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Test
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14.09.2014

Gibson Les Paul Traditional 2014 Test

E-Gitarre

Softgetunter Klassiker

Die Gibson Les Paul Traditional 120 Anniversary 2014 im bonedo-Test  –  1894 startete Orville Gibson in Kalamazoo im Bundesstaat Michigan mit einem eigenen kleinen Laden, der sich in erster Linie mit Mandolinen befasste. Was aus diesen bescheidenen Anfängen wurde, lässt sich heute, 120 Jahre später, immer noch eindrucksvoll bewundern. Sein Name ist nach wie vor untrennbar mit einem der renommiertesten und bekanntesten Hersteller der Musikinstrumentengeschichte verknüpft und steht stellvertretend für das erfolgreiche Miteinander von Tradition und Innovation.   

Mit einem wahren Feuerwerk an neuen Modellen quer durch die Produktpalette feiert Gibson 2014 dieses Jubiläum, und auch das Thema Les Paul kommt dabei nicht zu kurz. Mit ihrem Namen weist die Gibson Les Paul Traditional 120 Anniversary 2014 eher in die historische Richtung, aber unser Test wird zeigen, ob sie nicht doch mit Überraschungen aufwarten kann. 

Details

Bestens vor äußeren Einflüssen geschützt kommt die Traditional im roten Plüsch eines ultrarobusten, braunen Formkoffers bei mir an. Gut schaut sie aus mit ihrem hochglanzpolierten Sunburst und ist auf den ersten Blick nicht offensichtlich von ihren Schwestern zu unterscheiden.

Der Body besteht - wie nicht anders zu erwarten - aus Mahagoni, in diesem Fall aus zwei Teilen und einer aufgeleimten Ahorndecke, einer geriegelten, ebenfalls zweiteiligen Version mit nicht allzu spektakulärer Maserung. Die Sunburst-Lackierung ist tadellos aufgetragen und gibt keinerlei Anlass zur Beanstandung. Eingerahmt wird der Korpus von einem cremeweißen Kunststoffbinding, das farblich auch als Pate für alle anderen Kunststoffteile wie Pickuprahmen, Schlagbrett und Unterleger des Dreiwegschalters steht. Zwei breite Gurtpins (ohne Filzunterlage) sorgen für einen sicheren Halt des Gurtes. 

Für die Tonwandlung kommen zwei 59 Tribute Aggregate zum Einsatz, die mit Alnico II Magneten ausgestattet sind und laut Gibson den Mojo aus eben genau dieser Zeit verinnerlicht haben. Warum, verrät ein kleines Video auf der Gibson-Homepage. Nachforschungen des Herstellers haben ergeben, dass man damals die Spulen nach Zeit und nicht nach der Anzahl von Windungen wickelte, sodass kaum eine Spule der anderen gleicht und damit auch kaum ein Tonabnehmer dem anderen, was wiederum heute die Faszination alter Pickups ausmacht. An dieser Erkenntnis orientierte sich Gibson auch bei der Herstellung der 59 Tribute Humbucker, die in unserem Instrument verbaut sind. Wie und ob sich diese Vorgehensweise merklich auf den Klang auswirkt, wird der Praxisteil zeigen. Beide Tonabnehmer besitzen verchromte Kappen und unterstreichen damit das edle Äußere der Gitarre. Auf der Decke gehören ganz klassisch eine Tune-o-matic Bridge mit Stop Bar und vier Potis mit goldenen Speed Knobs zur Ausstattung. Davon sind wie gewohnt zwei für die Lautstärke und zwei für die Tonregelung der beiden Humbucker zuständig. Angewählt werden diese von einem Dreiwegschalter, entweder einzeln oder in Mittelstellung zusammen.

Die Rückseite erlaubt den Blick auf das schön gemaserte Mahagoni und zwei Ausfräsungen, die mit schwarzen Kunststoffplatten abgedeckt sind. Eine davon erlaubt den Zugang zum Elektronikfach, die andere führt zu den Anschlüssen des Dreiwegschalters. Im Elektronikfach dann eine kleine Überraschung: Anstelle der herkömmlichen Keramikkondensatoren hat Gibson hier Orange Drop Kondensatoren verlötet. Ich möchte an dieser Stelle nicht das Sound-Fass aufmachen, aber diese Orange Drops haben in der Szene einen guten Ruf. Für mich war der Unterschied, nachdem ich bei einigen meiner eigenen Instrumenten den Wechsel vollzogen hatte, klar herauszuhören.

Der Mahagoni-Hals mit Palisandergriffbrett ist natürlich mit dem Korpus verleimt und trägt ebenfalls das erwähnte Kunststoffbinding, wobei die Kopfplatte verschont blieb. Trapezförmige Perloid-Einlagen sorgen für die perfekte Orientierung auf dem Griffbrett, ebenso wie die dazu passenden schwarzen Punkte im Binding der Halskante. Mit einer Mensur von 628 mm hat die Traditional Gibson-typische Maße. Ein weiterer Unterschied zu den meisten aktuellen Les Pauls besteht darin, dass dieser Korpus nicht aus Gewichts-Reduzierungsgründen mit Aushöhlungen versehen wurde. Das macht sich allerdings auch bemerkbar, denn das Schätzchen bringt satte 4212 Gramm auf die Waage. Ein breiter Gurt ist also angesagt, will man sich nach einem langen Gig oder einer ausgedehnten Probe den Gang zum Orthopäden sparen. Die 22 Medium Jumbo-Bünde auf dem Griffbrett sind tadellos eingesetzt und entgratet, die Kerben des Tektiod-Sattels stammen von einer PLEK-Maschine und die angewinkelte Kopfplatte sorgt dort auch für den nötigen Saitendruck. Eine schwarze Kunststoffabdeckung mit der Aufschrift „Traditional" verdeckt den Zugang zum Halsstab. Für ein stimmendes Instrument sorgen die sechs Tone Pro Vintage Style Mechaniken mit einer Übersetzung von 16:1 und der goldene Les Paul Schriftzug und das Logo aus Perlmutt  passen optisch perfekt zur der sehr hochwertig gefertigten Gitarre.

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