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Test
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30.11.2016

Elysia Mpressor 500 Test

Kompressor für API Series 500

Elysia-Monopression in der Lunchbox

Elysias Kompressoren nehmen auf dem Markt eine Sonderstellung ein. Die futuristischen Gebilde vereinen Vielseitigkeit und speziellen Charakter auf höchstem Niveau. Wo reiht sich der mpressor 500 ein? Seit der deutsche Hersteller mit einem Paukenschlag das Flaggschiff Alpha Compressor auf dem Markt brachte, ging es Schlag auf Schlag. Mpressor, Xpressor… fast konnte einem schwindelig werden bei dieser Reihe von hochwertigen Dynamics – doch die Expertise kommt nicht von ungefähr. Chefentwickler Ruben Tilgner designte ein paar von SPLs größten Hits, bevor er sich zusammen mit Dominik Klaßen unter dem Namen Elysia selbständig machte.

Längst zählen die Elysia-Prozessoren zu modernen Klassikern, sie finden auf internationaler Ebene große Beachtung und haben illustre Fürsprecher wie den New Yorker Analog-Fachmann Joel Hamilton, der nicht müde wird, die Fahne für die deutsche Firma zu schwingen. Nach dem vor allem an Mastering-Anforderungen ausgerichteten Alpha Kompressor war der mpressor das Gegenstück für die „kreative“ Dynamikbearbeitung. Kaum weniger kompromisslos konzipiert, stand hier mehr das Sounddesign im Vordergrund, und dazu lieferte Elysia einen Bund von nicht ganz alltäglichen Funktionen. Bleibt die Frage: Musste hier für die brandaktuelle 500-Adaption irgendwo gespart werden?

Details

„Compressor from the Future“

Beim Auspacken des Moduls fühle ich mich sofort an Apple erinnert, so kompromisslos und wiedererkennbar präsentiert Elysia seine Produkte mittlerweile. Das gesamte Design wirkt wie aus einem Guss und unterstreicht den Anspruch, der mich beim Öffnen der Verpackung von der Platine des offen gebauten 500-Moduls grüßt: Hallo, „Compressor from the Future“! Nimmt man das Modul in die Hand, von Kassette à la API kann man aufgrund der Bauform nicht sprechen, so überrascht auf Anhieb das geringe Gewicht. Hier wurde kein Gramm zu viel verbaut, es befinden sich überwiegend SMD-Bauteile auf der Hauptplatine, dazu hochwertige Komponenten wie ein Mundorf-Kondensator. Für das geringe Gewicht verantwortlich ist auch die Aluminium-Frontplatte, deren sauber gefräste Kanten verraten, dass das Teil sozusagen im Mutterland des Engineering gefertigt wurde – „Made in Germany“ hat sich seinen weltweiten Ruf als Gütesiegel gerade aufgrund solcher Details erworben.

Eine Ummantelung der Platine hat Vor- und Nachteile

Aufgrund des schlanken Platinendesignsdes Mpressor 500 ist es nicht ganz einfach, das Modul in der Lunchbox zu installieren. Zwar ist das Gerät – anders als so mancher Mitbewerber mit ähnlicher Bauform – vollkommen verwindungssteif, aber eine vollständig ummantelte Kassette bietet dennoch eine verbesserte Führung beim Einschieben in die rückwärtige Messerleiste. Nun gut, einmal an Ort und Stelle, ist diese kleine Fummelei schnell vergessen. Offene Module bieten unbestritten auch Vorteile, etwa bezüglich des Fertigungsaufwandes oder der Ableitung von Wärme.

Einzeltransistoren in Class-A-Schaltung

Zwar ließen sich, prinzipbedingt und aufgrund des geringen Platzangebotes im 500-Formfaktor, nicht alle Merkmale des 19“-Gerätes in das Lunchbox-Modul übertragen, aber der Mpressor 500 präsentiert sich dennoch als vollwertiges Dynamikmodul mit überdurchschnittlicher Vielseitigkeit. Verzichten muss man auf Elysias‘ enorm dimensioniertes Netzteil, da das Modul seine Versorgung natürlich vom Modulträger-Netzteil bezieht. Auch die sehr aufwändige Temperaturstabilisierung des 19“-Gerätes ließ sich hier aus Platzgründen nicht in der gleichen Form realisieren. Aber die wesentliche Funktionalität des Prozessors blieb erhalten. Schaltungstechnisch basiert das Gerät auf einem sogenannten Transconductance Amplifier (TCA), welcher diskret aus Einzeltransistoren in Class-A-Technik aufgebaut wurde. Ähnlich wie ein konventioneller VCA bietet solch ein Regelelement eine extrem präzise Pegelkontrolle und sehr schnelle Ansprechzeiten. Durch diese beiden Komponenten wird das Klangverhalten des Prozessors grundlegend definiert.  

Threshold, Attack, Release, Ratio und Gain – trotzdem sehr vielseitig!

Zwar bietet der Mpressor 500 mit den klassischen Bedienelementen Threshold, Attack, Release, Ratio und Gain das klassische Quintett, aber wer denkt, dass sich die Zugriffsmöglichkeiten damit erschöpft hätten, der irrt gewaltig. Dies liegt zum einen an den Wertebereichen der einzelnen Parameter, zum anderen an den Zusatzfunktionen, welche sich per Schalter abrufen lassen. Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht so aussieht – der Mpressor zählt zu den vielseitigsten Dynamics am Markt!  

Attack und Release von superschnell bis träge

Nach dieser Einführung ist es wohl kaum überraschend, dass die Wertebereiche vor allem eines sind – weit! Die Attack reicht von 0,01 bis 180 Millisekunden, die Release von 5 ms bis hin zu vollen 2,5 Sekunden. Damit ist hier schlichtweg alles möglich, von sauschnellen Zeitkonstanten wie man sie eher von Plug-ins kennt, nicht aber von echten Analogschaltungen, bis hin zu ausgesprochen träger Ansprache.  

Überraschung bei der Ratio

Auch der Ratio-Parameter, übrigens wie alle anderen auch mit gerastertem Poti ausgestattet, bietet eine Überraschung. In der konventionellen Hälfte des Einstellweges finden sich Ratios von 1:1,2 bis 1:9, die im unteren Teil feiner aufgelöst sind. Nur eine kleine Drehung weiter bietet das Bedienelement Zugriff auf einen echten und selten gesehenen Schocker: negative Ratios! Solche Kompressionsraten drehen die dynamischen Verhältnisse buchstäblich auf den Kopf, denn je höher der Eingangspegel ist, desto geringer ist der Ausgangspegel. Dies kann im Zusammenspiel mit den anderen Parametern für extreme Resultate sorgen, die bisweilen auch an Rückwärtseffekte erinnern. Die Ausgangsverstärkung liegt bei über 20 dB, und damit geht dem Gerät auch bei extremen Einsätzen so schnell nicht die Puste aus.

Ebenfalls per Poti lässt sich der Gain Reduction Limiter justieren. Dieser liegt nicht im Signalweg selbst, sondern im Detektorzweig – auf diese Weise lässt sich also der Kompressionshub des Gerätes auf ein genau definiertes Maximum begrenzen, was hilfreich sein kann, um die krassen Resultate zu bändigen. Hier steht ein Einstellbereich von 1 bis 30 dB zur Verfügung.

Auto Fast, THD Boost und Anti Log erweitern Möglichkeiten

Schon mit diesen Einstellmöglichkeiten gibt sich der Mpressor 500 weit überdurchschnittlich vielseitig, doch das Ergebnis lässt sich noch weiter verfeinern. Die „Auto Fast“-Funktion lässt den Kompressor auch bei länger gewählten Ansprechzeiten zuverlässig und schnell auf Peaks reagieren, wodurch man unbändige Signale im Zaum halten kann, ohne sie jedoch komplett plattbügeln zu müssen. „Anti Log“ verändert die Release-Charakteristik des Gerätes. Bei einer normalen logarithmischen Kurve haben scharfe Transienten eine schnellere Release-Zeit, während der generelle Signalpegel gemütlicher bearbeitet wird. Diese Funktion invertiert das herkömmliche Verhalten: Wenn der Threshold überschritten wird, ist die Release-Zeit erst einmal lang, sinkt der Signalpegel, wird sie jedoch zunehmend kürzer. Dies klingt ungewöhnlich und ist für allerlei Spezialeffekte gut, inklusive Sounds, bei denen das Signal klingen kann als würde es förmlich „angesaugt“. Dazu bietet der Mpressor 500 eine schlicht mit „THD Boost“ betitelte Sättigungsfunktion, welche den Pegel vor dem eigentlichen Kompressor anhebt und für deutlich vernehmbares Brutzeln sorgt.

Mehr davon!

Der Hardwire-Bypass wurde „Hit it!“ genannt, und das unterstreicht schon mal treffend die Einstellung, mit der man sich dem Modul nähern sollte. Auch wenn sich nicht alle technischen Details des 19“-Vorbilds im 500-Format umsetzen ließen, so präsentiert sich die Hardware doch so elegant, schlau designt und aus einem Guss, wie ich es selten irgendwo gesehen habe. Wenn so die Zukunft der Studiotools aussieht, dann möchte man mehr davon!

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