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09.02.2021

Für 2000$ kannst du für das 'Rolling Stone'-Magazin schreiben

Damit können Leute aus der Community als "thought leader" auftreten

Als Redakteur wird man für Artikel vergütet. Rolling Stone dreht den Spieß um und verlangt Geld für Gastbeiträge. Damit sollen auch "Vordenker" aus der Community Meinungsbeiträge erstellen können. Genutzt wird das Service aber auch von Unternehmen, die ihre Produkte verkaufen möchten. 

Das 1967 gegründete Rolling Stone Magazin hat lange Zeit eine wichtige politische, gesellschaftliche und kulturelle Rolle gespielt. Durch sinkende Printverkäufe und Werbeeinnahmen wurde das Magazin allerdings 2019 vollständig an die Penske Media Corporation (PMC) verkauft. Die Musikplattform Pitchfork berichtete, dass PMC seit der Übernahme einige Veränderungen ins Spiel brachte: ein Rolling Stone Chart-Service, mehr Artikel über die Musikindustrie und Paywalls. Eine neue Einnahmequelle sind jetzt auch Beiträge, für dessen Veröffentlichung bezahlt werden muss. Ein durchaus unüblicher Weg, den man sich genauer ansehen sollte.

Wie das Service funktioniert

Um eigene Artikel veröffentlichen zu können muss man Mitglied im Rolling Stone Culture Council sein. Das ist ein exklusiver "Club" für den man sich bewerben muss. Gegen eine Jahresgebühr von 1.500$ und einer Vorrauszahlung von 500$ hat man die Möglichkeit Mitglied zu werden. Der Club verspricht ein Netzwerk von Gleichgesinnten zum Austausch, den Zugang zu einem "think tank" und letztlich die Möglichkeit des Publizierens von Inhalten. 

Damit möchte es Mitgliedern erlauben "sich als Vordenker zu positionieren und Expertise zu teilen" und die Möglichkeit geben "die Zukunft der Kuktur zu gestalten". Weiters steht auf der Homepage: "In einem der bekanntesten Unterhaltungsmedien der Welt veröffentlicht zu werden, zeichnet Sie als Visionär, Führungskraft und mutige Stimme in Ihrer Branche aus."

Die Artikel werden als Beiträge des "Culture Councils" markiert. Laut einem Sprecher von PMC werden die bezahlten Beiträge in keinem Zusammenhang als redaktionelle Beiträge erscheinen und sind klar gekennzeichnet. Tatsächlich findet sich über den Artikeln eine Markierung mit der Schrift "Culture Councils" (siehe Bild).

Unternehmen machen indirekt Werbung

Thematisch gibt es keine großen Einschränkungen. Im Rolling Stone Magazin bzw. auf der Homepage finden sich zu Politik, Medien, Kultur, Musik und sogar Sport eigene Bereiche. Genau hier stecken sowohl Chancen als auch Gefahren. Bei wichtigen Themen ohne mediale Aufmerksamkeit kann das Veröffentlichen von Artikeln auf einer so großen Plattform wie Rolling Stone sehr wichtig sein. Bei der Betrachtung der bisher gezeigten Inhalten ist dies allerdings nicht immer der Fall. Stattdessen erweckt es den Eindruck, dass Unternehmen ihre PR-Leute einsetzen, um gute Werbung für eine Branche oder Produkte zu machen. So gibt es einen Artikel vom Gründer von "Play PickUp", einer Community für Sportwetten, in dem er über die sozialen Vorzüge des Sportwettens schreibt. In einem anderen Artikel schreibt ein PR-Manager eines Cannabis-Produzenten über die positive Entwicklung der Branche. 

Zwar werden die Beiträge von einem Rolling Stone Team kontrolliert und es werden auch nicht alle Beiträge veröffentlicht. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack, wenn dieses renommierte Magazin dazu genutzt wird, Unternehmen eine Werbeplattform zu bieten. 

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