Test
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12.03.2015

Praxis

Was macht „Volume“, was macht „Gain“?

Viele werden sich vertun. Viele. Bestimmt. Bei einem Preis von 250 Euro ist davon auszugehen, dass der Fredenstein V.A.S. Mic Pre der erste Standalone-Mikrofonvorverstärker vieler Käufer sein wird. Dass diese für die Verstärkung zunächst an „Volume“ drehen, sei ihnen verziehen. An der HiFi-Anlage macht das ja auch „lauter“. Der kleine auf die Frontplatte aufgedruckte Bügel stellt zwar die Verbindung zum HP-Out dar, doch wäre eine bessere optische Abgrenzung oder eine Beschriftung mit „Headphone Volume“ sinnvoller gewesen. Die Tatsache, dass es mit Gain und Output zwei Regler gibt, verwirrt Anfänger schon genug. Zwar ist an der Beschriftung nichts falsch, doch wäre vielleicht „Output Attenuation“ eine gute Idee. Und so mancher Profi wird sich dabei erwischen, beim Stecken eines Klinkenkabels in die linke Buchse auch den zugehörigen Impedanz-Schalter zu drücken. DI-In schaltet allerdings automatisch die rückseitigen Inputs stumm, der „Low Z“, welcher wohl oft mit „High Z“, also „Instrumenten-Eingangsimpedanz“ verwechselt werden wird, hat in diesem Fall keine Auswirkung: Die Impedanzverringerung wirkt nur auf den Mikrofoneingang, nicht auf den hochohmigen Instrumenten-Input. Übrigens: So hochohmig ist dieser mit 100 kOhm gar nicht, der Großteil an DI-Inputs liegt im einstelligen Megaohm-Bereich. Ein bisschen Vorsicht ist bei der Positionierung notwendig: Das Netzteil des Fredenstein streut besonders nach oben und unten, also sollte man im Problemfall auf eine Installation direkt über oder unter anderen Geräten verzichten.

Ok: Das ist alles Kleinkram. Schön ist, dass die Schalter innenbeleuchtet sind und man somit immer eindeutiges Feedback erhält. Die Ausstattung verdient absolute Anerkennung, vor allem für den Preis. Und, das ist manchen vielleicht wichtiger als anderen, die Kiste sieht wirklich gut aus. Billigoptik? Nö!

 

Gain sorgt für ordentlich Spielraum

So, jetzt will ich Fred Feuerstein aber mal füttern. Zunächst kommt ein FET-Kondensatormikrofon zum Einsatz, Sänger Chul-Min übernimmt den Job vor dem Mikro für die Testfiles. Der Grundsound ist tatsächlich nicht sonderlich clean, sondern immer ein wenig „grainy“. Was vielen Signalen guttut, besonders vielen Vocals, kann dann und wann auch etwas stören, aber der V.A.S. behauptet ja nicht von sich, ein ausgewiesener Bravling zu sein. Und er kann ganz ordentlich Gas geben: Trägt man mit dem Gain dick auf, kann man Signale hervorragend andicken. Erst im stärksten Bereich vermatscht das Signal und wird dann „eckig“ und „bissig“. Die Fähigkeit zu etwas mehr Zurückhaltung wäre im Sinne der Vielseitigkeit nicht verkehrt, aber es ist dennoch schön, dass man mit dem Gain ordentlich Spielraum hat. 

Gröber als ein Neve

Sehr gut steht der Eigenklang des V.A.S. Tauchspulenmikrofonen zu Gesicht. Im mittleren Gain-Bereich, wenn der Klang bereits beginnt, groß und dick zu werden, kann man Signale tatsächlich richtig veredeln – man kann den Übertrager deutlich hören. Schön ist, dass dennoch die Bässe und Höhen nicht zu kurz kommen, auch die Wiedergabe von Transienten ist in Ordnung. Natürlich will sich keine Neve-Seidigkeit einstellen, der Fredenstein ist ein wenig grobschlächtiger. Entgegen seines Aussehens finde ich ihn gut geeignet für kräftige Signale, die im Mix zupacken können sollen. Vocals mit RE20, SM 7B, MD-421 in einer Rockmischung: Bei nicht allzu großem Budget für einen Pre-Amp macht man einen Fehler, den Fredenstein nicht auszuprobieren. 

Über die anderen klangrelevanten Optionen kann man keine negativen Aussagen treffen: Das Filter setzt tief an und stört ab etwas oberhalb der Grenzfrequenz nicht (dank 60 Hz kann man es somit gut auf E-Gitarren in normaler Stimmung anwenden!), das Pad arbeitet sauber, der DI-Input ist trotz seiner eher untertriebenen Impedanzanpassung ausgewogen.

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