Hersteller_Samson
Test
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18.03.2013

Samson C02 Test

Kleinmembran-Kondensatormikrofon

"Carbon Footprint"?

Bevor der Test über das Samson C02 geschrieben werden konnte, galt es erst einmal herauszufinden, wie das Kondensatormikrofon übehaupt korrekt buchstabiert wird. Die Schreibweise von Samson ist klar, sie ist die gleiche wie die des gemütlichen, etwas lethargischen Problembärs aus der Sesamstraße meiner Kindheitstage oder wie die der ebenso behaarten und bärenstarken Gestalt aus der Bibel. Ich musste jedoch erst einmal typografisch abklären, ob es sich bei dem Buchstaben zwischen "C" und "2" um den Buchstaben O und somit "CO2" handelt oder um eine Null, also um "C02". Es ist eine Null, also haben sich meine zurechtgelegten Wortspielchen mit Kohlendioxid leider schon mal erledigt.  

Nun verdiene ich meine Brötchen nicht in erster Linie mit Wortspielchen (sonst wäre ich wohl in der Werbebranche gelandet), sondern damit, tontechnisches Equipment zu prüfen. Samsons C02 ist ein Stereoset mit zwei Kleinmembran-Mikrofonen, das in der Featureliste eigentlich keine Außergewöhnlichkeiten aufweist. Die Auffälligkeit befindet sich in einem etwas anderen Feld: Das schicke Köfferchen mit zwei Mikros, elastischen Halterungen und Windschützen darf man im Tausch gegen einen Hunderteuroschein aus den Musikläden tragen. Es stellt sich dementsprechend die Frage, was man als Gegenleistung für diese doch recht geringe Investition erhält.  

Details

Genauso wenig auf den ersten Blick erkennbar wie die Antwort auf die Frage, ob es sich in der Bezeichnung um ein O oder eine Null handelt, ist die Richtcharakteristik. Während man auf Samsons Webseite unter "Overview & Features" die Information "SuperCardiodid" findet, ist in den Manuals von Niere die Rede, was auch das Polardiagramm zeigt. Der Aufdruck auf den Mikros selbst hingegen sieht wieder eher nach Superniere aus. Um es abzukürzen: Im Versuch zeigte sich die maximale Auslöschung nicht ganz bei 180°, aber eben auch nicht bei 120 und 240°, wie für Supernieren üblich, zudem war die Frequenzabhängigkeit in der Off-Axis sehr deutlich. Das C02 liegt also irgendwo zwischen N und SN, wir haben es dennoch mit überprüft und dabei die ganz leicht verstärkte Richtwirkung berücksichtigt. Und: Bei Mikrofonen für 50 Euro das Stück interessieren sich die meisten User in der Regel nicht für die detaillierten Eigenschaften, wenngleich es beispielsweise für die korrekte Nutzung von Öffnungswinkeln im Stereoverfahren sinnvoll wäre, verlässliche Daten und eine höhere Frequenzkonstanz (wie etwa beim Sanken CU-41) zu haben. Nun gut.

Die grazil wirkenden Stäbchen sind aus Messing gefertigt, die Oberflächen in mattem Nickelfinish scheinen ordentlich verarbeitet zu sein. Auf dem Schaft sind Firmenname und das Produktkürzel C02 zu lesen, die seitlichen Schalleintrittsöffnungen sind schmal gehalten und das feinmaschige Gitter an der Kopfseite ragt zum Schutz der darunterliegenden 12mm-Membran etwas aus dem Gehäuse hervor.

Explizit ist es nicht ausgewiesen, doch ich gehe davon aus, dass das Kondensatorprinzip nicht durch externe Vorspannung zustandekommt, sonder durch ein Elektret. Die Empfindlichkeit des phantomgespeisten Schallwandlers ist im Datenblatt mit 10 mV/Pa angegeben, der Noise-Level mit 22 dB(A). 134 dB SPL soll es brauchen, bis bei 1 kHz 0,5% THD erreicht sind. Die Übertragung beginnt laut Manual bei 40, laut separatem Datenblatt bei 50 Hz, allerdings ohne konkrete Angabe zum Pegelverlust. Wirft man einen Blick in den grafischen Frequenzgang, erübrigt sich aber meine Tester-Haarspalterei, denn wichtiger ist das "Big Picture": Bei etwa 100 Hz beginnt der Abfall zu den Tiefen mit einer Steilheit von ungefähr 3 dB/oct. Auf dem Papier sehen die Mitten sehr linear aus, wie eigentlich bei allen Kleinmembranern dieser Preisklasse gibt es einen "Buckel" mit Centerfrequenz kurz unter 10 kHz. In Richtung des Air-Bands geht es wieder dem Pegelkeller entgegen. Mit 170 Gramm drückt ein C02 die Waagschale gen Erdmittelpunkt, mit je 15 Zentimetern sind die Mikrofone recht lang, mit 2 cm Durchmesser zudem recht dünn – gerade so, dass die mit vergoldeten Pins ausgestattete XLRm-Buchse Platz findet.    

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