Hersteller_Korg
Test
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26.01.2016

Praxis

Kurz nach dem Einschalten zeigt das kleine Display einen Tuning-Vorgang an, der minilogue kalibriert sich zunächst selbst und ist dann spielbereit. Gleich beim Spielen der ersten Noten fällt die Oszilloskop-Funktion des Displays auf: Drückt man eine Taste, so wird die jeweilig erklingende Schwingungsform im Display grafisch dargestellt. Ich klicke mich durchs globale Menü und wähle testweise eine andere Display-Einstellung, in der nun neben der Schwingung auch immer der aktuell bearbeitete Parameterwert angezeigt wird. Wer’s für ein überflüssiges Gimmick hält: die Oszilloskop-Funktion kann man auch abschalten.

Der minilogue macht insgesamt einen soliden, schicken Eindruck. Sein metallisch-silbriges Äußeres hat mich beim Auspacken spontan an ein aufgemotztes Spielzeug erinnert, seine inneren Werte haben mich jedoch im Laufe dieses Test mehr als überzeugt. Wenn man sich schon etwas mit Synthesizern bzw. mit der subtraktiven Synthese beschäftigt hat, sind die ersten Schritte ein Selbstgänger. Die Oberfläche des Synthesizers ist übersichtlich gestaltet und da die meisten Armaturen nur eine Funktion haben, verliert man beim Sounds basteln selten den Faden. Die Tasten des Keyboards sind zwar klein und zugegebenermaßen nicht so meine Tasse Tee, aber man kann damit aber auf jeden Fall Musik machen. Die Potis und Encoder haben einen angenehmen Widerstand und fühlen sich, genau so wie Hebelchen und Druckknöpfe, hochwertig und bombenfest verankert an. Da die Drehregler jedoch komplett schwarz sind und nur über eine kleine Kerbe verfügen, die ihre Stellung anzeigt, kann man ihre Positionen nur bei guter Beleuchtung ablesen.

Sound

Auffällig ist, dass man aus dem Korg minilogue kaum einen schlechten Klang heraus bekommt. Das Tiefpassfilter klingt warm und und tendenziell rau, das Delay macht einen tollen Job und verleiht den Sounds noch mehr Lebendigkeit oder Räumlichkeit. Die Hüllkurven sind schnell genug, um auch perkussive Klänge zu erstellen. Crossmod, Ring und Sync erweitern die Klangpalette um metallisch und androgyn klingende Sounds.

Dank der acht vielseitigen Voice Modes nimmt meine Entdeckungsreise aber noch die ein oder andere erfreuliche Wendung. Ich klicke mich von invertierten Akkorden im Poly Mode über dicke Bässe und seifige Leads im Duo- oder Unison-Mode bis hin zu Arpeggiator und Sequencer. Letztere bieten alles, was man braucht, um schnell zu musikalisch guten Ergebnissen in elektronischen Genres zu kommen. Synchronisation zu einer externen MIDI Clock ist genau so möglich wie das umgekehrte Prozedere, in dem der minilogue der Master ist.

Schwächen

Kommen wir zu den wenigen Schwachpunkten. Warum auf einen Anschluss für ein Sustainpedal verzichtet wurde, verstehe ich nicht. Bei einem Synthesizer ist es sicherlich nicht so essenziell wie bei einem Piano, aber auch bei nur vier Stimmen kann ein Haltepedal in Live-Situationen eine dankbare Spielhilfe sein, wenn man „alle Hände voll zu tun hat“. Wer es dringend benötigt, kann sich ein MIDI-Sustainpedal anfertigen lassen, wie es der Kollege Xaver Fischer in seinem Workshop zum microKORG XL Tuning beschrieben hat.

Auch ist ein leises Grundrauschen zu vernehmen, wenn man die Ohren spitzt. Besonders bei beherztem Einsatz des Hochpassfilters ist es mir aufgefallen. Das Rauschen ist aber alles andere als dramatisch und in einem musikalischen Kontext nicht weiter hörbar. Aber wir wollen ja nichts unterschlagen hier. Anders betrachtet: gehören leise Störgeräusche nicht auch zum vielbeschworenen Analogsound dazu?

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