Test
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31.10.2020

Ludwig 13x3 Piccolo Snaredrum Test

Holzkessel-Snaredrum

Kleine Snare ziemlich groß

Dass die amerikanische Traditionsfirma Ludwig auch für Piccolo-Snaredrums der Größe 13"x3" bekannt ist, geht manchmal in der Flut der Supraphonics, Black Beauties und Classic Maples unter. Wobei, so ganz korrekt ist der Satz nicht, denn von den Bezeichnungen her waren die kleinen Flundern meistens in die Ludwig-Nomenklatur integriert. Die Tradition beginnt allerdings noch viel früher, so wurde das 13x3 „Be-Bop“ Modell schon in den 1950er Jahren vorgestellt.  

Unser heutiges Testmodell muss auf klangvolle Bezeichnungen jedoch verzichten, auch den früheren Seriennamen „Rocker Elite“ trägt sie nicht mehr. Sie heißt also heute einfach nur noch 13x3 Piccolo Snaredrum und gehört zur Budget-Linie im Ludwig Snareportfolio. Für knappe 160 Euro ist sie allerdings gut ausgestattet und kommt mit Innendämpfer und Markenschlagfell. Wie das Instrument verarbeitet ist und wie es klingt, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details & Praxis

Der Kessel besteht aus einer Ahorn/Linde-Mischung

Sehen wir uns zunächst den Kessel des Instruments an. Der besteht aus einer Ahorn-Linde-Mischung, wobei weder die exakte Anzahl der Lagen noch das Verhältnis beider Hölzer eindeutig auszumachen ist. Ludwig selbst hält sich hier ebenfalls zurück, die Trommel ist auch nicht auf der Ludwig-Website gelistet. Nach meiner Inspektion komme ich auf etwa sieben Lagen, die innere und die beiden äußeren bestehen offensichtlich aus (chinesischem) Ahorn, dazwischen liegen vier Lagen Linde. Die Kesselstärke beträgt sechs Millimeter. Anders als bei den Classic Maple Piccolos, deren Kessel in den USA hergestellt werden, handelt es sich hier um ein Fernost-Produkt. Auf der Außenseite wurde eine klare Hochglanzlackierung aufgetragen, im Inneren geht es matt zu. 45 Grad betragen die Kesselabschrägungen, ein deutlich sichtbares Snarebed soll exzessives Nachrascheln unterbinden. Die Verarbeitung würde ich für ein Instrument dieser Preisklasse als gut bezeichnen. 

Eine praktische Zutat: der Innendämpfer

Wie bei allen anderen Ludwig Piccolo Snaredrums der letzten Jahrzehnte kommen auch beim Testmodell die eckigen, Toaster-förmigen Böckchen zum Einsatz, acht sind es an der Zahl. Damit sich die Stimmschrauben im Böckchengehäuse nicht begegnen, sind sie recht kurz gehalten. Wenig Aufregendes gibt es auch zu den Spannreifen zu schreiben, hier handelt es sich um 2,3 Millimeter starke Standardware aus geflanschtem Stahl. Eine einfache Abhebevorrichtung mit verkürztem Schlitten bewegt den ebenso schlichten, 20-spiraligen Snareteppich. Auf der Butt-End-Seite wird dieser von einer von innen mit dem Kessel verschraubten Blechkonstruktion gehalten. Das einzig ungewöhnliche Ausstattungsdetail bleibt damit der Innendämpfer, welcher ganz klassisch arbeitet und einen runden Filzteller an das Schlagfell drückt. Apropos Schlagfell: Hierbei handelt es sich um ein einlagiges weißes Evans aus der Fernost-Serie Uno. Das Resonanzfell zeigt keine Bezeichnung.

Hohe und mittelhohe Stimmungen

Insgesamt gehört die Ludwig Piccolo zu den eher trocken klingenden Snaredrums, was auch durch die verkleinerte Fellfläche begünstigt wird. Sehr harte Schläge quittiert sie mit einer – für diese Dimension typischen – leichten Modulation in der Tonalität. Wie erwartet, geht es bei der kompakten Trommel nicht groß und fett zu, ihre Stärken liegen in den höheren Registern. Zieht man die Stimmschrauben sehr hoch, erhält man funkige, artikulierte Sounds mit recht hohem Fellanteil und guter Kontrollierbarkeit. Der komprimierte Charakter passt so natürlich bestens in Loop-inspirierte Kontexte à la HipHop, Drum'n'Bass und New Jazz. 

In tieferen Stimmungen hilft der eingebaute Dämpfer

Wer glaubt, dass so eine kleine Snare nicht für mittlere und tiefere Stimmungen taugen kann, sieht sich getäuscht. Speziell in mikrofonierten Situationen zeigt die „Kleine“, dass sie durchaus die nötigen Tiefmittenanteile besitzt, um zumindest die Illusion eines größeren Modells zu erzeugen. Der Kesselton ist sauber, auch die Ansprache ist noch als okay zu bezeichnen. Ich möchte allerdings nicht verheimlichen, dass der billige Teppich die Möglichkeiten der Snaredrum einschränkt. Auch Freunde von Timbale-artigen Sounds werden nicht unbedingt glücklich, denn der kurze Hub der Abhebung lässt den Teppich auch im abgeschalteten Zustand immer deutlich hörbar mitrascheln. Dies ist jedoch ein Problem von vielen Abhebungen dieser Bauart. Sehr praktisch ist der eingebaute Dämpfer. Gerade bei tieferen Stimmungen lässt sich der Ausklang gut begrenzen. Die Ergebnisse habe ich euch im Video demonstriert.  

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