Snare_Pro_Noble&Cooley_SS_Classic_Maple_Cherry
Test
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03.02.2016

Noble & Cooley SS Classic Maple und Cherry Snare Test

Snares mit dampfgebogenen Holzkesseln

Knock on Wood

Aus Kirsch- und Ahornholz sind diese beiden Trömmelchen gefertigt, die in Granville, Massachusetts, dem alt eingesessenen Stammsitz der Firma Noble & Cooley hergestellt werden. Das besondere an diesen Snare Drums ist der aus einem Stück und unter Dampf gebogene Kessel, der ihnen den Zusatz SS (Solid Shell) im Namen beschert. Bevor sich die wesentlich günstiger zu produzierenden Kessel aus Schichtholz (Plywood) etablierten, war diese Bauweise weit verbreitet. Man denke zum Beispiel an die legendären Slingerland Radio King Snares und Sets.

Bei dem Namen Noble und Cooley klingelt trotzdem nichts? Dabei zählt N & C zu den ältesten Drum Companies der Welt. Die beiden Gründer James Noble und Silas Cooley begannen ab 1854, Trommeln vorwiegend für das Militär zu bauen, übrigens schon damals mit Holzkesseln, die über heißem Dampf in Form gebogen wurden. Für viele Jahre schwenkte man dann auf die Produktion von Spielzeugtrommeln um, aber die zunehmende Konkurrenz aus dem asiatischen Raum führte schließlich zur Rückbesinnung auf das Kerngeschäft. 1983 war es soweit, unter der Firmenleitung des Ur-Ur-Ur-Urenkels von James Cooley wurde die erste dampfgebogene Solid Shell Snaredrum gebaut, übrigens auf einer Maschine, die ein Feuer in der Fabrik im Jahre 1889 überdauert hatte. Der amerikanische Drum- und Tuning-Guru Bob Gatzen hatte einen entscheidenden Einfluss auf das Design der Trommeln.

Details

Noble und Cooley Snares sind hierzulande auch beim fränkischen Musikalienhändler Thomann im Programm. Unsere Redaktion bekam insgesamt vier Trommeln zur Verfügung gestellt. Den ersten Test zu den beiden Classic Aluminium Snares gibt es ihr hier nachzulesen.

Schick und schlicht kommen sie daher

Beim ersten Sichtkontakt mit den soliden Holztrommeln fällt mir sofort die individuell gestaltete Kessel-Hardware in Form des Snare Strainers und der Spannböckchen ins Auge. Ansonsten sehen die Trommeln ohne Frage wertig aus, wirken aber im Vergleich zu anderen Luxusinstrumenten der 1000 Euro Klasse, die oftmals mit aufwendigen Holz-Inlays oder Edellackierungen daher kommen, eher schlicht. Der 14 x 7 Zoll tiefe Kessel aus Kirschenholz ist über der hübsch sichtbaren Maserung hochglanzlackiert, der blonde Maple-Kessel kommt mit einem schlichten Wachs-Finish ins Haus. Ganz klassisch fallen auch seine Maße mit 14 x 5 Zoll aus. Die Trommeln sind mit Gussreifen ausgestattet und haben längliche Messingböckchen, die im sogenannten Nodal Point Verfahren montiert sind. Diese patentierte Ein-Punkt-Verschraubung pro Böckchen orientiert sich laut Noble & Cooley am schwingungsärmsten Punkt des Kessels – ein Design, welches zumindest optisch von anderen Herstellern gern kopiert wurde, man denke zum Beispiel an die tiefen HiLite Snares von Sonor. Auch der seitlich klappbare Strainer fand viele Nachahmer. Seine mit den Firmeninitialien gravierte, weithin sichtbare Messingplatte wird zum Abspannen des Teppichs einfach nach unten geklappt. Etwas antiquiert, aber passend zum Design: Die einzelnen Teile sind mit Nieten verbunden, und für den Wechsel des Teppichs bedarf es eines Schlitzschraubendrehers. Die Trommeln sind übrigens in ihrem technischen Erscheinungsbild seit ihrer Markteinführung unverändert, sieht man von ein paar kosmetischen Design-Änderungen der Badges ab. 

Viel Holz und individuelle Raschelsaiten

Die Besonderheit der überraschend handlich gewichteten Trommeln schlummert in Form des Solid Shells eher unauffällig unter der Haube. Beide Kessel sind aus einem sechs Millimeter dicken Stück Holz unter Dampf gebogen und werden anschließend an der Nahtstelle verleimt. Zur Stabilisierung werden oben und unten im Kessel ebenfalls sechs Millimeter dicke, dampfgebogene Verstärkungsringe eingeleimt. Ein gefürchtetes Problem bei dampfgebogenen Snares und Trommeln generell: bei feuchter Lagerung können die Kessel außer Form geraten. Die Verstärkungsringe sollen zu mehr Stabilität verhelfen und dem selbsttätigen „Arbeiten“ des Holzes vorbeugen. 

Die Felle auf den Snares kommen aus dem Hause Evans, als Schlagfell ist ein G1 montiert und auf der Unterseite ein Snare Side 300. Beim Blick unter die Haube sticht die Fellauflagekante ins Auge, die ohne Gegenschnitt ganz außen am Kesselrand verläuft. Von dort senkt sich die Gratung über den Kessel und Verstärkungsring im 45 Grad Winkel nach innen. Im Gegensatz zur lackierten Außenseite bei der Kirschtrommel und zum Wachs-Finish der Maple Snare sind die Innenseiten mitsamt Gratungen beider Trommeln nur leicht geölt. Auf der Unterseite finde ich spitze Gratungen und leicht verrundete, optimal geschnittene Snarebeds. Diese verhelfen dem dreigeteilten Cam Action Teppich - einem weiteren Hausprodukt von Noble & Cooley - zu optimaler Auflage. Die gesamte Verarbeitung von Kesseln und Hardware ist perfekt und makellos.

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