Hersteller_Pioneer
Test
5
22.11.2013

Pioneer DJM-900SRT Test

Professioneller DJ-Clubmixer

Premiere für Pioneer und Serato DVS!

Pioneer DJM-900SRT im bonedo.de-Test: Premiere für Pioneer. Nach zehn Jahren Solitärstatus für Rane und Serato Scratch Live scheint mit der Verschmelzung der beiden neuseeländischen DJ-Programme Itch (jetzt SDJ) und Scratch Live zu „Serato DJ“ oder andersherum der Implementierung von DVS in SDJ 1.5 nun endlich die Tür für weitere Hardware-Manufakturen aufgestoßen zu sein. Der Clubmixer Pioneer DJM-900SRT macht den Anfang und entert das Bonedo-Teststudio mit nativer Unterstützung für Serato DJ DVS samt kompatiblem Vierkanal-Interface. Und natürlich hat er auch all die bewähren Features an Bord, die sein Counterpart DJM-900Nexus dem Traktor Scratch User anheimstellt. Dazu gehören unter anderem ein digitales Vierkanal-Mischpult mit umschaltbarer Klangregelung, zwei Mikrofonkanälen mit Talkover, zwei FX-Abteilungen mit Kanaleffekten, Beat-FX und X-Pad sowie Beatcounter, Loop-, Slip- und Roll-Funktionen. Zu den Ausstattungsmerkmalen gehören auch digitale Schnittstellen, vier Turntable-Anschlüsse, Pioneers X-Link Technologie, Rekordbox- und MIDI-Kompatibilität.  

Mit einem Preisschild von 2199 UVP ist die Marschroute klar: Der DJM-900SRT möchte sich als Clubmixer für die Serato-Profiliga etablieren und dort Einzug halten, wo bis dato Ranes Pulte der Serien TTM und „SixtyX“ oder die SL-Boxen installiert sind oder als Alternative zum Traktor Scratch Setup dienen. Eine Einbahnstraße ist der SRT natürlich nicht, denn er ist auch kompatibel zu Traktor Pro 2, Rekordbox und weiteren DJ-Softwares. Sollten zudem CDJs vor Ort sein, ist der digitale Datenaustausch via HID möglich. Ein „verlockendes Angebot“ für die Inhaber der globalen Beschallungszentren und gut betuchte Serato-Fans? Vielleicht, nur zumindest einen Otto-Normalplattenreiter dürfte wohl zunächst einmal die Investitionssumme abschrecken. Doch vor dem Hintergrund, dass ein SL4-Interface aktuell 979 Euro kostet und ein DJM-850 ebenfalls mit 1500 Euro zu Buche schlägt, relativiert sich dies wieder ein wenig. Zu den Hauptkonkurrenten aus dem eigenen Lager zählen sicherlich die Nexus-Mixer DJM-900 und 2000 für Traktor Scratch und soll es Serato sein, dann sind der Rane-68 oder der in Kürze erhältliche Rane-64, der nach heutigem Erkenntnisstand für exakt den gleichen Kurs wie der SRT über den Tisch gehen soll, eine Option.

Details

Das Prädikat „clubtauglich“ verdient sich der 7,1 Kilo schwere und 331 × 404 x 108 Millimeter messende SRT allemal. Das beginnt bei der soliden Gehäusekonstruktion mit der frontalen Kunststoffschutzblende und führt über ein gut ausgestattetes Backpanel mit fest sitzenden Anschlussbuchsen, dem es auf den ersten Blick an nichts mangelt, zum hinlänglich kluberprobten Bedienlayout. Das dunkle, anthrazitfarbene Design wurde quasi vom Nexus übernommen und gefällt mir persönlich sehr. Einzige optische Änderungen sind natürlich die Herstellerschriftzüge am Gerät selbst, die Labels am Quellwahlschalter (die Position USB heißt jetzt Deck) und die Farbgebung einiger vormals gelb und nun blau beleuchteten Buttons (Cue, FX). Solide Pioneer-Kost erwartet einen auf der Bedienoberfläche, die mit sanften P-Lock-Fadern, geschmeidigen Potis und klassischen DJM-Buttons aufwartet. Channel- und Crossfader können drei unterschiedliche Kurvenausprägungen annehmen, die Equalizer arbeiten wahlweise als Isolatoren (mit Killfunktion) oder Im Standard-Modus mit einer Absenkung von 26 dB. Der Arbeitsraum ist großzügig bemessen. Da auch der 900SRT keine wirklich gravierenden Abweichungen hinsichtlich des Layouts im Vergleich zu seinen Vorgängern aufweist, sollte jeder, der schon einmal an einem Geschwistermodell gearbeitet hat, schnell mit dem Gerät auf „du und du“ sein. Zum Lieferumfang unseres Testmusters gehören ein Netz- und ein USB-Kabel, ein Handbuch, Control-Tone-Vinyls und -CDs, die Treiber/Software-CD und natürlich der Star des Tages: der DJM-900SRT!

Am Backpanel erwarten mich viermal zwei Stereo-Cinch-Eingänge für externe Zuspieler. Statt zwei Phono-Anschlüsse wie noch beim 900NXS gibt es hier wieder vier, was in Anbetracht der Zielgruppe durchaus Sinn macht, denn der eine oder andere „Turntable-Deckwizard“ sollte sich noch auf unserem Planeten tummeln. Und so ist man natürlich äußerst flexibel bei der Installation, denn alle vier Kanäle können neben Phono, Line und USB auch noch digital gespeist werden, wofür die vier S/PDIF-Buchsen angedacht sind. Was bei mir allerdings auf Unverständnis stößt: Wenn ich doch schon vier Serato Decks mit vier Turntables bespielen könnte, warum ist dann keine zweite USB-Buchse für ein zweites Notebook nebst zweitem Kopfhörerausgang verbaut? Das wäre doch für DJ-Teams der Hammer und würde dem Standard-Pioneer-Clublayout nun auch nicht wirklich abträglich sein.  

Faderstart-Buchsen (für die Laufwerke von Drittherstellern und die eigene Einsteigerklasse) sind beim DJM-900 inzwischen passe, nicht jedoch die Funktion selbst, denn sie wird nun über die LAN-Verbindung für die Modelle CDJ-900 und CDJ-2000 realisiert, die auch die Rekordbox-Anbindung gewährleistet. Bei Serato DJ hingegen wird die Faderstart-Funktion über USB angewiesen, wobei zu Erwähnen ist, dass sie nicht im absoluten TC-Modus des DVS-Betriebs funktioniert. Weiterhin sitzt hier hinten ein Klinkeneingang für Mikrofon 2 und die MIDI-Out-Buchse, welche sich in der Lage sieht, Steuerbefehle und die interne MIDI-Clock samt LFO weiterzureichen.  

Zur Versorgung der Club-PA verbaut Pioneer ein Paar symmetrische XLR-Buchsen (Master 1). Das gleiche Signal liegt in am Master 2 an, der im Stereo-Cinch-Format ausgeführt ist. Unabhängig vom Masterpegel ist der Cinch-Record-Out. Ein digitaler koaxialer Master-Playout ist ebenfalls vorhanden. Die Kabinenanlage bekommt ihr Signal über den getrennt regelbaren Booth mit seinen zwei 6,3-Millimeter-Klinkenbuchsen. Zwar hat der Pioneer ja einige ausgezeichnete Effektprogramme implementiert und auch Serato DJ bringt nochmal einen Packen mit, doch lässt es sich der Hersteller nicht nehmen, zur Anbindung externer Effektorgeräte je zwei Klinkeneingänge (Send/Return) einzuplanen. Wer jemals an einem Pioneer RMX-1000 geschraubt hat, kann das wohl verstehen. Den Ausflug über die Hinterseite beenden ein Kaltgerätestecker, der schutzumrandete Powerswitch und eine Ausfräsung für einen Kensington-Diebstahlschutz - sicher ist sicher.

Sound

Ich denke, detailliert auf das Oberflächenlayout einzugehen, können wir uns an dieser Stelle schenken, denn links Mikros, Preview und Color FX, in der Mitte der Mixer und eine Master- und Effekt-Sektion auf der rechten Außenseite, das ist nun wirklich gang und gäbe bei Pioneer und schon oft bei bonedo.de bewertet worden. Die hervorragende Bedienergonomie und den Platz zum Atmen für die Bedienteile, sehen wir mal von den Mikrofon-Potis ab, hatte ich ja bereits erwähnt. Stattdessen würde ich gern direkt auf die Klangeigenschaften eingehen, beginnend mit den „Brot-und-Butter-Disziplinen“ Preamps, Playout, Cueing und Equalizing. Die Entzerrer-Vorverstärker geben sich keine Blöße und klingen druckvoll und authentisch, ohne den Track zu färben oder zu verrauschen. Bei der Aufnahme der Schallplatte kam ein Vestax PDX-2300 MK2 mit einem Ortofon Digitrack System zum Einsatz.  

Der Master liefert laut Herstellerangaben +8 dBU (Standardleistung) und der Mixer hat einen satten Headroom von 19 dB, womit er genügend Luft nach oben für pegeltechnische Extrembelastungen bereithält. Der Klirrfaktor liegt gemäß Handbuch bei unter 0,004% und der Signalrauschabstand bei 107 dB. Wen wundert es da, dass der DJM-900SRT mit einem kräftigen, präzisen Klang punkten kann. Gerade am Master herrscht mächtig Druck. Um zum Beispiel mit meinem Audio 6 aufzuzeichnen und dabei nicht ins Clipping zu geraten, musste ich dort die Regler voll runterfahren und zudem den Mixer auf -6dB absenken.

Beim DJM-900SRT kommen die gleichen Ein- und Ausgangsschaltkreise, wie beim DJM-2000nexus zum Einsatz. Die digitale, interne Signalverarbeitung erfolgt mittels eines 32 Bit DSPs. Für die Ausgangswandlung sorgt ein 32 Bit A/D-Wandler. Auch der Kopfhörerausgang präsentiert sich in Bestform, nicht nur was seinen transparenten, glasklaren Sound angeht, sondern auch bezüglich seines hohen Outputs. Über die Taste „Cue Link“ darf hier das Signal eines Recordbox-Computers vorgehört werden. Was will man mehr? - Vielleicht etwas größere, nicht so wackelige Potis für die Mike-EQs? Die sind tatsächlich etwas wackeliger als ihre Kollegen und nachdem ich ihnen die Kappen vom Stift gezupft habe, wird auch klar warum. Hier ist - zumindest an dem uns zugestellten Sample - Kunststoff verbaut. Nun gut, das ändert nichts am grundsätzlich sehr rauscharmen Klang der Sektion, gepaart mit einer schnell ansprechenden, vierstufig einstellbaren Talkover-Funktion (inkl. ADV- für die reine Mittenabsenkung) und dem typischen Hi-Low-Zweibänder, der ebenfalls gute Dienste verrichtet. Die hohe Ausgabequalität des SRT sollen die nachstehenden Hörbeispiele veranschaulichen.

Die Effektsektionen sind für einen DJ-Mischer, vor allem im direkten Vergleich mit der überwiegenden Mehrzahl der Konkurrenten, wirklich üppig ausgestattet und spielen auf sehr hohem Niveau. Einzig die Parametrisierung der Kanaleffekte kann mich nicht restlos überzeugen, dafür ist mir der Noise-Anteil zu laut eingestellt und das Filter nicht „rotzig“ genug. Die Beat-FX mit ihren 13 Vertretern, zu denen sich auch der Pitchshifter „Robot“ und der Reverb zählen wollen, lassen eine manuelle (Encoder) oder synchroniserte Einstellung des Timings zu, das einem Kanal entnommen oder manuell eingeklopft werden darf. Dazu gesellt sich das X-Pad als Taktsteller oder um einen weiteren Parameter (Pitch beim Robot zum Beispiel) zu dirigieren. Die Color-FX wirken leider nicht auf die Mikrofonkanäle. Das Mikrofonsignal lässt sich jedoch genau wie die Crossfader-Seiten A/ B oder der Master alternativ zu einem Solitär-Kanal an die Beat-FX Sektion schicken. Beim Pioneer SRT gibt es reichlich Stoff zur Soundveredlung, egal ob MC, Vokalist oder Track. Hinzu kommt, dass der Laptop-Artist beim Einsatz von „Hardware-FX“ natürlich Rechner-Ressourcen einspart. Sicher sind einige der FX selbsterklärend oder dem geneigten Leser bekannt. Wer dennoch wissen möchte, was die einzelnen Effekte genau bewirken, den möchte ich auf die Seite 3 des DJM-900Nexus-Artikels verweisen.

Damit die Benutzereingaben bei den taktgesteuerten Effekten nicht mit unmittelbarer Wirkung zuschlagen, was zu asynchronen Verläufen oder bei Loops zu Offbeats im Mix führen kann, hat der DJM-900 SRT einen Button mit der Aufschrift „Quantize“ verbaut. Doch Quantisierung bedeutet Beatgrid-Daten vorliegen zu haben, denn diese müssen mitsamt den BPM-Werten des betreffenden Titels an die Effektsektion gesendet werden. Hierfür ist einerseits das Programm Rekordbox vorgesehen sowie die kompatiblen Player CDJ-900 oder CDJ 2000NXS, die uns heute leider nicht vorliegen. Andererseits funktioniert die Quantisierung auch im Serato DJ-Betrieb, sofern Grid-Infos vorliegen und korrekt empfangen werden und keine Scratches oder eine Laufrichtungsumkehrung erfolgen. Nachstehend die Effektprogramme im Durchlauf. Erst Color, dann Beat-FX.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare