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05.01.2018

Plattenspieler on-stage: darauf solltet ihr unbedingt achten

Turntable Tools und Tipps für Kanzel und Bühne

Als der Plattenspieler noch als das einzig wahre Arbeitsmittel der Auflegerzunft angesehen und von ihr eingesetzt wurde, musste man sich keinen Kopf über Aufbau und Zustand zerbrechen. Ständig gewartet, dazu bassresistent in die Kanzel gemauert, drehten die Turntables ohne von der Vinyl-Spur abzukommen. Selbst Tonabnehmer stellte der Club bereit. Mittlerweile haben CDJs und Controller die einstigen analogen Platzhirsche vielerorts verdrängt, teils aufgrund des Komforts, teils wegen der desaströsen Wartung der klassischen Technics SL-1210 MK2.

Um die ständig wachsenden Ansprüche der Technical Rider zu erfüllen, mietet der Club oftmals lieber DJ-Technik, mitunter legen die Plattenspieler dabei leider auch vereinzelt funktionellen Macken an den Tag. Die Kanzel universell aufgetischt, damit sich jeglicher Player universell darauf bettet, birgt sie für die Plattenspieler akustische Handicaps. Es brummt, koppelt und springt, aber warum und was unternimmt man dagegen?

Die physikalischen Ursachen

Abgesehen von Erschütterungen bringen Vibrationen, Rumpeln, Rückkopplungen und Resonanz die Nadel aus der Bahn. Grobe Erschütterungen treten durch Stoßen, feinere selbst schon durch Trittschall auf. In puncto Rückkopplungen, Vibrationen und Resonanz bedarf es eines kleinen Blicks in die Audiolehre, um sie zu verstehen.

Tonabnehmer, deren Nadel während der Fahrt über das Vinyl einen von Spulen umzäunten Magneten elektrische Spannung erzeugen lässt, nehmen auch Geräusche der Lautsprecher auf, sofern sie in unmittelbarer Umgebung stehen.

Das über die Treiber wiedergegebene Signal wird erneut dem abgetasteten hinzugemischt, eine Art Overdubbing. Allerdings erzeugt diese sich ständig wiederholende Schleife ein zunächst leises beginnendes und stetig steigendes Brummen im Tieftonbereich, das letztlich sogar den Basstreiber der Lautsprecherbox zerstören kann. Unter Rumpeln versteht man zusätzlich induzierte Spannungen im Tonabnehmer, die nicht durch die Rillenabtastung, sondern durch mechanische Störeinflüsse hervorgerufen werden.

Im Fall der Resonanz ist noch mehr physikalischer Background gefragt, der sich nicht allein auf den Tonabnehmer, sondern in der Einheit mit dem Tonarm bezieht. Beides wirkt zusammen physikalisch als Federpendel mit einer Eigenfrequenz. Zudem basieren auch federgelagerte Subchassis bei Hi-Fi-Modellen auf dem gleichen Prinzip. Wird der Tonarm nebst Tonabnehmer beim Abspielen mit einer Frequenz identisch der Eigenfrequenz angeregt, tritt Resonanz auf und dieses „Federpendel“ schwingt sich auf. Vibrationen, Verzerrungen und selbst Nadelsprünge sind die Folge.

Der Aufbau des Pults

Um Erschütterungen und Resonanzen zu verhindern, müsst ihr die Plattenspieler (hier unser Special zum Thema Turntable) von den Gefahrenquellen entkoppeln und somit störende Schwingungen unterbrechen:  

1. Positioniert die Plattenspieler nicht in direkter Nähe des Monitorings, wenn möglich auch nicht auf demselben Tisch, denn die Monitorbox tanzt förmlich vor lauter Bass auf dem Pult. Schockartige Impulse und Stöße treten auf. Steht eine flexible, damit nicht festinstallierte Monitorbox bereit, stellt sie besser auf den Boden auf einem Stativ auf. Damit verhindert ihr auch Bassresonanz, Vibrationen und Feedback.  

2. Das DJ-Pult sollte nicht mit dem Podest, auf dem ihr steht, verbunden sein. Ansonsten springt die Nadel schon bei eurer kleinsten Tanzeinlage. Zur Erklärung: Auf Events, Festivals oder Partys setzt sich die DJ-Kanzel oft aus über Kreuz verbauten Bühnenpodesten, sogenannte Bütecs, zusammen. Durch diese stabilisierende Kreuzbauweise werden Erschütterungen, ausgelöst von Trittschall, übertragen. Daher besser die Bütec, auf der ihr steht, vom DJ-Pult trennen und als eigenständige Einheit aufbauen, nicht miteinander verzurren und auch einen Spalt als Spiel einräumen.

3. Zwar aufwendiger, aber noch wirksamer gegen sämtliche genannten Störfaktoren, dazu optisch ein Hingucker: das frei schwingende DJ-Pult, entweder von der Decke oder an einer Traverse aufgehängt. 

Der Plattenspieler himself

DJ-Plattenspieler wie der Technics SL-1210 MK2, Pioneer PLX-1000 oder Reloop RP7000 beziehungsweise RP8000, zu finden auch in unserem Testmarathon DJ-Plattenspieler, kontern den „Störenfrieden“ von Haus aus mit ihrem massiven Chassis und dem einhergehenden Gewicht von teilweise über zehn Kilogramm. Auch die vibrationsdämpfenden Füße, besonders die mit Silikon gefüllten Modelle des neuen Technics SL-1200GR/1210GR, wirken dem entgegen.

Mit den Einstellungen am Plattenspieler und der richtigen Tonabnehmerwahl könnt ihr zusätzlich Performance gewinnen. Generell gilt: Nie zu viel Auflagegewicht verwenden, denn sowohl Nadel als auch Vinyl verschleißen schneller, zumal Verzerrungen auftreten. Aber wenn es laufend koppelt und die Nadel permanent springt, springt man besser auch über seinen eigenen Schatten. 1 bis 1,5 Gramm mehr als das empfohlene Auflagegewicht verträgt eine harte Nadelaufhängung ohne Probleme. Schleift allerdings der Stylus durch eine weichere Aufhängung fast auf dem Vinyl, ist weniger mehr.

Ob ein Tonabnehmer eine weiche oder harte Aufhängung besitzt, erkennt ihr auch an dem vom Hersteller empfohlenen Auflagewicht und an dem Trackingwert, der bereits bei 80 Mikrometern auf weicheres Material in der Nadelaufhängung schließen lässt. Es gibt auch Tonabnehmer, die speziell auf den akustisch schwierigeren Club-Einsatz zugeschnitten sind, wie das Ortofon Concorde Elektro. Seine vibrationsreduzierende Gummiröhre verringert ungewollte Einstreuungen aufgrund basslastiger Musik. Eine hohe Ausgangsspannung verringert die Gefahr der Rückkopplung und spricht für einen sehr guten Rauschabstand, um das abgetastete Signal von den Störgeräuschen, wie des Monitors, genauer zu trennen.

Do it yourself

Im Netz tummeln sich Bilder von den verrücktesten Ideen, wie man den Plattenspieler schock- und vibrationsresistent sowie bassentkoppelnd aufbaut. Von einsturzgefährdeten Konstruktionen aus Handtüchern oder Toilettenpapierrollen rate ich hier ab. Nehmt lieber massive Stein- oder Metallplatten als Bassabsorber und die Störenfriede prallen wie an einer Mauer ab. Zudem verleiht diese Symbiose aus robuster Unterlage und Plattenspieler mehr Sicherheit beim Scratching, denn das zusätzliche mächtige Gewicht der Unterlegplatten hält das Wackeln der Turntables und des Pults im Zaum.

Zusätzlich unter die Platte gelegte Squashbälle oder halbierte Tennisbälle verringern die Kontaktfläche zwischen Plattenspieler und Tisch. Zunächst werden die Bälle in die geschätzte Position der Füße des Plattenspielers gelegt, anschließend Steinplatte und Plattenspieler daraufgestellt. Wenn nötig, justiert die Bälle etwas nach, damit sie exakt unter den Füßen des Turntables stehen, denn genau an diesen vier Punkten müssen die Störeinflüsse gedämpft werden und nur so liegt die Steinplatte exakt horizontal und neigt sich nicht.

Der Haken an der Sache: Diese Konstruktion ist etwas schwammig, besonders DJs, die beim Scratching doch gern etwas grober mit dem Vinyl umgehen, müssen sich beim Druck auf die Platte an das Nachgeben des Laufwerks in der vertikalen Richtung gewöhnen und vorsichtiger hantieren. Anderenfalls springt’s!

Tools

Wenn der Veranstalter keine Lösung bietet, muss der DJ selbst ran. Wie wäre es beispielsweise mit den aufblasbaren Luftkissen namens "Freefloat". Sie absorbieren Stöße und Vibrationen je nach Luftmenge durch ihre flexible Elastizität und Rollwirkung der vier Luftkugeln, die diagonal über Luftschläuche mit einer fünften Kugel in der Mitte zur Stabilisierung verbunden sind.

Die Gefahr des Nadelspringens reduziert sich um den Faktor 10 bis 20. Höhere Lautstärken können gefahren werden, ein Rumpeln im gängigen Frequenzbereich tritt nicht auf. Der Bonus: Sie sind günstig, nehmen im Reisegepäck kein Gewicht und kaum Platz ein.

Noch besser bekämpfen die massiven Antischock-Absorber Luke ASB-1 die lästigen Begleiterscheinungen. In den Vertiefungen sitzen Plattenspieler und auch CDJs sehr stabil. Zwischen zwei unter Hochdruck verklebten Birkensperrholzplatten lagern fünf spezielle Schaumstoffdämpfer, die auftretende störende Schallsignale, Vibrationen und daraus resultierende Erschütterungen absorbieren. Die ASB-1 minimieren durch ihre offene Konstruktion speziell das Aufschwingen im kritischen Frequenzbereich von 50 bis 450 Hz. Die robuste Verarbeitung rechtfertigt den Preis, im Doppelpack mit knapp acht Kilogramm allerdings auch das mächtige Gewicht.

Nicht günstiger, aber für unterwegs komfortabler: MK Stands Over Feet. Sie packen das Übel der Resonanz und den Vibrationen an der Wurzel, besser gesagt an den Füßen, die denen des Technics SL-1200/1210 MK2 oder Pioneer DJ PLX-1000 angepasst sind. Die handlichen, aus speziellem an der Oberfläche haftenden Gummi gefertigten Absorber zieht man über die des Plattenspielers. Selbst wenn der Plattenspieler direkt auf einer Bassbox steht, lässt er sich beim Abspielen kaum aus der Ruhe bringen.

Vom Ansatz ähnlich, aber dafür filigraner mit einem Hauch High-Tech gehen die seit 2004 in UK gefertigten, anschraubbaren oder universell unterlegbaren Isonoe Iosolation System-Füße das akustische Problem an. Selbst Sven Väth schwört auf dieses Produkt, denn es bekämpft selbst den besonders feedback- und vibrationsverursachenden Tiefbass, wenn er direkt aus den Lautsprechern neben den Plattenspielern unter enormen Schalldruckpegel dröhnt.

Die aus einer Magnesiumlegierung per CNC-Maschine äußerst präzise gefertigten Absorber punkten durch ihre abfedernde Buchse und dem darunter befindlichen Kugellager. Letzteres schmälert die Berührungspunkte zwischen vibrierender Oberfläche und dem Plattenspieler. Mit den Isonoe Iosolation Systemfüßen fährt man zwar am teuersten, dafür auch am sichersten und optisch am stylischsten.

Weitere Tools, Zubehör und Gadgets für DJs findet ihr in diesem Testmarathon.

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