Hersteller_Engl Gitarre
Test
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30.08.2013

Engl Ironball Head 20 Test

E-Gitarren Vollröhrenverstärker

Starker Auftritt

Der Engl Ironball Head 20 im bonedo-Test - Als mir der UPS-Mitarbeiter den kleinen Karton in die Hand drückte, war mir sofort klar, dass es sich um eine Verwechselung handeln musste. Schließlich erwartete ich kein Paar Schuhe, sondern einen ausgewachsenen Engl-Amp. Nach dem Auspacken wurde ich allerdings schnell eines Besseren belehrt, denn zum Vorschein kam ein zwar kleines, aber wie sich im weiteren Verlauf noch herausstellen sollte, nicht zu unterschätzendes solides Gitarrentopteil. Auch bei Engl hat man die Zeichen der Zeit erkannt und möchte teilhaben an einem boomenden Marktsegment. Kleine Röhrenamps sind im Moment der letzte Schrei, denn auf diese Art erhält der Spieler die Möglichkeit, auch die Endstufensättigung bei humanen Lautstärken mit in seine Klanggestaltung einzubeziehen.

Dazu kommen einige weitere Vorteile, angefangen von der Transportfreundlichkeit bis hin zur Tatsache, dass auch hartgesottene Metallfacharbeiter nicht immer einen Amp mit voller Breitseite in Bereitschaft haben müssen. Ob der Engl Ironball mit seinen 20 Watt tatsächlich in diese Kategorie fällt, wird der Test zeigen.

Details

Konzept

Beim Engl Ironball handelt es sich um ein Vollröhrentopteil mit einer Leistung von 20 Watt. Wer sich mit Röhrenamps auskennt, der weiß, dass die Endstufenleistung und das Gewicht in einem proportionalen Verhältnis zueinanderstehen. Je höher die Ausgangsleistung, um so größer und schwerer sind Ausgangsübertrager und Netztrafo. Mit einem Gewicht von etwa achteinhalb Kilo bewegen wir uns hier allerdings in Sphären, von denen man als marshallstackgeplagter Gitarrist früher nicht zu träumen gewagt hätte.

Obwohl der Amp recht klein ist, macht er einen rundum wertigen Eindruck, nicht zuletzt dank seiner massiven schwarzen Optik. Schließlich ist das Chassis nicht wie sonst üblich aus Holz, sondern aus Stahlblech gefertigt. Neben diversen Schaltmöglichkeiten verfügt das Top über einen seriellen Einschleifweg, einen integrierten Digitalhall und einen dreistufigen Powersoak.

Das Frontpanel

Der größte Teil der Bedienelemente befindet sich auf der Vorderseite. Die Stationen, denen das Gitarrensignal auf seiner Reise zum Lautsprecher begegnet, beginnen links mit der obligatorischen Klinkenbuchse, in direkter Nachbarschaft die Gainregler der beiden Kanäle. Ja, ihr habt richtig gelesen, auch der cleane Kanal besitzt ein Gainpoti. Soviel sei verraten, dass sich auch dieser Bereich bei Bedarf mächtig anzerren lässt, aber dazu später mehr.

Beide Kanäle teilen sich eine gemeinsame Vierband-Klangregelung, was hier ohne einen wahrnehmbaren Kompromiss sehr gut gelungen ist. Wie man es von gut abgehangenen Röhrenamps kennt, steht neben Bass, Middle und Treble auch ein Presence-Regler zur Verfügung, mit dem sich die oberen Frequenzbänder bestens modellieren lassen. Der Amp verfügt über ein globales Mastervolumen und einen Masterregler für den Leadchannel. So lassen sich beide Kanäle auch bei relativ geringen Lautstärken fett in die Sättigung fahren.

Das Umschalten zwischen den beiden Kanälen und die Aktivierung des eingebauten Gain Boosts lassen sich mittels zweier kleiner Schalter direkt per Hand vornehmen. Ist Letzterer aktiviert, erhält der Ton im Leadchannel mehr Mitten und setzt sich beim Solo besser durch. Auch der cleane Kanal profitiert mit Gain Boost im Mittenbereich und dementsprechend schneller dringt man je nach Ausgangspegel der Pickups in angezerrte Dimensionen vor. Abschließend finden sich auf dem Frontpaneel mit Standby und Power noch zwei weitere große Schalter, die für das Strommanagement des Verstärkers zuständig sind.

Die Rückseite

Hier fällt sofort der mächtige Drehstufenschalter des integrierten Powersoaks ins Auge. Er bietet drei Schaltstufen und regelt die Endstufenleistung von maximal 20 Watt wahlweise auf fünf- bzw. ein Watt Leistung zurück. Die dritte Position schluckt gleich die gesamte Endstufenleistung, sodass kein einziger Laut mehr aus der Box kommt.

Da der Amp mit einer frequenzkorrigierten Line Out Buchse und einem ebenfalls frequenzkorrigierten Kopfhöreranschluss versehen ist, kann man ohne Lärmbelästigung in der Mietwohnung auch nachts, wenn sich der Nachbar gerade im REM-Schlaf befindet, üben oder aufnehmen. In diesem Fall darf man aber nie vergessen, den Regler auf „Speaker Off“ zu stellen, da sich ansonsten die Endstufe sehr schnell verabschiedet. Will man den Amp mit einer Gitarrenbox verwenden, sollte die eine Impedanz von 8 oder 16 Ohm haben.

Ein serieller Einschleifweg ermöglicht den Anschluss eines Effektgerätes, und das sollte möglichst ein hochwertiges sein. Minderwertige Analogschleudern oder alte Teile aus den Achtzigern haben hier eigentlich nichts verloren, weil bei ihnen Dynamik und Sound des Amps leiden - schließlich wird das komplette Ampsignal durch die Eingeweide des Effektgerätes geschleust. Meine Maxime zu diesem Fakt lautet bekanntlich, dass ich lieber auf ein Effektgerät verzichte, bevor ich ein schlechtes anschließe. Von vielen Herstellern, unter ihnen beispielsweise TC oder Eventide, gibt es mittlerweile auch in Pedalform sehr gute Effekte, die nicht die Welt kosten. Wer kein annehmbares Effektgerät besitzt, der muss beim Engl Ironball zumindest nicht auf einen vernünftigen Hall verzichten, denn das integrierte Digitalreverb macht einen wirklich guten Job. Sein Pegel lässt sich auf der Rückseite mit einem Poti einstellen und gilt für beide Kanäle. Dort wartet auch eine Buchse auf einen Fußschalter, mit dem man den Hall und zusätzlich den sogenannten Master Volume Boost (M.V.B.) ein- und ausschalten kann. Über einen weiteren Anschluss lassen sich auch die beiden Kanäle und der Gain Boost per Fuß schalten. Beim Master Volume Boost handelt es sich um eine globale Lautstärkenanhebung, die sich auf beide Kanäle auswirkt und ab Werk fest eingestellt ist. Für dieses Feature gibt es also keine zusätzlichen speziellen Regler oder Schalter. Seinen Treibstoff bezieht unser Kandidat über ein Standardkabel und die Kaltgerätebuchse mit integrierter Sicherung.

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