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Test
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19.07.2018

Millenium MPS-850 E-Drum Set Test

Elektronisches Schlagzeug

Milleniums next Topmodel

Wer sich bisher im unteren Preissektor nach einem E-Drum Set umgesehen hat, kam an der Thomann-Hausmarke Millenium nicht vorbei. Features, die bis vor nicht allzu langer Zeit nur den Mittel- und Oberklasse E-Drums vorbehalten waren, wie zum Beispiel Mesh Head Pads auf allen Trommeln inklusive Bass Drum, oder auch eine Sample Import Funktion, gibt es bei Millenium auch für weniger gut betuchte Drummer, was mit dem neuen Spitzenmodell MPS-850 nachdrücklich unterstrichen werden soll.

Auch der Ausstattungsumfang kann sich sehen lassen. Für weniger als 600 Euro bietet das Millenium MPS-850 vier Tom Pads, zwei Crashes sowie ein Dreizonen-Ride. Und auch die inneren Werte machen, zumindest auf dem Papier, was her: 550 Voices, 50 Drumkits und 100 Songs versprechen klangliche Vielfalt. Aber bekanntlich ist nicht die Quantität, sondern vor allem die Authentizität der akustischen Drumsounds das entscheidende Kriterium für E-Drums, die ja vor allem eingesetzt werden, um das herkömmliche Drumkit in den eigenen vier Wänden durch eine geräuschärmere Variante zu ersetzen. Wir bei bonedo haben uns im folgenden Test intensiv mit dem MPS-850 beschäftigt.

Details

Ein schwarzes Aluminiumrack mit Kunststoffschellen bildet die Basis

Das schwarze, recht ausladende Rack des Millenium MPS-850 steht sicher auf seinen vier Gummifüßen und ist mit den üblichen Kunststoffklemmen sowie verchromten Beckenarmen und L-Stücken zur Aufnahme der Drum Pads bestückt. Flexible Einstellmöglichkeiten der Komponenten sind gewährleistet, und sofern die Kunststoffschellen ordentlich angezogen sind, hält auch alles so wie es soll. Für die Verbindung der Rack-Teile wird ein Stimmschlüssel benötigt, der selbstverständlich im Lieferumfang enthalten ist. Auch eine Hi-Hat-Maschine einfacher Machart sowie eine Fußmaschine und ein Paar Drumsticks sind dabei, sodass nur noch der Hocker fehlt, bevor man loslegen kann.

Alle sechs Trommel-Pads sind mit Mesh Heads bestückt

Mit vier Tom Pads, zwei davon mit acht Zoll und zwei mit zehn Zoll Durchmesser, sowie zwei Crash-Becken und einem Ride ist das MPS-850 vergleichsweise umfangreich ausgestattet. Um ein geräuscharmes Spielen und ein realistisches Spielgefühl zu ermöglichen, sind alle Drum Pads inklusive Bass Drum mit Mesh Heads ausgestattet. Es handelt sich hierbei um einlagige Varianten, die qualitativ nicht mit den doppellagigen Mesh Heads, wie sie beispielsweise Roland verwendet, mithalten können, aber dennoch ein natürlicheres Spielgefühl bieten als Gummi-Pads. Mittels des mitgelieferten Stimmschlüssels können sie zudem in der Spannung an die persönlichen Präferenzen angepasst werden.

Die Gummi-Spielflächen der Becken-Pads sowie der Hi-Hat bedecken knapp die Hälfte der Gesamtfläche und sind, in optischer Anlehnung an reale Becken, mit Rillen versehen, die hier natürlich keinerlei Effekt haben. Mit 12 Zoll Durchmesser lassen sich Crashes und Hi-Hat, jeweils mit zwei Triggerzonen versehen, angenehm spielen, und auch das ebenfalls 12 Zoll große Dreizonen-Ride erfordert aufgrund der deutlich größeren Kuppe keine große Umgewöhnung gegenüber einem herkömmlichen Ride. Vom Prinzip her ähnelt die Hi-Hat mit ihrer Kombination aus Pad und darunter befindlichem Sensor, beides zur Befestigung auf einem herkömmlichen Hi-Hat Stativ vorgesehen, den professionellen Modellen der etablierten Hersteller. Die Sensoreinheit verfügt über eine eigene Stromversorgung, die in diesem Fall per Adapter vom Haupt-Stromkabel des Moduls abgezweigt wird.

Über sechs Fader am Modul sind spontan individuelle Lautstärkeanpassungen möglich

Am Modul des MPS-850 fällt zunächst der linke Teil mit den sechs Lautstärkereglern für die verschiedenen Instrumentenkanäle auf. Alternativ können drei der Fader auch zur Anpassung der Pegel von Song, Begleitung und Click verwendet werden. Über den Fadern sind drei Potis für Master Volume, Aux In und Kopfhörerlautstärke angeordnet. Im mittleren Bereich finden wir die Tasten zum Auswählen der Funktionen „Song“, „Kit“ und „Menu“, die Steuerungstasten der Aufnahme- und Song-Wiedergabefunktion, den Button zur Tempoeingabe, die Up/Down-Navigationstasten sowie Enter, Exit und Save. Ganz rechts verbleiben noch das Dateneingaberad sowie die Rechts/Links-Cursortasten. Im oberen Drittel der Modul-Oberfläche ist mittig das blau beleuchtete Display platziert.

Bis auf den Multipin-Pad-Anschluss auf der Unterseite sind sämtliche sonstigen Buchsen und Anschlüsse des MPS-850 auf der Rückseite untergebracht. Dazu gehören zwei externe Trigger-Eingänge, die bereits durch das vierte Tom sowie das zweite Crash-Becken belegt werden, die MIDI In und Out Buchsen, der Aux-Eingang in Miniklinken-Ausführung, die Hauptausgänge und der Kopfhörerausgang als 6,3 mm Klinkenbuchsen, der Netzteilanschluss sowie zu guter Letzt die USB-Anschlüsse, einer davon zum Einstecken eines USB Sticks, der andere als USB/MIDI-Buchse zur Verbindung mit dem Rechner. 

Zahlreiche Sounds und 20 Kit-Speicherplätze laden zum Erstellen eigener Kits ein

Satte 550 Sounds bzw. Voices haben die Entwickler dem MPS-850 spendiert, darunter sowohl akustische als auch elektronische Kicks, Snares, Toms, Becken und Hi-Hats sowie Percussion und Effektsounds. Zur klanglichen Editierung stehen die Parameter Pitch (Tonhöhe, veränderbar über +/- 8 Halbtöne), Reverb (Hall) und Decay (Tonlänge) zur Verfügung. Neben 30 vorprogrammierten und unveränderbaren Kits gibt es 20 Speicherplätze für frei belegbare User Kits. Auf der Kit-Ebene gibt es, zusätzlich zu den Klangbearbeitungsmöglichkeiten der Voices, noch einen Dreiband-Equalizer. Von den internen 100 Songs sind 40 eigentlich keine „echten“ Begleitsongs, sondern kurze Sequenzen, Patterns oder Loops, die man, ähnlich wie die Voices, einzelnen Pads zuweisen kann. Die Zahl der internen User Songs ist auf zwei begrenzt.

Herausragendes Merkmal ist die Sample Import Funktion

Als Besonderheit in Anbetracht des Preises von knapp 600 Euro ist es zu werten, dass es mit dem MPS-850 Modul möglich ist, eigene Samples zu importieren. Unter den Konkurrenzprodukten bietet bisher lediglich das Alesis Forge Kit für 550 Euro diese Möglichkeit, allerdings ist es im Gegensatz zum Millenium nicht mit Mesh Heads ausgestattet und zudem nur mit drei Toms und zwei Becken bestückt. Der Import der Samples erfolgt über USB-Stick, wobei der Gesamtspeicherplatz auf 15 Megabyte begrenzt ist. Laut Bedienungsanleitung müssen zu importierende Samples als .wav-Dateien in Stereo und mit 16 bit Auflösung sowie maximal 48 kHz Datenrate vorliegen. Ein Löschen einzelner User Samples ist übrigens nicht möglich, sie können in den Reset- Einstellungen nur komplett gelöscht werden.

Über den eingesteckten USB-Stick können auch externe Songs, wahlweise als .wav- oder mp3-Dateien, abgespielt werden. Ebenso kann das eigene Spiel als User Song direkt auf den USB-Stick aufgenommen werden, und auch die Möglichkeit, User Kits auf dem USB-Stick zu speichern, ist gegeben.

Übungsfunktionen hat das MPS-850 nicht an Bord, dafür ist der Click recht vielfältig verwendbar. Es kann definiert werden, ob er an allen Ausgängen oder nur am Kopfhörerausgang anliegt, sodass im Zusammenspiel mit anderen Musikern der Click nur für den Drummer hörbar ist. Verschiedene binäre und ternäre Click-Intervalle sind möglich, zudem kann zwischen sechs unterschiedlichen, allesamt brauchbaren, Clicksounds, inklusive einer menschlichen Stimme (One-two-three-four…) gewählt werden.

Über die USB/MIDI-Buchse oder den MIDI Out kann das MPS-850 MIDI-Daten ausgeben, mit denen zum Beispiel externe Sound-Datenbanken im Rechner, Synthesizer oder in sonstigen Soundmodulen angesteuert werden können. Umgekehrt können beispielsweise von einem MIDI Drum Controller aus oder über ein Master-Keyboard auch die internen Voices des MPS-850 getriggert werden. Im globalen Menu können die Trigger Settings der einzelnen Pads, also Empfindlichkeit, Schwellenwerte und Übersprechungsverhalten zwischen den Pads sowie die Dynamikkurven – sechs verschiedene stehen zur Auswahl – eingestellt werden.

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