu ermöglichen.

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