Bass
Test
7
06.12.2017

Praxis

Die 3,9 Kilogramm Lebendgewicht des Severn sind sehr gut verteilt. Den größeren Teil davon macht der Korpus aus - der Hals ist auch dank Gotoh-Tuner deutlich leichter. Die angenehme Folge davon ist, dass der Bass zu keinerlei Kopflastigkeit neigt. Im Sitzen kann man ihn bedenkenlos freihändig auf dem Oberschenkel thronen lassen und dabei Brotzeit machen - der Severn verharrt stur und regungslos in seiner Position. Das findet man selten bei einer Jazz-Bass-artigen Konstruktion!

Einen kleinen Beitrag dazu leistet sicher auch die Aussparung für den Oberschenkel. Sie fällt im Vergleich zum Original größer aus und bietet so noch mehr Halt. Im Stehen zeigt sich das gleiche Bild. Kaum umgehängt, pendelt er sich in eine angenehme Spielposition ein, ohne dass man per Hand nachhelfen muss. Ausgewogen hängt er an der Schulter und nichts zieht oder zerrt. Wie schon erwähnt, sind alle Bünde dank gerundetem Hals-Korpus-Übergang und großzügigem Cutaway problemlos erreichbar.

Ansonsten fühlt sich alles sehr bekannt an, der am Stingray angelehnte Hals tendiert in Richtung C-Profil und bietet mit seiner Masse guten Halt für die Greifhand. Die Sattelbreite von 41 mm entspricht auch dem des Music Man Stingrays oder des Fender Precision. Wer mit diesen Modellen vertraut ist, wird sich auch auf dem Severn sofort wohlfühlen.

Ich muss gestehen: Zunächst erschien mir die Idee hinter dem Severn etwas fragwürdig. Von einem Bassbauer dieser Güte erwartet man eigentlich auch ein eigenes Design bzw. Konzept. Knaggs geht da jedoch pragmatischer bzw. kaufmännischer zur Sache und orientiert sich eher am Markt. Und da liegen klassische Formen in der Gunst der Bassisten/innen eben immer noch recht weit vorne. Spielt man den Severn eine Weile, geht das Konzept auch voll auf: Irgendwie geht die Scheu vor dem edlen Teil verloren und man genießt einfach das vertraute und geliebte Spielgefühl - allerdings auf hohem Niveau und mit allen Annehmlichkeiten eines Edelbasses.

Akustisch gespielt unterstreicht der Knaggs sein äußeres Erscheinungsbild. Er klingt sehr definiert und klar, durch das Griffbrett aus Ahorn auch hell und zu keiner Zeit harsch oder bissig - irgendwie "edel" eben - wer hätte das gedacht?! Bemerkenswert ist zudem, wie differenziert der Bass zu Werke geht. Das ist bekanntlich nicht allzu oft die Stärke von Jazz-Bässen und spricht für die hochwertigen Zutaten.

Am Verstärker wird der bisherige Eindruck nur bestätigt. Der Severn klingt wie ein Jazz Bass, nur kultivierter und gesetzter. Die Seymour Duncan Antiquitys passen hervorragend zu ihm. Sie sind in den Höhen etwas bedeckter und verhindern so, dass es in Kombination mit dem Ahorngriffbrett zu giftig wird. Der Grundsound wirkt dadurch über das gesamte Spektrum ausgewogen. Durch den massiveren Hals kommt mir der Klang noch etwas kräftiger, straffer und definierter vor als bei einem Jazz Bass mit normalen Maßen.

Jetzt kommen die beiden Höhenblenden ins Spiel. Eine davon gleicht der vom Jazz Bass bekannten Variante. Die andere bleibt das Geheimnis von Joe und Peter - sie ist nämlich leider wirkungslos! Nur mit viel gutem Willen an der Grenze zur Einbildung ist eine Einwirkung auf den Sound wahrnehmbar. Egal, in welcher Pickup-Konfiguration und wie beherzt ich drehe, so ganz erschließt sich mir der Sinn dieses Reglers nicht. Nun gut, dann beschränke ich mich eben auf die traditionelle Höhenblende, mehr ist meiner Meinung nach bei einem Jazz Bass auch nicht unbedingt nötig.

Verschiedene Tonabnehmer-Konfigurationen in Verbindung mit der Tonblende ergeben eine breite Palette an beliebten passiven Sounds, die beim Severn allesamt eine vornehme Note haben. Ein frecher Rocker ist er nicht, und das würde seinem Erscheinungsbild auch völlig widersprechen. Ich finde jedoch, die klangliche Abstimmung mit den Seymour Duncan Antiquitys passt bestens zum gesamten Konzept und ergibt ein absolut schlüssiges Gesamtbild.

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