Test
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16.10.2020

Praxis

Die Hi-Hat spielt sich besser als beim Vorgänger

Das Rack des MPS750X ist sehr stabil und dank der Verwendung von Aluminium und Kunststoffmaterialien dennoch erstaunlich leicht. Allerdings habe ich beim Zusammenbau Schwierigkeiten, die Kunststoffschellen über die Rohre zu schieben, da letztere am Rand scharfkantig sind und die Schellen beim Aufstecken etwas auseinander gedrückt werden müssen. Das kostet Zeit und Nerven, geht aber immerhin ohne Schnittverletzungen vonstatten. Nachdem alles steht und verkabelt ist, spiele ich mich durch die 20 Preset Kits und stelle erfreut fest, dass die Hi-Hat deutlich dynamischer reagiert als es beim Vorgänger MPS-750 der Fall war, wo es beispielsweise keinen halboffenen Sound gab. Dieser ist jetzt vorhanden, was sich in einem natürlicheren Klangverlauf bemerkbar macht. Das Modul unterscheidet beim Hi-Hat-Kanal übrigens zwischen fünf Zonen, die theoretisch mit beliebigen Sounds belegt werden können: Pedal Chick, Pedal Splash, HH Closed, HH Half Open und HH Open. Ordnet man beispielsweise dem Pedal Chick einen Bassdrumsound zu, sind auch Doublebass-Patterns möglich (was in den Preset Kits ausgespart wird). Das Bassdrum Pad reagiert sehr sensibel… für mich etwas zu sensibel, wodurch anfangs zeitweise Doppeltrigger auftreten. Die einfache Lösung besteht darin, im Setup-Menü den Sensitivity-Wert für das Kickpad etwas zu verringern. Ansonsten gibt es bezüglich des Ansprechverhalten der Mesh Head Pads nichts zu meckern, und auch die relativ schweren Cymbal Pads spielen sich angenehm mit einem guten Rebound.

Sounds o.k., aber recht eindimensional

Aber wie klingt das Millenium MPS-750X denn jetzt? Eines wird jedenfalls sofort deutlich: Gegenüber dem Vorgänger hat sich einiges getan. Obwohl das Modul sich äußerlich nicht verändert hat, hat man bei den Sounds definitiv eine Schippe draufgelegt. Alles klingt etwas natürlicher und auch dynamischer, wobei dennoch zu spüren ist, dass die Sounds teilweise nicht komplex genug sind, um einen wirklich authentischen Eindruck zu vermitteln. Der Hauptgrund hierfür ist, dass maximal zwei verschiedene Samples pro Sound verwendet werden, in vielen Fällen sogar nur ein einziges, wodurch der Klangverlauf bei unterschiedlichen Anschlagstärken – abgesehen von der Lautstärke – wenig bis überhaupt nicht variabel ist. Im Vergleich zum „kleinen Bruder“ MPS-450 liegen die Sounds insgesamt auf einem ähnlichen Niveau, allerdings gefallen mir einige Kits des MPS-750X, beispielsweise das Brush Kit oder das Bluebay Kit, gemessen am Preis wirklich sehr gut. Das Snarepad kann drei verschiedene Sounds erzeugen, einen auf der Fellfläche und zwei weitere, den Rimclick und Rimshot, am Rand. Leise Anschläge lösen den Rimclick- und lautere den Rimshotsound aus. Die Ränder der Toms sind teilweise mit Alternativsounds wie zum Beispiel Congas belegt, können aber in den User Kits mit beliebigen Klängen bestückt werden. Beim Crashpad gibt es meist zwei unterschiedliche Beckensounds am Rand und auf der Fläche, wobei ein Verlauf zwischen beiden nicht möglich ist. Letzteres gilt auch für die drei Triggerzonen (Rand, Fläche, Kuppe) des Ridepads. Hier folgen nun einige Klangbeispiele von Kits und Einzelinstrumenten:

Noch mehr Kits gibt es im folgenden Video zu hören:

Begrenzte Dynamik, mäßiger Latenzwert

Zur Frage, wie fein das Modul den Dynamikverlauf auflöst, seht ihr im Folgenden eine Grafik, die oben eine Reihe von lauter werdenden Schlägen, aufgenommen mit einem Mikro vor dem Snarepad, zeigt und darunter das, was das Modul draus macht. Wie häufig bei E-Drumkits der unteren Preisklasse zu beobachten, fällt auch hier auf, dass ab einer mittleren Anschlagintensität das Modul alle Schläge gleich laut interpretiert. Das ist der grundlegende Unterschied zum Akustik-Drumset, wo auch im oberen Dynamikbereich immer noch eine Steigerung möglich ist.

Eine zweite Grafik zeigt die Latenz an, welches die Zeitspanne ist, die zwischen Anschlag und ausgegebenem Sound vergeht. Die besten Module schaffen hier drei bis vier Millisekunden, ein Wert, den man beim Spielen nicht spürt. Zehn Millisekunden lautet der Wert für das MPS-750X, das ist gerade noch akzeptabel.

Die 55 Play-Along Songs erfüllen ihren Zweck

Das Aufnehmen eigener Grooves gestaltet sich unkompliziert, aber ein Nachteil ist es, dass Aufnahmen erst nach der Zuweisung zu einem Speicherplatz angehört werden können. Das bedeutet in der Praxis, dass man, wenn man im Kit-Modus eine Drumspur ohne Begleitung aufnehmen will, nach dem Speichern in den Pattern-Modus wechseln muss, um diese anzuhören – und dann womöglich festzustellen, dass sie nicht gut klingt und ersetzt werden soll. Sinnvoller wäre auf jeden Fall eine Möglichkeit gewesen, die Aufnahme vor dem Speichern zu kontrollieren.

Im Folgenden könnt ihr einen Zusammenschnitt der ersten zehn Play-Along Songs hören, die sich vom MPS-750 kaum unterscheiden und bei mir keine wirkliche Begeisterung aufkommen lassen. Zum Üben erfüllen sie aber ihren Zweck.

Verwirrung in der Effektabteilung 

Rätsel geben die globalen Effekteinstellungen auf. Während der Vierband-Equalizer seinen Job klaglos erfüllt und die sechs Hallprogramme, wenngleich sie im Großen und Ganzen recht ähnlich klingen, ebenfalls funktionieren, zeigt der Kompressor so gut wie keine Wirkung, und die beiden – in der Anleitung übrigens nicht erwähnten – Parameter Attack Time und Release Time sind offenbar komplett funktionslos (dasselbe Phänomen trat bereits beim MPS-750 auf). Letzteres gilt auch für den Distortion-Effekt, dessen Aktivierung nichts anderes als ein augenblickliches Verstummen des Moduls zur Folge hat. Glücklicherweise geht dies nicht mit einem Absturz einher (wie es beim Vorgängermodell vorkam), die Deaktivierung macht den Sound wieder hörbar. 

Die Fadersektion ermöglicht es zwar, die Lautstärken einzelner Kanäle auf die Schnelle zu verändern, allerdings bleiben diese Veränderungen auch bestehen, wenn man in ein anderes Kit wechselt, das heißt dass dieses dann nicht in der Default-Einstellung zu hören ist. Um zur Grundeinstellung zurück zu gelangen, müsste das Modul aus- und wieder eingeschaltet werden, was natürlich nicht Sinn der Sache ist. Daher rate ich – wie ich es auch schon beim Vorgängermodell getan habe – dazu, die Lautstärken lieber sorgfältig anzupassen und zu speichern, damit die Fader hierfür gar nicht mehr benutzt werden müssen. Allerdings erfüllen sie für die Steuerung des Halls und des Equalizers sowie von MIDI-Parametern durchaus ihren Zweck. 

Die Bluetooth-Verbindung zum iPhone klappt reibungslos, und auch mit Android-Geräten gibt es keine Probleme. So kann ohne Verkabelung oder sonstigen Aufwand direkt zur Musik vom Handy getrommelt werden. Und auch die Anbindung an mein Macbook Pro per USB funktioniert planmäßig. Ohne weitere Einstellungen kann das Modul die Sounds in der DAW des Rechners ansteuern. Aufgrund der Möglichkeit, die MIDI-Noten, die durch die verschiedenen Pads angesprochen werden, frei zu bestimmen, ergibt sich eine hohe Flexibilität. Wie es klingt, wenn ein Kit aus Garage Band vom MPS-750X getriggert wird, könnt ihr im folgenden Soundfile hören: 

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