Gitarre
Test
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10.01.2018

PUR CBM-1 Cajon- und Bassdrum-Mikrofon Test

Grenzflächenmikrofon

Engineer inside

Unkomplizierte Mikrofonierung und naturgetreue Wiedergabe auf einer PA - so lauteten die Vorgaben für ein Cajon-Mikrofon, das die Salzburger Cajon-Firma PUR zusammen mit der Bayrischen Firma Rumberger Sound Products entwickelt hat. Heraus kam nach eineinhalb Jahren Entwicklungszeit das CBM-1 mit eingebautem Aktiv-Equalizer, welches einfach in das Cajon oder die Bassdrum gelegt wird und ohne viel Knöpfchendrehen für einen druckvollen Bass und feine Höhen sorgen soll.

Die Cajones mit dem auffälligen, handförmigen Schalloch, die die beiden Brüder Nikolaus und Philipp Rhomberg seit 2012 in einem alten Gutshaus in Österreich bauen, sind unter Cajonfans längst keine Unbekannten mehr. Anders die Spezialmikrofone aus dem Hause Rumberger - ebenfalls ein Familienunternehmen dreier Brüder - die besonders Holzbläsern und Akkordeon-Spielern ein Begriff sind. Was dabei herauskommt, wenn zwei Familien vom Alpenrand die Köpfe zusammenstecken und zusammen ein Cajon-Mikrofon entwickeln, lest, hört und seht ihr im Folgenden.

Details

Klein aber fein

Das leichtgewichtige Mikrofon, das sich beim Auspacken aus der Verpackung schält, macht einen so edlen Eindruck, dass es schon fast schade ist dass es seine Dienste versteckt im Inneren eines Cajons oder einer Bassdrum verrichten soll. Gerade mal 155 Gramm bringen der schwarze Metallsockel und die darauf aufgesetzte silberne Mikrofonkapsel auf die Waage. Mit seinen geringen Maßen von 75 x 50 x 25 Millimetern (L x B x H) passt es durch das kleinste Resonanzloch, sofern man mit der Hand noch durchkommt. Vom Mikrofon transportiert ein ein Meter langes Kabel das Signal zum hochwertigen Neutrik XLR-Stecker, von wo aus jedes handelsübliche Mikrofonkabel den Signalfluss übernehmen kann.

Kondensator mit Tunnelblick

Grenzflächenmikrofone sind beliebte Kandidaten für die Liveabnahme von Cajones oder Bassdrums, da sie einfach in das Instrument gelegt werden und somit auf Ständer verzichtet werden kann. So entschieden sich auch die Konstrukteure für diese Bauweise und statteten das CBM-1 mit einer im 90° Winkel zur Grenzfläche aufgesetzen Kondensatorkapsel aus, die 48V Phantomspeisung vom Mischpult benötigt. Auf die richtige Ausrichtung des Mikrofons muss geachtet werden, da es ein Druckgradientenempfänger ist und die Richtcharakteristik einer (wegen der Begrenzung durch die Auflagefläche) halben Hyperniere besitzt, also quasi mit einem Tunnelblick nach vorne schaut und seitlich und größtenteils auch rückwärts eintretenden Schall im Wesentlichen ignoriert. Um es im Instrument zu positionieren dient der Schaumstoff aus dem Transportkarton gleichzeitig als Auflagefläche. Weitere klangliche Optionen bieten mitgelieferte Klett-Klebepunkte, mit denen man das Mikrofon auch an den Seitenwänden oder unter dem Deckel des Cajons anbringen kann.

Eingebauter FOH-Engineer

Was das CBM-1 besonders macht, ist sein integrierter Aktiv-Equalizer. Er soll das tun, was sonst Aufgabe der Person am Mischpult ist, nämlich ungewünschte Frequenzen absenken und gewünschte hervorheben. Auf dem Papier sieht das im Falle des CBM-1 so aus, dass die Bässe bis zu einem Höhepunkt bei 70 Hz angehoben werden und die unteren Mitten bei 400 Hz eine breite und glockenförmige Absenkung erfahren. Dann steigt die Kurve des EQs bis zum Ende des mit 40 - 16000 Hz angegebenen Frequenzbereiches wieder stetig an. So würden wohl auch der Herr oder die Dame am Mischpult verfahren, um satte Bässe und crispe Snaresounds aus der Kiste herauszukitzeln und sie durch Absenkung der Mittenfrequenzen gleichzeitig nicht zu "boxig" klingen zu lassen. Ein Frequenzdiagramm für das, was letztlich aus dem Mikrofon herauskommt, gibt es vom Hersteller leider nicht.

Damit das CBM-1 auch in lauteren Gefilden wie Bassdrums eingesetzt werden kann, findet sich an dessen Seite ein kleiner 6dB-Pad-Schalter, mit dem das Signal bei Bedarf abgesenkt werden kann. Er wird mit einem spitzen Gegenstand betätigt.

Nach all der Theorie will ich jetzt aber wissen, was es mit dem großen Plug-and-Play Versprechen auf sich hat, also mache ich genau das, verbinde das Mikrofon mit meiner Proberaum-Anlage, lege es ins Cajon und spiele los.

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