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Test
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18.07.2016

Propellerhead Reason 9 Test

DAW-Software

Korrekte Töne

„Schweden, 23 Grad Celsius, Propellerhead Headquarter: Die Entwickler der modularen Musikproduktions-Software erkennen, dass viele DAWs mit Features ausgestattet sind, von denen Reason-Nutzer bislang nur träumen können.“ So oder so ähnlich wird es sich in Schweden abgespielt haben, als die Propellerköpfe ihre Idee zu einem Reason 9 Major Update entwickelten.

In der neunten Version wird Reason mit einigen Features ausgestattet, die schon länger überfällig waren. So besitzt Reason nun einen Pitch-Editor, mit dem Audioaufnahmen in Tonhöhe, Formanten und Co. editiert werden können. Hinzu kommen MIDI-Spielhilfen für Scales und Chords, ein Dual Arpeggio sowie eine Handvoll Mini-Features. Wir haben gecheckt, für wen sich das Update wirklich lohnt.

Details

Pitch Edit

Bisher gab es für die Aufgabe der Tonhöhenkorrektur nur den Echtzeit-Effekt „Neptune“ als Rack-Gerät. Präzise Einstellungen einzelner Noten sind damit – ohne umständliche Workarounds – nicht möglich. Pitch Edit dagegen ist eine Art Melodyne, integriert als Editor in Reason.

Die erkannten Noten werden auch hier in einer Pianorolle dargestellt, was das Korrigieren erleichtert. Neben zeitlicher Position und Tonhöhe können die Noten auch mit „Feinstimmung“ in Cent korrigiert werden. Vibrato und Tonhöhen-Drift sind in Pitch Edit unter „Abweichung“ zusammengefasst. Ein zusätzlicher „Erhalten“-Parameter arbeitet quasi im Tandem mit den „Abweichungen“ und sorgt dafür, kleine Tonhöhenschwankungen zu bewahren und die Bearbeitung humaner klingen zu lassen. Die Schleifer von Note zu Note lassen sich mit „Übergang“ justieren, was in der Werkzeugleiste oder auch direkt an den Noten selbst möglich ist. 

Neben der Tonhöhenverschiebung bietet Pitch Edit auch Eingriff in die Formanten des Signals. Hierbei wird nicht die Tonhöhe, sondern die Klangfarbe verändert. Verschobene Formanten hört man in aktuellen Produktionen sehr häufig als Effekt, um Vocals tiefer klingen zu lassen, ohne dabei die eigentlichen Noten zu verändern. Darüber hinaus splittet der Editor die erkannten Töne in einzelne Slices, die es ermöglichen das Timing zu korrigieren.

Players

Propellerhead hat drei neue Rack-Geräte entwickelt, die das Komponieren erleichtern sollen: „Dual Arpeggio“, „Note Echo“ und „Scales and Chords“.

Der „Dual Arpeggio“ vereint zwei identische Arpeggiatoren in einem Rack-Gerät, die entweder gemeinsam oder auch unabhängig voneinander arbeiten. Somit können aus den eingehenden MIDI-Noten gleichzeitig zwei unterschiedliche Arpeggiator-Muster erzeugt werden. Jeder der beiden Arpeggiatoren hat dieselben Parameter und eine eigene Matrix, in denen die Noten rhythmische, polyphone Patterns erzeugen können. Zusätzlich ist zu jedem Arpeggiator eine eigene Keyrange einstellbar, wodurch sie auf der Keyboard-Tastatur gesplittet werden und so beispielsweise die tiefen Tonlagen andere Patterns spielen als die hohen Tonlagen.

Zu den neuen Players gehört auch das Rack-Gerät „Scales und Chords“, mit dem es für jedermann möglich ist, zu einem Grundton immer die richtigen Noten der Tonskala oder sogar Akkorde zu spielen. Zugegeben, die Funktion gibt es in Apple Logic und Steinberg Cubase in ähnlicher Form, doch die Umsetzung in Reason ist wirklich umfangreich und kinderleicht zu bedienen. Nach dem Einstellen der Tonart werden nur noch die passenden Noten der Skala an den Klangerzeuger gesendet. Durch die Aktivierung von „Chords“ werden aus einer einzigen Note Zwei- bis Fünfklänge generiert. Auch das Erzeugen von Umkehrungen und Open Chords ist möglich. Oktavierungen nach oben und nach unten sowie „Färbungen“ (Terz über der höchsten Note des Chords) lassen sich hinzuschalten. Ein „Alter“-Button erzeugt bei Betätigung die Noten der parallelen Tonart.

Zu guter Letzt gehört „Note Echo“ zu den neuen Players, der es ermöglicht, jede eingehende MIDI-Note bis 16-mal zu wiederholen. Die Anschlagstärke und Tonhöhe kann bei jeder Wiederholung einen anderen Wert erhalten. Note Echo kann frei oder in Sync zum DAW-Tempo „Echos“ abfeuern.

Neue Sounds

Die Sound-Library wurde laut Propellerhead durch rund 1000 neue „Reason 9 Sounds“ erweitert. Alle Klangerzeuger sind mit neuen Klangprogrammen ausgestattet worden, die in 13 Kategorien sortiert sind. Natürlich sind hierbei hauptsächlich Combinator-Patches am Start, die gleich mit reichlich Layern und Effekten versehen sind. Und so sind in einigen Kategorien die neuen „Players“ mit dabei, die bei der Soundsuche inspirierend wirken.

Mini-Features

Abgesehen von den Highlights werden in Reason 9 auch Kleinigkeiten nachgereicht, die es in vielen anderen DAWs schon lange gibt. Da wäre die Funktion „Bounce in Place“, mit der Regionen samt den Effekten des Kanals direkt im Projekt gerendert werden und als Audiodatei wieder an der gleichen Position im Sequenzer eingefügt werden. Das spart kostbare Rechenleistung, da Reason nur noch eine Audiodatei abspielen muss, statt MIDI-Noten an einen Klangerzeuger zu schicken und das daraus entstehende Audiosignal in Echtzeit mit Effekten zu versehen. Abgesehen von der Ressourcenersparnis ist es oftmals auch notwendig, mit Audiodateien zu arbeiten, um beispielsweise Reverse-Effekte anzuwenden. 

Die bislang nur als Zusatz käuflich zu erwerbende Rack-Extension „Pulsar“ ist ab Reason 9 serienmäßig mit an Bord. Der Dual LFO ist ein vielseitiges Tool zur Modulation von Audio- und CV-Signalen mit zwei unabhängig voneinander arbeitenden LFOs. Darüber hinaus kann er auch als monophoner Synth verwendet werden. Ärgerlich für die bisherigen Käufer, gut für alle, die auf Reason 9 upgraden und für Pulsar kein Geld ausgegeben haben.

Mit der Einführung eines Pitch-Editors wird Reason auch gleich um eine Audio-to-MIDI-Funktion erweitert. Das ist sinnvoll, denn so lassen sich im Handumdrehen die Noten von Gesang- oder Instrument-Spuren auf eine MIDI-Spur ziehen und mit einem Klangerzeuger schichten. Clever! Die Funktion ist seit jeher in Melodyne verankert, bereichert Reason aber ungemein.

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