Gitarre Hersteller_Fender
Test
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09.11.2020

Fender Tone Master Deluxe Reverb Test

E-Gitarrenverstärker Combo

Digitaler Zwilling

Für den Fender Tone Master Deluxe Reverb Combo hat man das Thema Amp-Modeling in einer komplett anderen Konzeption und sehr konsequent umgesetzt. Statt eine eierlegende Wollmilchsau mit vielen unterschiedlichen Amp-Modellen auf den Markt zu bringen, geht es hier richtig ins Detail.
Klasse statt Masse ist angesagt, denn hier wird lediglich ein einzelner Amp in digitaler Form nachgebildet, und zwar der Fender Deluxe Reverb, ein Klassiker aus eigenem Haus - quasi eine 1:1 Kopie in digitaler Form, mit allen Regelmöglichkeiten und Effekten, und auch optisch vom Deluxe Reverb fast nicht zu unterscheiden. Ob er sich tatsächlich als identischer Klon erweist und die Erwartungen erfüllt, die er weckt?

Fender Deluxe Reverb Amp

Der Fender Deluxe Reverb ist einer der beliebtesten und wahrscheinlich auch am häufigsten im Studio eingesetzten Amps der Traditionsmarke. Er gilt als Nachfolger des Fender Deluxe 1963 mit Treble und Bass statt nur einem Tone-Regler und punktete mit zwei klassischen Effekten, dem Federhall und dem von Fender so genannten Vibrato-Effekt, der heute richtigerweise als Tremolo geführt wird, weil es sich bei ihm um eine Lautstärkenmodulation handelt. Der Amp liefert 22 Röhrenwatt und setzt sich einerseits beim moderaten Clubgig gegen Bass und Drums durch, andererseits muss man ihn nicht bis zur Schmerzgrenze aufreißen, um ihm einen verzerrten Sound zu entlocken. Beim Twin Reverb mit 100 Watt beispielsweise ist das so. Eine echte High-Gain-Zerre ist beim Deluxe Reverb nicht drin, hier erhält man im sogenannten Sweetspot bei Volume-Einstellungen zwischen 6 und 7 eine warme Verzerrung, die man gut mit dem Volume-Regler an der Gitarre auf clean zurückdrehen kann. Der Amp gehört seit Mitte der 1960er Jahre zum festen Inventar der großen Studios nicht nur in den USA und wird bis heute aufgrund seiner ausgezeichneten Klangqualitäten ausgiebig genutzt.

Details

Es ist schon verblüffend, wie tief manche Dinge im Gehirn verankert sind. Der Amp steht da, man will ihn von A nach B tragen, und beim Anblick des Verstärkers setzen sich schon mal einige Muskelpartien in Alarmbereitschaft. Beim Anpacken des Griffs kommt dann ein schnelles Anheben und ein verblüffter Gesichtsausdruck: Was, soooo leicht? Lediglich 11 kg wiegt unser Testkandidat, das Original bringt ca. 19 kg auf die Waage. Dieses reduzierte Gewicht ist natürlich auf die Bauteile zurückzuführen, denn es sind keine dicken Trafos verbaut und auch mit dem 12" Jensen N-12K Neodym-Speaker ist ein Leichtgewicht an Bord. Dazu kommt ein leichtes Gehäuse aus Kiefernholz. Der Lautsprecher sitzt hinter einem grauen Frontgrill, das Gehäuse ist mit schwarzem Tolex bezogen und an der Front lacht uns das "Blackface"-Bedienfeld an. Alles ist mit dem Original identisch, die Farben, das Fender Logo sowie die Beschriftung "Deluxe Reverb-Amp" auf dem Frontpaneel. Lediglich das Tonemaster Logo unten rechts zeigt, dass wir es mit einer anderen Kategorie Amp zu tun haben. Bei der Rückseite fällt der Unterschied gravierender aus, denn hier gibt es naturgemäß keine glühenden Röhren. Alles funktioniert hier digital, wobei die Transistor-Endstufe 100 Watt liefert, damit ausreichend Headroom vorhanden ist, um den Schalldruck und das Spielgefühl der 22 Röhrenwatt des Originals zu simulieren. Der Amp steht auf vier Metallfüßen und kann mit dem Griff auf der Oberseite gut ausbalanciert getragen werden.

Bedienfeld

Die Entwickler haben keine Veränderungen bei der Belegung des Bedienfeldes vorgenommen. Der Amp besitzt mit Normal und Vibrato zwei Kanäle, die jeweils mit zwei Eingängen mit unterschiedlicher Eingangsempfindlichkeit ausgestattet sind. An Regelmöglichkeiten stehen Volume, Treble und Bass zur Verfügung, beim Vibrato-Kanal kommen Reverb, Speed und Intensity hinzu. Mit dem Reverb-Regler wird der integrierte Halleffekt, eine Federhall-Simulation, dem Direktsignal hinzugemischt, die beiden anderen Regler sind für den Vibrato (Tremolo)-Effekt zuständig. Speed regelt die Geschwindigkeit und Intensity die Stärke des Effekts. Ganz rechts findet man die Kontrollleuchte, die im normalen Spielbetrieb mit Speaker rot leuchtet, ist die Mute-Funktion an der Rückseite aktiviert, ist orange angesagt.

Rückseite

Die Front spiegelt die Fassade des alten Amps wider, bei der Rückseite sieht es etwas anders aus, denn hier sind die modernen Features aufgereiht. Neben dem Power-Schalter parkt statt eines Standby-Schalters ein Mute-Switch, mit dem man den internen Lautsprecher deaktiviert, um den Amp im Silent-Modus aufzunehmen. Dafür steht ein Line-Out mit XLR-Anschluss bereit, über den das Ampsignal mit einer von zwei wählbaren Cab-Simulation (Impulse Responses) ausgegeben wird. Die Lautstärke des Ausgangs wird mit einem Regler justiert. Alternativ dazu kann die Cab-Simulation auch deaktiviert werden. Das Ganze wird über einen Schiebeschalter ausgewählt. Eventuelle Brummprobleme eliminiert der Ground-Lift-Schalter. Ganz rechts findet man die Anschlussbuchse für den mitgelieferten Fußschalter, der Reverb und Vibrato schaltet.

Der Verstärker kann in seiner Ausgangsleistung (Gesamtlautstärke) mit einem Schalter an der Rückseite in sechs Stufen eingestellt werden: Full/22W, 12W, 5W, 1W, 0,5W, 0,2W. Diese Wattangaben entsprechen der Leistung des Röhrenvorbilds, und das ist sinnvoll, denn beim Deluxe Reverb werden Zerrgrad und Lautstärke mit dem Volume-Regler eingestellt, es gibt keinen separaten Gain- oder Mastervolume-Regler. Hat man den persönlichen Sweet-Spot mit dem Volume-Regler eingestellt, wird mit dem Output-Power-Schalter die Lautstärke der Situation angepasst. Und mit den sechs unterschiedlichen Abstufungen funktioniert das sehr gut und reicht von einer kernigen Bühnenlautstärke bis zur ruhigen Late-Night-Session im Wohnzimmer. Das Gehäuse ist hinten offen und der Hersteller hat dort Netzkabel und Fußschalter mit großem Klettband befestigt - clever, denn so hat man alles sicher für den Transport verstaut. Etwas sparsam war man bei der Gestaltung des Innenraums, der nur dort schwarz gestrichen wurde, wo der Speaker montiert ist, der Rest bleibt naturbelassen. Für mich sieht das so aus, als hätte man in der Hektik vergessen, sich um den Rest zu kümmern. Das ist zwar irgendwie ungewohnt, hat aber naturgemäß keinen Einfluss auf die Performance.

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