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Test
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29.11.2017

sE Electronics sE2200 Test

Großmembran-Kondensatormikrofon

Profi im Budgetbereich

Klar, es gibt die legendären Studiomikrofone, die zwar ganz toll sind, die sich aber nicht jeder leisten kann oder will. Und es gibt die, die vielleicht eher etwas unspektakulär daherkommen, aber dennoch für einen geringen Betrag richtig gute Dienste erweisen. Ein Hersteller von Mikrofonen dieses Typus ist zweifelsohne sE Electronics. Das vielleicht wichtigste, beliebteste und verbreitetste Mikrofon des amerikanisch-chinesischen Unternehmens ist das seit 2002 hergestellte 2200, welches verschiedene Versionen und Features erlebt hat. Jetzt wurde die Cardioid-Variante „runderneuert“ – wir hatten eines der ersten Exemplare zum Test erhalten.

Details

Zahlen(verwirr-)spiel

Mit dem sE2200a IIC als direktem Vorgänger nicht ganz einleuchtend ist, dass der Nachfolger nicht etwa sE2200a IIIC oder gar sE2200b heißt, sondern schlichtweg sE2200. Allerdings ist das ein Statement, das man so interpretieren könnte: „Jetzt ist das 2200 so, wie es sein muss.“ Nicht, dass das 2200a wirklich schlecht gewesen wäre, es war schon immer ein gutes Mikrofon für wenig Geld. Jetzt hat der Hersteller sE Electronics aber den noch ein paar positive Veränderungen vorgenommen.

Bewährtes bleibt

Zwei Dinge lässt sE unverändert, es handelt sich dabei um die beiden maßgeblich für die Klangeigenschaften verantwortlichen Bauteile: Der Ausgangstrafo, nach sE-Spezifikationen extern gefertigt, ist unverändert, die Ausgangsimpedanz liegt weiterhin unter 50 Ohm. Die 1“-Kapsel nicht etwa auf dem chinesischen OEM-Markt zugekauft, wie es viele andere Hersteller tun, sondern (wie auch bei den bisherigen sE-Mikrofonen) in der sE-Electronics-Fabrik in Shanghai von Hand gefertigt. Gut, der Ring für die Membranverschraubung ist jetzt rot, aber es ist weiterhin die mittenkontaktierte Mylar-Membran über M7-ähnlicher Backplate. Im sE2200 ist die (wie auch auf der Vorderseite) goldbedampfte rückseitige Membran nicht angeschlossen, sondern hat die Aufgabe, eine Schallverzögerung zu erzielen, wie dies auch bei umschaltbaren Mikrofonen mit Doppelmembrankapsel der Fall ist. Das Signal, das abgegriffen werden kann, besitzt wie bei fast allen Mikrofonen dieses Bautyps eine Nierencharakteristik. Ein Blick in das geglättete Polardiagramm zeigt, dass die Niere bis fast zum zweistelligen Kilohertzbereich bis hin zu 90° sehr konstant aufnehmen soll. Die höchste rückwärtige Empfindlichkeit weist demnach die 8kHz-, die geringste die 16kHz-Kurve auf.  

Elektronik-Änderung

Im Zuge der Optimierung der Elektronik konnte sowohl der Signalfluss entschlackt als auch um Funktionen erweitert werden. Nein, das ist kein Paradoxon. Es konnten außerdem Bauteile mit geringeren Fertigungstoleranzen verwendet werden. Wichtig sicherlich ist der Tausch der Feldeffekttransistoren („FET“), mit deren Hilfe das Eigenrauschen auf nunmehr 12 dB (mit Filterkurve A bewertet) gedrückt werden konnte. 0,5% THD+N werden bei 125 dB(SPL) erreicht, durch ein zweistufiges Pad können 135 und 145 dB(SPL) erreicht werden. Die Empfindlichkeit gibt sE mit 23,7 mV/Pa an.  

Frequenzgang – und seine Eingriffsmöglichkeit

Der dem Mikrofon beigelegte Frequenzgang besitzt mittelmäßige Aussagekraft, denn trotz geringer Fertigungstoleranzen gibt es immer noch Abweichungen, außerdem ist offenbar stark geglättet worden. Dennoch lässt sich ablesen, dass unterhalb von 2 kHz möglichst hohe Linearität erzielt wurde, darüber eine kleine Präsenz- und Höhenabhebung stattfindet – mitsamt der heute üblichen Rücknahme des Schärfebereichs zwischen 5 und 10 kHz. Zumindest in der Grafik kreuzt die Frequenzgangkurve die 20kHz-Marke noch über dem Wert von 1 kHz. Hm: Ob wir es hier mit einem dieser künstlichen Boosts mit unnatürlichem Klang und erweiterten Rauschen zu tun haben? Der Praxistest wird es zeigen. In den Tiefen kann klanggestalterisch Einfluss genommen werden, indem dort Pegel zurückgenommen wird. Man hat nun die Wahl, ob man mit einem -3dB-Punkt von 80 Hz mit 6 dB pro Oktave abschwächen will oder eine Oktave darüber, also bei 160 Hz.

Schutz

Die Elektronik ist mit einem kräftigen Metallkorpus geschützt, sodass das sE2200 611 Gramm auf die Waage bringt. Ebenfalls notwendigerweise aus Metall ist der Drahtkorb. Einen Schutz vor Rumpeln liefert eine einfache, elastische Halterung des sogenannten „Isolation Packs“, Plopplaute versucht ein Metallgeflechtschirm zu unterbinden, der praktischerweise einfach in die Spinne eingeschoben werden kann.   

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