Bass
Test
7
21.01.2016

Human Base Daily Base Test

Fünfsaitiger E-Bass

Bässe aus Meisterhand!

Wer besonders hohe Ansprüche an sein Instrument stellt und auf eine komfortable Handhabung ebenso großen Wert legt wie auf die Umsetzung der eigenen Klangvorstellung, ist gut beraten, sich mit seiner Vision von einem idealen Instrument an einen der hiesigen Boutique-Hersteller zu wenden. Wir Bassisten haben für ein solches Anliegen die Qual der Wahl, denn Deutschland ist bekanntlich reich gesegnet mit talentierten Instrumentenbauern, die großartige Bässe in ihren Manufakturen herstellen.

Zu einer der besten Adressen für exquisite Bässe zählt zweifellos Siggi Jäger mit seiner Firma "Human Base". Der außerordentlich sympathische Kunsthandwerker baut in seiner Werksatt in Waldems im Alleingang durchschnittlich 60 Instrumente im Jahr und erweitert nebenbei sein Portfolio von Zeit zu Zeit mit neuen Bassmodellen, die als Ausgangspunkt für das eigene Trauminstrument dienen können. Der "Daily Base" ist eines der jüngeren Modelle von Human Base und ich habe in diesem bonedo-Test das Vergnügen, ein äußerst elegantes Exemplar dieses Singlecut-Modells aus der Bassmanufaktur im Taunus unter die Lupe zu nehmen.

Details

Der Daily Base ist, wie bereits erwähnt, ein sogenannter Singlecut-Bass, bei dem der obere Korpusflügel bis zum 12. Bund fest mit dem Hals verbunden ist und damit eine immense Stabilität der gesamten Konstruktion bewirkt. Das Resultat dieser Bauweise ist in der Regel ein deutlich stabilerer und im Sustain stärkerer Ton als bei einem herkömmlichen Bass mit zwei Cutaways, weil die Energie der Saiten effektiver in den Korpus übertragen werden kann. Mindestens genau so wichtig für einen schwingungsstarken und hervorragend klingenden Bass ist allerdings die richtige Wahl der Hölzer. Siggi Jäger hat für seine Bässe diesbezüglich einen klaren Favoriten, denn er ist ein großer Fan von Ahorn und schwärmt vom klaren und transparenten Klangbild dieser Holzart. Deutsches Ahorn bildet demzufolge auch die Grundlage für die Korpusflügel meines Testkandidaten, und eine Mittelschicht aus hartem Bubinga verpasst dem Daily Base den nötigen Druck im Sound. Eine wunderschön gemaserte Decke aus Ahorn-Burl sorgt schließlich dafür, dass der deutsche Traumbass auch optisch einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.

Der durchgehende Hals des Daily Base ist nicht weniger aufwändig konstruiert und besteht aus drei Streifen Vogelaugenahorn, die zusätzlich mit zwei dünneren Streifen aus Bubinga versteift wurden. Auf den insgesamt fünfstreifigen Hals hat Siggi Jäger schließlich ein dickes Ebenholzgriffbrett geleimt, in welchem wiederum 24 mittelbreite und hervorragend abgerichtete Bünde sowie ein Nullbund sitzen. Der Nullbund parkt direkt hinter dem Sattel und bewirkt, dass die Leersaiten genauso klingen wie gegriffene Töne, weil die Saiten jederzeit auf Metall aufliegen. Der herkömmliche Sattel dient dann nur noch zur Saitenführung und spielt für den Klang keine Rolle mehr. Auch die angeleimte, leicht abgewinkelte Kopfplatte des Daily Base kommt mit drei verschiedenen Holzschichten, die Grundplatte aus Ahorn wurde nämlich mit einer dünnen Bubinga-Schicht vom obersten Ahorn-Burl-Aufleimer getrennt, der den Look der Korpusdecke widerspiegelt. Zur Versiegelung der Holzkonstruktion kommt schließlich ein hauchdünnes mattes Finish zum Einsatz, welches die Oberflächen schützt und dem Daily Base eine geschmeidige und organische Haptik beschert. Wie wir sehen können, scheut Siggi Jäger keinen Aufwand und keine Mühe, um seine Vision von einem erstklassigen Instrument in die Tat um zusetzten. Die akkurate Ausführung der Holzarbeiten ist wirklich beeindruckend!

Damit sind wir beim Thema Hardware angelangt und keinen wird es wundern, dass für ein derart durchdachtes Instrument nur die hochwertigste Komponenten in Frage kommen. Siggi Jäger verbaut zum Teil bewährte Produkte von renommierten deutschen Herstellern, lässt aber auch Komponenten nach seinen Vorstellungen anfertigen. Die Stimmmechaniken und seine spezielle Mono-Rail Brückenkonstruktion werden beispielsweise in Korea gefertigt, allerdings nicht um Kosten zu sparen, sondern weil die Koreaner konstant extrem präzise verarbeitete Produkte liefern. Die gekapselten Mechaniken an der Kopfplatte sehen aus wie herkömmliche Gotoh-Tuner, auf der Rückseite sitzt das Human-Base Firmen-Logo und die Muttern wurden elegant in der oberen Ahorn-Burl-Deckschicht versenkt.

Am hinteren Ende des Basses laufen die Saiten über einzelne Mono-Rail-Stege, um schließlich von wiederum getrennten Saitenhaltern aufgenommen zu werden. Die einzelnen Saitenreiter sind mit wenigen Handgriffen in horizontaler Richtung für die Intonation und vertikal für die Saitenhöhe justierbar, zusätzlich bietet jedes Segment eine kleine Imbusschraube zum Arretieren der Position.

Für die Übertragung des Sounds sind zwei Time-Square-Humbucker von Delano zuständig, die bei meinem Testkandidaten mit jeweils einem kleinen Schalter wahlweise auch in den Singlecoil-Betrieb verfrachtet werden können. Zur weiteren Klangbearbeitung hat der Daily Base eine aktive Elektronik von Glockenklang mit speziell für Siggi Jägers Klangziel angepasstem Dreiband-Equalizer an Board. Das Cockpit des Basses umfasst demzufolge einen Lautstärkeregler mit Push-/Pull-Funktion zum Aus- und Einschalten der Elektronik sowie ferner drei kleinere Regler für die drei EQ-Bänder und schließlich einen Blend-Regler für das Mischverhältnis der beiden Tonabnehmer. Die hochwertige Glockenklang-Elektronik wird von einer 9-Volt-Batterie gespeist, die in einem vom Elektronikfach separierten Klappmechanismus untergebracht ist - der Wechsel geht bei Bedarf also blitzschnell vonstatten. Der Daily Base funktioniert aber auch im Passivbetrieb ohne Batterie, der Höhenregler des EQs arbeitet dann auf der Hälfte seines Reglerweges als passive Höhenblende.

Soviel erst einmal zu den Details und der opulenten Ausstattung des Singlecut-Basses aus deutscher Fertigung. Im nächsten Abschnitt werden wir sehen, wie sich der Daily Base in der Praxis macht. Es würde mich allerdings schon sehr wundern, wenn sich Siggi Jägers Liebe zum Detail, seine gezielte Auswahl von hochwertigen Materialien und deren ausgesprochen präzise Verarbeitung nicht auch in einem erstklassigen Klang niederschlagen würde. 

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare