Test
2
15.07.2020

Lewitt Interviewer Test

Reportagemikrofon mit Kugelcharakteristik

Jungreporter

Lewitt hat sich vom Newbie zum bekannten Mikrofonhersteller gemausert. Mit dem Lewitt Interviewer ist nun ein klassisches Reportagemikrofon für Interviewsituationen erhältlich. Klassisch, weil es einen langen Griff zum bequemen Schwenken besitzt, klassisch, weil es ein dynamisches Mikrofon ist und klassisch, weil es mit einer Kugelcharakteristik arbeitet.

Details und Praxis

Mit 27 Zentimetern besitzt das Lewitt Interviewer typische Reportagemikrofon-Länge. Sein ausladender Kopf (Durchmesser 3,6 Zentimeter) trägt unübersehbar Lewitt-Emblem und -Logo, auf dem Metallschaft ist das Wort „Interviewer“ eingraviert. Wie üblich bei derartigen Mikrofonen, ist der Schaft mit 2,2 Zentimetern kaum dicker als die in ihm eingesetzte XLR-Buchse. Mit 250 Gramm ist das Mikrofon weder zu leicht und „spielzeugig“, noch zu schwer für mehrstündige EB-Einsätze.

Die Oberseite des Kopfes ist abschraubbar und gibt zu erkennen, wie das Mikrofon vor Geräuschen geschützt wird: Unter dem oberen Gitter mit Lewitts typischem Hexagonalmuster befindet sich ein Plättchen feiner Gaze, über die eigentliche Omni-Tauchspulenkapsel ist ein Schaumstoffhütchen gestülpt. Zwar ist die Entwicklung des Lewitt Interviewer vor Coronazeiten geschehen, doch erlaubt diese Konstruktion eine einfache Reinigung des Mikrofons. Das ist bei vielen Reportagemikrofonen deutlich anders, daher hat das Lewitt hier quasi zufällig einen Pluspunkt eingeheimst.

Über die genauen Eigenschaften der Kugelcharakteristik ist in den verfügbaren Unterlagen nichts weiter zu erfahren, wohl aber, dass das Lewitt Interviewer bei einer Impedanz von 235 Ohm 1,33 mV/Pa ausgibt. Dass Lewitt auf die Angabe des grafischen und selbst des numerischen Frequenzgangs verzichtet, ist im Grunde durchaus konsequent: Es gibt Mikrofone mit sehr schmalbandigen und zackigen Frequenzgängen, die besonders bei Stimmen hervorragend klingen.

Zwar ist Lewitt eine Firma im schönen Wiener Neubauviertel, das Interviewer wird aber in China hergestellt. Wie oft bei Produkten, die in Fernost gefertigt werden, ist der Lieferumfang hoch: Neben dem eigentlichen Mikrofon sind ein Windschutzaufsatz, ein Plastikquader für die Senderkennung, eine gefütterte Kunstledertasche und ein Adapter von XLR auf Miniklinke mit von der Partie, damit das Interviewer direkt an Kamera-Mikrofoneingänge angeschlossen werden kann.

Preislich liegt das Lewitt Interviewer gleichauf mit einem Sennheiser MD42 oder einem Audio-Technica AT8010, über dem Rode Reporter und in dem Bereich, in dem sich die meisten derartigen Mikrofone von Shure bewegen.

Das Reportagemikrofon ist natürlich eine Neuentwicklung und das hört man auch. Für ein Tauchspulenmikrofon schnell und detailliert, klar und konkret. Das Rode Reporter klingt im Gegenzug etwas breiter, besonders in den Hochmitten. Mit dem Lewitt erhält man ein Signal, welches sich vor allem durch Durchsetzungsfähigkeit und Sprachverständlichkeit profilieren kann. Spitz oder scharf wird das Mikrofon dabei kaum, maximal etwas zu präsent oder minimal metallisch.

Aufgrund der Kugelcharakteristik bricht der Pegel bei seitlicher Besprechung nicht ein, die Höhendämpfung dürfte gerne geringer ausfallen: Axial besprochen ist es deutlich frischer als viele andere Reportagemikrofone, allerdings fände ich es hilfreicher, wenn man stattdessen in Interviewsituationen auch einmal zu sehr schwenken und sich dabei einen Fehler erlauben dürfte, als sich dadurch eine wahrnehmbare Höhenänderung einzuhandeln. Für Personen mit einer entsprechenden Konzentration beim Schwenken oder Disziplin, was die Einhaltung einer starren Poistion angeht, ist das aber unproblematisch. Auch finde ich, dass das Lewitt Interviewer bei eher kleinen (oder genauer: bei Interviews oft zu kleinen) Abständen etwas vollständiger und schlicht „besser“ klingt. Die Körperschalldämpfung ist insgesamt sehr gut, Handgeräusche sind nicht zu vernehmen. Das Klappern auf der Aufnahme geschieht durch Kabel und Fingerring.

Fazit

Lewitt Interviewer, das Reportagemikrofon von Lewitt, ist ein gelungenes Mikrofon seiner Gattung. Sprache wird mit hoher Verständlichkeit, Durchsetzungsfähigkeit und Klarheit wiedergegeben, das Mikro ist ordentlich verarbeitet und kann mit praktischem Zubehör punkten. Preislich liegt es allerdings gleichauf mit vielen anderen Mikrofonen namhafter Hersteller – oder sogar darüber.

  • Pro
  • detailliertes Klangbild
  • gute Sprachverständlichkeit
  • gut zu reinigen
  • Adapter und Senderkennung im Lieferumfang
  • Contra
  • -
  • Features und Spezifikationen
  • Wandlerprinzip: dynamisch (Tauchspule)
  • Empfängerprinzip: Kugel
  • Impedanz: 235 Ohm
  • Empfindlichkeit: 1,33 mV/Pa
  • Maße: 270 x 36 (LxD in mm)
  • Zubehör: Senderkennung, Windschutz, Schutztasche, Adapter XLR-Miniklinke
  • Preis: € 194,– (Straßenpreis am 21.7.2020)

Auspackbilder findest du hier ->

Lewitt Interviewer

Verwandte Artikel

User Kommentare