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Test
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19.02.2014

FMR Audio RNLA Really Nice Levelling Amplifier 500 Test

API 500 Lunchbox-Modul

Schöner Bruder

Der Really Nice Levelling Amplifier 500 bei bonedo im Test – Anwender des Really Nice Compressor schätzen dessen sehr sauberes Regelverhalten. Manchmal klingt er fast zu sauber, und deswegen gibt es den RNLA: Als Levelling Amplifier bringt er mehr Attitüde ins Geschehen – und dies nun auch im 500-Formfaktor.

Mit dem Really Nice Compressor konnte FMR Audio, ein kleiner Hersteller aus Texas, einen ziemlichen Erfolg landen. Mit einem Kompressor, der auch im professionellen Segment akzeptiert wurde, stieß die Firma in ein Preissegment vor, das üblicherweise Einsteigergeräten mit nicht immer durch und durch überzeugender Qualität vorbehalten ist. Nur plagte den Hersteller schon bald ein Luxus-Problem. Der Really Nice Compressor klang einigen Anwendern einfach zu gut, im Sinne von: zu sauber! Mit seinem SuperNice-Modus auf präzises Transienten-Shaping getrimmt, ohne dabei allzu VCA-mäßig analytisch zu klingen, konnte der RNC all diejenigen begeistern, denen rigorose, aber dabei nicht aggressive Dynamikkontrolle wichtig ist. Was bei einem solchen Regelverhalten aber verloren gehtm, ist das gewisse „Schwingen“ im Regelverhalten, das bestimmte Vintage-Kompressoren mitbringen, besonders solche aus dem Segment der Optokompressoren. Deratigen Dynamiktools, allen voran dem Urvater Teletronix LA-2A, ist ein programmadaptiver Kompressionscharakter gemein, der sich nicht immer mit üppigen Parametern feintunen lässt, der dies aber auch nicht unbedingt erfordert. Denn solch ein Kompressor aus der Gattung „Levelling Amplifier“ (im Gegensatz zum ultraschnellen „Limiting Amplifier“ à la 1176...) ist nicht konzipiert, um wirklich jede Signalspitze zu plätten. Vielmehr „denkt“ er in größeren Bögen, folgt im Idealfall in besonders musikalischer Art und Weise dem Eingangssignal und kann somit zum Beispiel Vocal-Lines wunderbar andicken, ohne dabei allzu aggressiv über das Signal drüberzubügeln.

Details

Digitaler Sidechain

Soweit erst einmal die Theorie. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns auch mit dem 500-Modul, das preislich im Vergleich zum Desktop-Vorläufer leicht angezogen hat, immer noch knietief im Budget-Bereich bewegen. Insofern dürfen wir kosntruktiv nicht die Insignien der eingangs erwähnten Opto-Boliden erwarten. Vielmehr ähnelt die Hardware des RNLA 500 sehr derjenigen des RNC 500. Dies bedeutet erst einmal, dass es sich auch hier um einen VCA-Kompressor handelt. Das ist zunächst kein Nachteil – es bedeutet aber, dass zum Erreichen der genannten klanglichen Ziele etwas getrickst werden muss. Und von der Qualität dieser Tricks hängt dann eben das Endergebnis ab. Nun ist bereits die Schaltung des RNC relativ gewieft ausgeführt. Hardware ist teuer, und insofern bedienen sich die FMR-Kompressoren einer DSP-gestützten Aufbereiten ihrer Sidechain-Signale. Auf diese Weise reduziert sich der Hardware-Aufwand an dieser Stelle auf eine Handvoll Allerwelts-Chips, welche mit geringem Aufwand und geringen Kosten gefertigt werden können. Klangentscheidend ist dann ganz wesentlich die Software, die im DSP-Sidechain läuft – aber diese Komponente hat den großen Vorteil, dass sie quasi zum Nulltarif beliebig oft implementiert werden kann.

Es gilt hervorzuheben, dass der Signalweg des RNLA 500 vollkommen analog ausgeführt ist. Dementsprechend sind Punkte wie Latenz, Clock etc. hier auch kein Thema, denn das Audiosignal selbst verlässt niemals die analoge Domäne. Lediglich das Detektorsignal wird digital prozessiert, was übrigens keineswegs mit dem Etikett der Billiglösung versehen werden darf. Auch Hersteller von gehobener Mittelklassehardware wie beispielsweise Empirical Labs bedienen sich solcher Konzepte. Gründe dafür gibt es völlig unabhängig von der Preisklasse des Gerätes genug: Vielseitigkeit, speicherbare Betriebszustände, geringer Platzbedarf – all das sind Faktoren, die auch einem Klassiker wie dem ELI Distressor gut zu Gesicht stehen, also sollte man hier nicht voreilig den Stab über den FMR-Comps brechen.

Große Regelbereiche der Standard-Parameter

Nicht ganz überraschend bietet der RNLA 500 alle fünf typischen VCA-Bedienelemente auf Basis stufenlos justierbarer Potis. Das Gerät zeichnet sich wie sein Bruder durch recht weite Parameterbereiche aus, wobei sich die Zeitkonstanten und die Kompressionsrate besonders vielseitig tunen lassen. Mit Raten von 1:1 bis 25:1 ermöglicht der RNLA 500 sowohl sanftestes Transientenkitzeln als auch Quasi-Brickwall-Limiting. Im Gegensatz zum RNC gibt der Hersteller hier keine absoluten Werte für die Zeitkonstanten an, die Potis sind mit einer schlicht nummerierten Skala versehen. Ein maximales Output-Gain von 15 dB verhindert heftigste Kompressionseffekte (oder zumindest die anschließende Herstellung von Unity Gain mit Bordmitteln), für die typischen Leveler-Einsätze auf Vocals oder Basslines ist aber allemal ausreichend Hubraum vorhanden. 

Das Modul verfügt über einen Relais-Bypass und zwei weitere Schaltfunktionen. Es lässt sich mit einer weiteren Kassette für die Stereobearbeitung verkoppeln, zudem bietet der RNLA 500 noch zwei umschaltbare Release-Charakteristiken. Während der Lin-Modus gewissermaßen den „Normalzustand“ des Designs darstellt, arbeitet das Regelelement des RNLA 500 in der Log-Variante mit einer Releasephase, deren Dauer sich der Stärke der vorangegangenen Pegelreduktion anpasst. Ein programmadaptives Regelverhalten ist ein ganz typisches Merkmal klassischer Optokompressoren. Wer Wert auf diesen Charakter legt, der sollte also den Log-Modus in Betracht ziehen. Nach besonders heftigen Peaks erreicht das Regelelement hier schneller wieder den Ruhezustand, und das verhindert, dass die Kompression nach Signalspitzen förmlich „absäuft“. Insbesondere perkussives Material kann von dieser Betriebsweise profitieren. Interessanterweise ist dieser Modus aber das exakte Gegenteil des Verhaltens eines LA-2A! Hier dauert die Release nach stärkeren Peaks nicht kürzer sondern länger, was das Gerät ideal für Vocals macht, aber z.B. für Drums nicht die allererste Wahl darstellt.

Preiswert, aber nicht billig

Schaltungslayout und Fertigung geben sich auch beim FMR Audio RNLA 500 keine Blöße. Das Gerät gibt sich robust und solide, gestalterisch sicher etwas nachlässig, aber funktional über alle Zweifel erhaben. Als Hauch von Luxus hat FMR Audio dem Modul Potikappen aus Aluminium beschert – und die Metallbauweise macht vermutlich den Löwenanteil des gegenüber dem Outboard-Vorläufer mit seinem Vollplastik-Approach etwas gestiegenen Kaufpreises aus. Es gilt also festzuhalten, dass der RNLA 500 trotz seines günstigen Preises keineswegs aus Billigtechnik besteht. So arbeiten im Regelelement beispielsweise zwei Bausteine des Typs THAT 2181 – und damit ein Industriestandard, auf den auch Premiumhersteller gerne zurückgreifen.

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