Test
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14.10.2021

Praxis

Druckvoll und straff klingt die Matt Halpern Signature Snaredrum

Klang ist natürlich auch immer Geschmacksache, ich räume allerdings ein, dass mir die Beschreibung des neuen Schlagfells im Vorfeld gewisse Sorgen bereitet hat. Denn die Zutaten klingen schon stark nach einem sehr trockenen, leblosen Sound. Das mag vielen Drummerinnen gefallen, denn es bügelt Tuningfehler aus und ist aus dem Karton recordingfreundlich, beraubt alle anderen jedoch der klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten. Umso erstaunter bin ich, dass die Matt Halpern Snaredrum zwar kontrolliert, aber nicht matt klingt, im Gegenteil. Straff, lebendig und ausgewogen kommt sie daher, und das in allen Stimmungen. Aber auch funktional macht die Trommel Spaß, was sowohl an der leichten Stimmbarkeit als auch dem praxisgerechten „Click-Lock“-Abhebungsmechanismus liegt. Einzig beim „Einfädeln“ der Stimmschrauben ist etwas Aufmerksamkeit geboten, denn die drehbaren Einsätze der Tubelugs besitzen keine sehr große Toleranz. Kommen sie leicht schräg von oben, verweigern die Gewinde schonmal die Aufnahme der Schrauben. 

Hohe Stimmungen 

Der etwas dickere Messingkessel sorgt besonders bei hohen Fellspannungen dafür, dass kaum Kompressionseffekte eintreten, die Snaredrum bleibt also nach oben hin sehr lange fett und offen. Kräftige Rimshots und Flams erzeugen ordentlich Druck in der Magengegend, gleichzeitig wirkt die Ansprache sehr präzise und direkt, was auch mit dem qualitativ sehr hochwertigen Snareteppich zusammenhängt. Auch für Funkiges, Jazz und Elektronika ist die Snaredrum damit sehr gut gerüstet. 

Mittlere und tiefe Stimmungen

Der Effekt des Heavyweight Dry Fells tritt verstärkt zutage, wenn man die Snaredrum in mittlere Tuning-Gefilde und darunter bringt. Seine höhere Masse und die kleinen Löcher im Rand nehmen der Trommel dann hörbar genau jene Obertöne, die nicht nur Metaldrummer oft nervig finden. Gleichzeitig werden die Mitten fokussiert, was in etwa so klingt, als hätte jemand ein bisschen EQ und Kompression eingeschaltet. Erfreulicherweise ist dieser Effekt eben nicht dominierend, sondern unterstützt den Klangcharakter der Snare auf effektive, aber subtile Weise. Im Video könnt ihr zudem hören, wie fett die Trommel klingt, wenn man sie extrem tief stimmt und zusätzlich dämpft. Die Frage ist natürlich, wie sich das Instrument mit einem „normalen“ Schlagfell macht. Das habe ich im nächsten Abschnitt ergründet.

Fängt mit einem normalen Schlagfell das große Singen an?

Um den Einfluss des Fells auf die Matt Halpern Snaredrum zu isolieren, schnappe ich mir ein reguläres Evans UV1. Das ist nur einlagig, besitzt keinen Center Dot und keine Löcher im Rand. Erwartungsgemäß entpuppt sich der klangliche Unterschied zwar als deutlich hörbar, jedoch nicht so gravierend wie die Bauweise erwarten lässt. Das UV1 klingt etwas lebendiger und crisper, auch die messingtypischen Obertöne treten klarer zutage. Der größte Unterschied ist jedoch, dass das Heavyweight Dry in allen Lagen gefühlt tiefer klingt. Wer also eine hohe Fellspannung bevorzugt, es aber nicht mag, wenn die Snaredrum entsprechend hochgepitcht klingt, liegt mit dem Heavyweight Dry genau richtig. Das UV1 klingt natürlicher nach oben hin, besitzt aber nicht den subjektiv tieferen Charakter und das straffe Spielgefühl. Ich habe euch dazu zwei Vergleichs-Soundfiles aufgenommen.  

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