Test
2
07.07.2017

Mäag Audio EQ4 Test

Equalizer für API Series 500

EQ von Cliff Maag

Mit dem EQ4 bringt der amerikanische Hersteller mit dem aparten Umlaut im Namen einen EQ-Klassiker in die 500-Welt, welcher Kenner bereits seit den frühen 90er-Jahren begleitet. Cliff Maag Sr., seinen Zeichens Audio-Engineer mit satter Berufserfahrung, zeichnete vor fast 25 Jahren für das Design des NTI EQ3 verantwortlich, ein Stereo-EQ mit der etwas pompösen Bezeichnung „High Definition Audio Sound Enhancement System“. Diese unterstrich schon damals den kompromisslosen Ansatz, der hier verfolgt werden sollte.

Heute führt Maag die Firma „Mäag“ unter anderem in Zusammenarbeit mit seinen beiden Söhnen. Zu der kleinen aber feinen Produktpalette gehört auch eine Neuauflage des Klassikers aus den frühen Jahren. Der EQ4 bringt die Funktionalität und die Idee des Urgesteins, das ursprünglich als 19“-Einheit mit 2 HE daherkam, in APIs 500-Standard, wobei für das originale Zweikanal-Layout natürlich zwei EQ4-Kassetten erforderlich sind. Der EQ4 beschreitet wie sein Vorläufer einen recht wenig ausgetretenen Pfad im Dschungel der Entzerrer-Designs, und, soviel sei schon vorweggenommen, er bietet mit seinem „Air Band“ ein Feature, das von vielen Anwendern heiß und innig geliebt wird.  

Details

Eine Slotbreite, sechs Bänder

Mit einer Slotbreite und offener Bauform macht der EQ4 hardwaremäßig einen schlanken Fuß. Dies kann man vom Layout des Filter-Setups aber nicht behaupten, bietet es doch nicht weniger als 6 Bänder in einer mehr als ungewöhnlichen Zusammenstellung. In der Mitte liegen drei Peaking-Bänder mit festen Frequenzen bei 40, 160 sowie 640 Hz, darüber noch ein Shelving-Band bei 2,5 kHz. Das deckt bereits wichtige Bereiche ab, nämlich die Grundtöne von Bass bzw. Bassdrum, die oberen Bässe, Mitten, sowie hören Mitten samt Höhen (aufgrund der Shelving-Charakteristik). Dazu gesellen sich jedoch noch zwei Außenbänder mit interessanten Eigenschaften. Zunächst bietet der EQ4 ein Sub-Band, das in Peaking-Charakteristik bei 10 Hz (oha...!) greift, sowie das mittlerweile legendäre Air-Band, welches als variables Shelving-Filter mit den Ansatzfrequenzen 2,5, 5, 10, 20 sowie 40 kHz aufwarten kann.

Alle Bänder mit Ausnahme des Air-Bandes bieten eine maximale Anhebung von 15 dB sowie eine Absenkung von bis zu 5 dB. Diese asymmetrische Auslegung weist uns bereits den Weg, worum es hier klanglich gehen soll: Sweetening, also im Zweifelsfall das Hereindrehen bestimmter Frequenzanteile zur klanglichen Verfeinerung. So bietet das Air Band auch ausschließlich einen Boost von bis zu 15 dB, Absenkungen sind hier nicht vorgesehen. Nun kann man sich über die 40 kHz wundern, aber der Trick ist ganz einfach: Als sehr breites und sanftes Shelvingfilter arbeitet das Band auch bei dieser Eckfrequenz bereits in deutlich tieferen – und auch noch von Menschen wahrnembaren – Bereichen, nur eben mit einem extrem sanften Lift der obersten Frequenzen. Dazu passt auch die technische Abstimmung des EQs, welche auf eine möglichst geringe Antastung des Phasenganges setzt, mit dem Ziel einer besonders natürlich klingenden Bearbeitung. Neben diesen klanggestaltenden Bedienelementen finden wir auf der babyblauen Frontplatte noch den Bypass-Schalter samt Status-LED, sowie jeweils zwei LEDs. Eine leuchtet auf, wenn Signal anliegt, die ander, wenn der Ausgang +23 dBu erreicht und damit gefährlich weit an die Clipping-Grenze herangefahren wird. Diese liegt jedoch mit +27 dBu nah am Maximum dessen, was der 500-Standard auch seitens der Netzteilspezifikationen hergibt. Den Frequenzgang gibt der Hersteller mit 10 Hz bis 75 kHz (-2 dB) an, was ebenfalls den Anspruch einer möglichst sauberen Wiedergabe untermauert. Solche Werte erreicht man tendenziell am besten mit übertragerlosen Audiowegen, und genau das ist beim EQ4 auch der Fall. Ansonsten wurde die Kassette mit hochwertigen Bauteilen gefertigt, darunter Grayhill-Drehschalter sowie WIMA-Kondensatoren.  


OP-Amps: 5534

 

Verstärkerseitig setzen die Audiowege auf integrierte OP-Amps des Typs 5534. Das ist solider Standard der 80er und 90er, der beispielsweise auch bei Herstellern wie Trident oft zum Einsatz kam. Fertigungstechnisch gibt sich der Mäag keine Blöße. Das halboffene 500-Modul wirkt wertig und robust, und seine smartiebunte Farbgebung setzt sich wohltuend vom seriösen blauschwarzen 500-Grundton ab: Der EQ4 ist trotz seines prinzipbedingt unscheinbaren Formats ein echter Hingucker.

 

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare