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Test
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07.09.2012

Focusrite ISA Two Test

Stereo-Mikrofonvorverstärker

Würdiger Nachfolger des ISA 110?

Das Feld der Stereopreamps bis 1000 Euro ist nicht gerade dünn besetzt. Wer sich hier durchsetzen möchte, der braucht gute Argumente – Focusrite hat diese definitiv! Ein hevorragendes Studiogerät muss auf verschiedenen Ebenen punkten, darunter natürlich die Klangeigenschaften und die Feature-Ausstattung. Aber auch ein bisschen Glamour kann auch nicht schaden, zumindest solange die harten Fakten stimmen. Letzteres ist schon einmal gegeben: Bei der Entwicklung der Urversion von Focusrites ISA-Preamp standen klangvolle Namen Pate. Niemand geringeres als Rupert Neve zeichnete vor über 20 Jahren als Chefdesigner verantwortlich, und das im Auftrage einer weiteren Legende: Sir George Martin.

Nur ein etwa ein Dutzend Mischpulte der Serien „Forte“ und „Studio“ bauten Rupert Neve und Focusrite zusammen. Das ist nicht viel, aber sie wurden in einigen der wichtigsten Studios der Welt installiert (darunter Ocean Way in Hollywood und Electric Lady in New York), und das half, ihren legendären Ruf zu begründen. Heute bietet Focusrite eine ganze Reihe von Geräten der ISA-Reihe an; sie alle sind mehr oder weniger direkte Nachfahren von Rupert Neves begehrtem ISA-110-Kanalzug aus den 80er-Jahren.

Details

Der ISA Two bietet zwei Mic/Line/Instrument-Preamps im typischen blau-gelb-grauen 19“-Gehäuse mit einer Höheneinheit. Vorverstärker gibt es heute wie Sand am Meer, in allen Preis-und Qualitäts-Klassen. Da braucht es schon ein paar interessante Kniffe, um sich zu behaupten. Und um es gleich vorwegzunehmen: Diese finden sich beim ISA Two praktisch überall, wohin man auch blickt. Da ist zu nächst einmal die maximale Verstärkung von 80 dB, nicht untypisch für einen Preamp, der von Rupert Neve designt wurde. Dieser Wert markiert das Spitzenfeld, auch bei filigransten Ribbon-Mics dürfte dem ISA Two daher wohl niemals die Puste ausgehen.

Interessant ist das Layout der Pegel-Einstellung: Insgesamt dienen drei Bedienelemente der Pegel-Einstellung: Zunächst legt ein kleiner Schalter den Bereich des vierstufigen Drehschalters fest, entweder 0-30 oder aber 30-60 dB. Dieser schaltet in 10-dB-Schritten, was recht grob aufgelöst ist. Dazu kommt dann noch das „Trim“-Poti, das bei Mic/Line-Signalen einen Bereich von 0-20 dB überstreicht (10-40 dB bei Instrumentensignalen). 20 dB sind weit genug für jegliche manuelle Anpassung direkt während der Aufnahme („Gain Riding“), aber andererseits nicht so viel, als dass eine kleine Drehung am Poti gleich eine riesigen Pegelsprung bedeuten würde, der einem die Aufnahme verhaut.

Zusätzlich verfügt jeder Kanal über sein eigenes, stufenlos durchstimmbares Trittschallfilter. Hier geht es beileibe nicht nur um Trittschall und tieffrequentes Rumpeln, denn das Filter überstreicht den ungewöhlich weiten Bereich von 16-420 Hz. Das ist ausgesprochen viel für solch ein Filter, das demnach nicht nur zur Korrektur, sondern auch – in gewissen Grenzen, schließlich ist es ja „nur“ im simpler Hochpass mit immerhin 18 dB Flankensteilheit – zur Klanggestaltung eingesetzt werden kann. Selbstverständlich verfügen beide Preamps zudem über Phantomspeisung und einen Schalter zur Phaseninvertierung.

Doch damit nicht genug: Die Eingangsimpedanz ist variabel, vier Werte stehen zur Auswahl: Low (600 Ω), ISA 110 (1.4 k Ω), Med (2.4 k Ω) sowie High (6.8 k Ω). Außerdem verfügt der ISA Two in jedem Kanal über einen schaltbaren Insert. Warum, mag man sich fragen, kann man einen EQ oder Kompressor doch ganz einfach hinter den Preamp hängen. Der Ansatz, den Focusrite hier verfolgt hat, offenbart sich, wenn man einen Blick auf die Pegelanzeige wirft. Diese bietet für jeden Kanal eine LED-Kette mit 8 Segmenten, was an sich noch nichts ungewöhnliches ist. Deren Skala hingegen bezieht sich auf 0 dB Full Scale, also die Vollaussteuerung des nachgeschalteten Wandlers. Das bedeutet: Focusrite geht mit der Zeit, der ISA Two ist von Haus aus ausgelegt für das Zusammenspiel mit einer DAW.

Natürlich „weiß“ der Preamp erst einmal nicht, wie der nachfolgende Wandler kalibriert ist. Deswegen verfügt der ISA Two auf der Rückseite über ein kleines Trimmpoti, mit dem die Pegel-Anzeige an das Aussteuerungsniveau des jeweiligen A/D-Wandlers angepasst werden sollte. Hat man dies einmal gemacht, verfügt der Vorverstärker über eine Pegelanzeige, die zuverlässig vor digitalen Overs warnen kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei analogen Geräten und ohne die Möglichkeit der Kalibrierung auch nicht zu realisieren. Und so betrachtet macht auch der Insert wieder Sinn: Verwendet man diesen, so kann man externe analoge Prozessoren vor der A/D-Wandlung einsetzen und den Pegel, den man zum Wandler schickt, trotzdem mit der Aussteuerungsanzeige des ISA Two kontrollieren – ziemlich smart, recht einzigartig, und ungemein praktisch!

Ansonsten liegen auf der Frontplatte noch der Betriebsschalter sowie die beiden Klinken-Instrumenteneingänge. Abgesehen vom Meter-Trimmpoti birgt die Rückseite keine Überraschungen: Mit Kaltgeräte-Netzanschluss, XLR-Buchsen für Mic-Inputs und die Ausgänge, symmetrischen Klinkenbuchsen für die Inserts sowie die Line-Inputs sind die Fakten schnell berichtet. Schade: XLR-Buchsen zumindest für die Line-Inputs wären besser gewesen, da diese Buchsen prinzipbedingt üblicherweise die besseren Kontakte bieten.

Unter der Haube setzt Focusrite auf eine große Hauptplatine, die zu einem guten Teil mit SMD-Bauteilen bestückt ist. Das ist wesentlich günstiger in der Fertigung (weil die Bestückung maschinell erfolgen kann und folglich weniger Handarbeit nötig ist). Dafür ist im Zweifelsfall der Service nicht ganz so unkompliziert, und man kann auch nicht mehr von einem direkten Klon des legendären Ur-ISA-100 sprechen, weil ganz einfach etwas andere Bauteile zum Einsatz kommen. Grundsätzlich ist das aber kein großes Thema, denn es gibt andere Faktoren, die für die Performance einer Schaltung wesentlich mehr Bedeutung haben als die Frage, ob die Platinen mit konventionellen oder mit SMD-Bauteilen bestückt wurden.

Die zentrale Ingredienz des ISA-Preamps ist der Eingangsübertrager mit der Typenbezeichnung LL1538 aus der schwedischen Edel-Schmiede Lundahl. Durch seine spezielle Konstruktion mit Kern und Gehäuse aus Mu-Metall sowie einer doppelten Primärwicklung bietet dieser Übertrager, der auch bereits für den Original-ISA ausgwählt wurde, exzellente Audio-Eigenschaften mit einem sehr weiten Frequenzgang (10 Hz – 100 kHz, ± 0.3 dB), wenig Verzerrungen, sowie hervorragender Abschirmung, was bei den schwachen Mikrofon-Signalen generell sehr vorteilhaft ist. Die Verstärkungsstufen des Preamps wurden mit handelsüblichen 5532-Op-Amps realisiert. Das ist per se kein Highend-Bauteil, aber dennoch ein sehr solider Industriestandard, und auch hier gilt: Entscheidend ist nicht unbedingt das nackte Bauteil, sondern die Frage, wie es in die Schaltung integriert wurde. Auch heute noch setzt Rupert Neve diesen Chip gerne in den aktuellen Geräten seiner Firma Rupert Neve Designs ein, wie übrigens viele andere Hersteller aus dem gehobeneren Segment auch.

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