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Test
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20.05.2010

NI Scarbee Vintage Keys Test

Früher war alles besser !?

Rhodes, Wurli, Clavi und Pianet waren E-Pianos, die den Sound der 60er und 70er Jahre prägten und auf den Hits von  Soul&Jazz-Künstler wie Marvin Gaye (I Heard It Through The Grapevine, Wurlitzer), Quincy Jones (Summer In The City, Rhodes) oder Stevie Wonder (Superstition, Clavinet) zu hören sind. Aber auch Bands wie die Beatles (I Am The Walrus = Pianet), Supertramp (The Logical Song, Goodbye Stranger = Wurlitzer) oder The Doors (Riders On The Storm = Wurlitzer und Rhodes) setzten die heutigen Oldtimer sehr gut in Szene. Man denke an dieser Stelle auch an die Szene mit Ray Charles im Blues Brothers Film, in der er ein Rhodes Suitcase spielt. Und sogar ein Werbesong mit einem unüberhörbaren Wurlitzer Piano wurde 1976 zum Welthit: „Jeans On“ von David Dundas! 

 

Leider wurden die urigen Originale in den 80er Jahren von ihren digitalen Nachfolgern vom Markt gedrängt. Und spätestens als Roland das Rhodes Patent kaufte und kurz darauf die Produktion des Pianos einstellte, war der Ofen endgültig aus. Der jazzig-warme, lebendige Klang schien nicht mehr recht in die nun vorherrschende Klangästhetik zu passen. Die Industrie zog mit und konzentrierte sich von nun an auf die zukunftsträchtiger erscheinende Digitaltechnik.  

 

Erst Mitte der 90er Jahre wurden Rhodes und Wurlitzer von Künstlern wie Portishead, Fugees, Beck und Jamiroquai wieder zurück ins Rampenlicht gezerrt. Die darauf folgende Lounge-Ära, angeführt von Kruder&Dorfmeister, tat ihr Übriges hinzu. Heutzutage hat sich die Welt der Popularmusik längst wieder auf die Klangqualität der guten alten Instrumente besonnen und so triff man, zumindest in jedem Tonstudio, das etwas auf sich hält, eine dieser vier Legenden wieder.  

 

Zunehmend gewinnen aber auch die digital konservierten Varianten in Form von Software Emulation bzw. Sample Library wieder an Bedeutung. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass gerade dem tourenden Musiker nicht nur die Vorteile solcher Oldtimer bekannt sein dürften: Sie sind schwer, groß und daher umständlich zu transportieren, sie reagieren auf Feuchtigkeit- und Temperatur- Schwankungen bevorzugt mit Verstimmungen, sind anfällig für Reparaturen, ihre Ersatzteile sind rar und der Preis für ein gut erhaltenes Exemplar ist längst in Sammler-Höhen geklettert.  

 

Dass „virtuelle Vintage Pianos“ und sogenannten Stage Pianos allerdings nicht zwingend das Gelbe vom Ei sein müssen, zeigt unser Artikel „Die Geschichte der E-Piano Clones“ von meinem Kollegen Xaver Fischer.

 

Der Däne Thomas Skarbye betreibt unter seiner Marke „Scarbee“ seit jeher Sampling vom Feinsten, dies dürfte unter Kennern kein Geheimnis sein. Nur der große Durchbruch ist ihm auf diesem Wege bisher nicht gelungen. Daher erscheint die Ehe mit einem breit aufgestellten Softwareboliden wie Native Instruments nur nachvollziehbar. 

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