Gitarre Hersteller_Epiphone
Test
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20.04.2020

Praxis

Wenn man das Instrument unverstärkt anspielt, hat die Gitarre einen etwas drahtigen Ton. Die tiefe E-Saite klingt angenehm klar und so sieht das auch bei den höheren Saiten aus. Der Hals liegt gut in der Hand und lässt sich auch entsprechend gut bespielen. In der Endkontrolle waren die Kollegen im Werk etwas großzügiger, neben der schnarrenden Saitenlage und den unrund laufenden Potiknöpfen war auch die Befestigung der Klinkenbuchse an der Zarge sehr locker. Das sind Dinge, die bei unserer Testgitarre auffielen und die eigentlich nicht vorkommen sollten. Aber das muss auch nicht unbedingt bei jedem Instrument der Serie der Fall sein, auch wenn diese kleinen Mängel schnell behoben sind.

Für den Praxistest wird die Les Paul Classic Worn vor einen clean eingestellten Sovtek MIG-50 geschaltet. Der Amp läuft über eine Marshall 4x12 Box (Celestion G12M), die mit einem Neumann TLM-103 abgenommen wird. Es gibt zuerst eine kurze Bestandsaufnahme mit unverzerrtem Sound und den verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten der Pickups.

Mit den Split-Schaltungen hat man insgesamt acht unterschiedliche Soundkombinationen zur Verfügung, mit denen sich einiges anstellen lässt. Die Splitsounds sind etwas leiser im Vergleich zur vollen Humbucker-Power, aber das hält sich in Grenzen und fällt in der Regel am meisten bei den Cleansounds auf. Wenn es ans Zerren geht, wird das Ganze eher mit einem geringeren Zerrgrad quittiert. Aber dazu kommen wir gleich. Auf jeden Fall bringen die Pickups den trockenen, etwas schlankeren Grundsound entsprechend rüber. Von der groben Einordnung her ist das Instrument nicht in der Kategorie Wuchtbrumme mit einem satten Mittenbrett einzustufen, hier geht es etwas gemäßigter zur Sache.

Weiter geht es nun mit den leicht verzerrten Sounds. Hier macht die Les Paul Classic Worn eine gute Figur und die Pickups unterstreichen den Charakter der klassischen Les-Paul-Sounds, bei denen man gut mit der Anschlagsdynamik arbeiten kann. Man darf hier aber nicht zu hohe Erwartungen haben, die Performance ist sehr gut für die Preisklasse, in der das Instrument gehandelt wird, aber da ist natürlich noch Luft nach oben. Die Pickups ermöglichen eine gute dynamische Ansprache, aber sie klingen doch etwas matt und farblos - verglichen mit Les Pauls aus einem höheren Preisniveau.

Nun kommen wir zu den Aktionen mit den Reglern an der Gitarre. Am Start ist der Okko Diablo mit mittlerer Gain-Einstellung, der in Verbindung mit den Humbuckern und voll aufgedrehtem Volume an der Gitarre ein stattliches Zerrbrett liefert. Wenn man nun mit dem Volume-Regler an der Gitarre den Sound etwas entzerren möchte, sieht es leider nicht ganz so gut aus. Es wird etwas leiser, aber der Zerrgrad geht nicht in dem Maß zurück, wie man es sich von PAF-Style-Pickups erhofft. Außerdem ist der Sound bei höherem Gain auch etwas undefinierter, was die Saitentrennung anbetrifft. Mit dem Tone-Poti lassen sich die Höhen großflächig aus dem Weg räumen und man kann die typischen High-Cut-Sounds mit Hals- oder Steg-Pickup erzeugen. Die typischen muffigen Bluessounds á la Clapton aus der Cream-Ära sind gut realisierbar, wobei der Regelweg des Potis eine fein dosierte Absenkung der Höhen erlaubt, was mir sehr gut gefällt.

Zum Abschluss kommen nun die High-Gain-Sounds. Das funktioniert ebenfalls entsprechend gut, die Gitarre liefert ein angenehmes Sustainverhalten und auch eine gute Ansprache auf Pinch Harmonics, um den Tönen noch etwas mehr Ausdruck zu geben. Bei Leadsounds mit höherem Zerrgrad für Classic Rock-Einsätze macht das alles einen guten Eindruck. Wenn es etwas filigraner werden soll, zum Beispiel für Stoner Rocksounds mit Fuzz und höherem Zerrgrad, fehlt mir persönlich die Transparenz, um auch bei höheren Gainsettings und etwas kaputtem Sound noch eine klare Tonerkennung zu haben. In dieser Disziplin schwächeln die Pickups zwar, aber wie bereits mehrfach erwähnt, kann man bei dem aufgerufenen Preis keine Wunder erwarten. Für grobe Metal-Einsätze würde ich die Gitarre weniger empfehlen, dafür fehlt es den Tonabnehmern an Ausgangsleistung und dafür ist sie eigentlich auch nicht konzipiert, sondern eher mit Blick auf die klassische Endfünfziger Les Paul. Denn auch dafür wird eine gewisse Transparenz bei hohen Zerrgraden benötigt, und da wird es etwas schwierig. Hier sind vier Sounds mit höheren Zerrgraden.

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