Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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30.10.2015

Harley Benton HB-35 CH Vintage Series Test

Semiakustik E-Gitarre

Halb akustik - ganz groß

Die Harley Benton HB-35 CH aus der Vintage Serie ähnelt nicht nur von Ferne dem großen Semiakustik-Ideal, der Gibson ES 335. Auch bei näherer Betrachtung offenbart sich die Patenschaft in den Details. Allerdings gibt es einen Faktor, der alle Vergleiche ad absurdum führt: Unsere Testkandidatin kostet nicht einmal 150 Euro. Und das ist, jenseits aller Qualitäts- oder Klangunterschiede, für sich allein schon eine Sensation.

Dass man bei Produkten der Thomann Hausmarke keinesfalls vom Preis auf die Qualität schließen sollte, haben uns bereits unzählige Tests gezeigt, die mit handfesten Überraschungen endeten. Deshalb gehen wir auch bei der HB-35 neutral ans Werk und heben uns die Wertung für's Fazit auf.

Details

Optik/Verarbeitung

Wie nicht zu übersehen, orientiert sich die Gitarre ganz klar am Klassiker von Gibson, der ES 335. Die gleichen optischen und technischen Merkmale sind zu finden, die wir uns jetzt etwas genauer anschauen werden. Der hohle Korpus besteht aus Ahorn und besitzt im Inneren einen Sustainblock aus Mahagoni. Der ist bei Instrumenten dieser Bauart auch zwingend notwendig, wenn sie lautstärkemäßig nicht über Barjazz-Level gefordert werden. Ansonsten schwingt sich bei höheren Lautstärken die Decke unkontrolliert auf und unschöne Feedbacks sind das Resultat. Die zwei F-Löcher sind beim Original zu finden und dürfen daher auch hier nicht fehlen. Der Korpus ist tadellos in Cherry Red hochglanzlackiert, wobei die Maserung des Holzes durch den Lack sehr schön zu sehen ist. Ein weißes Binding rundet die gelungene Optik ab, auch diese Arbeit bietet keinen Anlass zur Kritik. Ein kleines dreilagiges Schlagbrett ist mit zwei Schrauben befestigt und lässt sich ohne Probleme entfernen, falls man darauf verzichten möchte. Allerdings wurde hier beim Zurechtschneiden ein wenig geschlampt, in der unteren Rundung ist eine kleine Kante entstanden, was aber auch nur beim genaueren Hinsehen auffällt.

Zwei Vintage Style Humbucker mit verchromten Kappen sitzen in schwarzen Rahmen und lassen sich mithilfe zweier Schrauben individuell in der Höhe anpassen. Geschaltet werden die Tonabnehmer per Dreiwegschalter, der am oberen Cutaway zu finden ist. Allerdings rastet der mit einem deutlich vernehmbaren Knacken ein und ich bin gespannt, ob sich das auch verstärkt unangenehm bemerkbar macht. Die Saiten werden über einen Tune-o-matic Steg mit Stop-Tailpiece geführt, der, wie die gesamte Hardware, ebenfalls im Chrom Finish gehalten ist. Auch die obligatorischen zwei Volume- sowie Tone-Potis dürfen nicht fehlen, in unserem Fall sind sie mit goldbraunen Top Hats bestückt, die sehr gut mit der sonstige Optik harmonieren. Sie lassen sich geschmeidig regeln und ermöglichen so ein feinfühliges Einstellen.

Der Hals ist mit dem Korpus verleimt und auch in dieser Disziplin geht der Daumen nach oben, denn diese Arbeit wurde ebenfalls sehr sauber ausgeführt. Im Übergang von Hals und Korpus befindet sich ein Gurtpin, der, wie sein Gegenpart in der unteren Zarge, mit einem schwarzen Filz unterlegt ist, um den Lack vor Beschädigungen zu bewahren.

Ahorn ist auch das Material, das beim Hals zum Einsatz kommt und dort passend zum Korpus ebenfalls mit einem Binding versehen wurde. Das Palisandergriffbrett trägt 22 Medium Jumbo Bünde, und auch hier gibt es, gemessen am Preis des Instrumentes, keinen Anlass zur Kritik.

Weiße Punkteinlagen im Griffbrett und entsprechende kleine schwarze an der Halskante helfen bei der Orientierung. Die Halsrückseite ist ebenfalls rot lackiert und besitzt ein D-Shape, mit dem das Gros der Gitarristen problemlos zurechtkommen sollte. Bevor es zu den Mechaniken geht, laufen die Saiten über einen Kunststoffsattel mit einer Breite von 43 mm. Für mehr Saitendruck auf dem Steg ist die an der Oberseite schwarz lackierte Kopfplatte angewinkelt. Natürlich besitzt die Gitarre auch einen Halsstab, hier in der Double Action Variante, der kopfplattenseitig zu erreichen und dessen Zugang mit einem Kunststoffdeckel verschlossen ist. Sechs gerade und akkurat montierte geschlossene Die-Cast-Mechaniken lassen ein feinfühliges und genaues Stimmen zu. Die Gitarre besitzt eine Gibson-typische Mensur von 628mm und wiegt 3682 Gramm. Bis auf den etwas billig wirkenden Pickup-Wahlschalter gibt es verarbeitungsmäßig rein gar nichts zu beanstanden. Ich bin ziemlich beeindruckt, dass man für so wenig Geld ein Instrument auf einem solchen Niveau bekommen kann.

Die Röhren des Amps glühen schon und es wird Zeit, die HB-35 dem obligatorischen Praxistest zu unterziehen.

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