Backstage-Quickie Serie_Interview
Feature
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18.12.2013

Backstage-Quickie: Ellie Goulding im Interview

Ellie über Songwriting, Musik und Karriere

Mittlerweile muss man über Ellie Goulding nicht mehr viele Worte verlieren. Die Britin hat ihre preisgekrönte Stimme auf zwei ebenso preisgekrönten Alben verewigt – und gefühlt bei jeder größeren Pop-Tour den Support Slot gefüllt.

Darunter sind nicht nur Größen wie Katy Perry und Bruno Mars. Auch die Indie-Schrammler Babyshambles um Drogenopfer Pete Doherty ließen sich die Bühne von ihr aufwärmen. Ein Höhepunkt medialer Aufmerksamkeit: Ihre Performance auf dem Hochzeitsempfang von Prinz William und Herzogin Kate.

So eine Stimme will ja auch gehört werden! Aber das beste Organ bringt nix, wenn man keine vernünftigen Songs hat. Das hatte auch Ellie erkannt und schon früh damit begonnen, eigene Lieder zu basteln. Neben dem offensichtlichen Erfolg ihrer eigenen Alben hat z.B. auch Deutschlands Vorzeige-Sternchen Lena auf ihrem Debüt einen Song des "Landeis aus dem Herefordshire" an der Grenze zu Wales. Unser Autor Ralf Schlünzen hatte eine entspannte Ellie Goulding am Telefon:

bonedo.de: Wie wurde Musik Dein Leben und Deine Karriere?

Ich fing ziemlich früh mit dem Singen an, obwohl ich gar nicht realisiert hatte, dass ich es kann. Oder niemand hat es mir erzählt – deshalb war es sehr unverkrampft. Als ich 14 war, fing ich an, Gitarre und in lokalen Bands zu spielen. Ich habe dann auch Musik aufgenommen, und damit fing es an, dass ich Aufmerksamkeit für meine Stimme bekam. Ich begann dann auf Open Mic Nights aufzutreten. Aber am Anfang hat sich keiner richtig für meine Stimme interessiert. Später wurde ich bei einem Talentwettbewerb an der Uni entdeckt. Die Uni habe ich dann geschmissen und bin nach London gezogen. Da habe ich dann versucht Songs zu schreiben, und einen Plattenvertrag zu bekommen.

bonedo.de:  Das klingt ziemlich einfach, wie Du das so sagst...

Es klingt jetzt easy. Aber ich fasse da die letzten sechs oder sieben Jahre zusammen. Das war die Zeit die ich gebraucht habe, um es endlich zu schaffen, und auch Geld mit meiner Musik zu verdienen.

bonedo.de:  Du hast Klarinette gelernt. Glaubst Du, dass das mit für das ungewöhnliche Timbre in Deiner Stimme sorgt?

Möglich. Es braucht eine Menge Kraft und Kontrolle um Klarinette zu spielen. Also ist das vielleicht auch ein Teil davon. Aber in erster Linie hat mir das ein musikalisches Ohr gegeben, und ich habe viele Stücke gelernt. Ich habe die Melodien mitgesungen, also hat es wohl auch Einfluss auf meine Stimme genommen. 

bonedo.de:  Was würdest Du machen, wenn Du keine Musikerin wärst?

Ehrlich gesagt würde ich entweder Schauspielern sein oder Theater-Lehrerin. Oder Personal Trainer.

bonedo.de:  Du spielst Gitarre, Klavier, früher Klarinette und Du singst. Was betrachtest Du davon als Dein Instrument?

Gitarre ist definitiv mein Instrument! Wenn ich die Stimme dazu zähle ist die auf jeden Fall mein Top-Instrument. Ich benutze sie einfach in so vielen unterschiedlichen Formen. Sie ist mein wertvollstes Instrument.

bonedo.de: Du hast schon die Gitarre erwähnt. Spielst du elektrische oder akustische Gitarre?

Ich fing mit elektrischer Gitarre an, und dann bekam ich eine Akustik. Mein Onkel hat mir folkiges Fingerpicking beigebracht. Später habe ich dann ein Plektrum in die Hand genommen und viel Strumming geübt. Ich habe so meine eigene Art entwickelt, Gitarre zu spielen. Ich benutze immer zwei oder drei Finger, schlage auf die Gitarre mit der Hand und erzeuge so unterschiedliche Dynamiken. In den letzten Jahren bin ich aber etwas nachlässig geworden: Ich muss beim Gitarrespielen wieder disziplinierter üben.

bonedo.de: Wie schreibst du Songs. Setzt du dich mit der Gitarre hin oder ans Klavier – oder triffst du dich auch mit anderen Leuten?

Ich mag es mit der Gitarre Melodien zu entwickeln, aber die werden nicht notwendigerweise Teil eines Songs. Aber ich habe mir vorgenommen das nächste Album auf der Gitarre zu schreiben und erst danach zu produzieren.

bonedo.de: Also kommen die Melodien zuerst? Oder hast du auch mal nur ein Gefühl und Worte?

Das ist eigentlich jedes Mal unterschiedlich. Manchmal habe ich ein paar Worte, und ich weiß schon genau wie die Melodie werden soll. Manchmal habe ich aber auch eine richtig starke Melodie und der Text kommt danach. Es ist aber nicht so, dass ich irgendwas schreibe und dann erst ein Jahr später Worte dazu erfinde.

Überhaupt war ich im Tour-Modus im letzten Jahr. Dadurch hat sich auch das Schreiben verändert. Es ging mehr um Performance als das Studio. Ich glaube, es wird einige Wochen brauchen, bis ich wieder im Schreib-Modus bin. Es ist schon was ganz anderes, wenn man ganz bei sich ist und sich die Gedanken aus dem Kopf gräbt.

bonedo.de:  Kein Wunder – Ich meine bei dem ganzen Erfolg, den Du im letzten Jahr hattest!

Ich bin ziemlich ausgepumpt, aber irgendwie habe ich mich dran gewöhnt. (lacht) Ich kenne einfach keinen anderen Zustand mehr, den ich damit vergleichen könnte.

bonedo.de:  Erinnerst Du Dich an die erste Studio-Erfahrung? Wie war das für Dich?

Ich erinnere mich an die Recordings meiner ersten sieben Songs. Seit dem habe ich so viel aufgenommen... die Erinnerungen sind da etwas unscharf. Aber es gibt natürlich Momente die herausstechen. Sehr besonders waren die Aufnahmen zu "Halcyon" (dem aktuellen Album - Anm. d. Red.) Ich habe es in einer Hütte auf dem Land aufgenommen, in der Gegend in der ich aufgewachsen bin. Das war sehr besonders, weil es schön war, zu Hause auf dem Land zu sein. Das hat meiner Seele sehr gut getan. Und dem Album auch!

bonedo.de: Hast du die Hütte in ein Studio verwandelt oder war das schon vorher eins?

Die gehörte Jim Eliot, der mein Album produziert hat. Er ist jetzt umgezogen und die Hütte steht leer. Das ist ein bisschen komisch, weil ich mein Album an einem Ort aufgenommen habe, der jetzt vakant ist und leer steht. Aber es war eine wunderbare Zeit, als ich die Platte dort geschrieben habe.

bonedo.de: Auf welche Aufnahme bist Du denn am meisten stolz?

Ich bin sehr stolz auf "Anything could happen". Ich kann kaum glauben, dass ich das geschrieben hab, weil in dem Song so viel drin steckt. Ich glaube die Leute haben die Chance diesen Song auf so unterschiedliche Art und Weise zu hören. Ich frag mich manchmal, wie mir dieses Zeug einfällt und wo es herkommt. Ich denke dann, es gibt eine ganz andere Seite von mir, die sogar ich nicht kenne - und sie schreibt einfach solche Songs! Darauf bin ich sehr stolz! Im Nachhinein habe ich dann überhaupt keine Ahnung mehr was in mich gefahren ist. Es sind genau diese Songs, die mich immer wieder überraschen. Manchmal schreibe ich natürlich auch Songs wo ich ganz genau weiß, was ich tue... 

bonedo.de: Erzähl uns doch mal von Deiner besten oder schlimmsten Erfahrung auf der Bühne.

Meine beste Gig-Erfahrung war das Lollapalooza letztes Jahr, weil dort einfach mehr Leute kamen um mich zu sehen, als irgendwen anders auf dem Festival. Das war wie ein Schock für mich, weil ich gerade hauptsächlich im Vorprogramm von Bruno Mars gespielt hatte, vor einem Publikum, das mich nicht wirklich kannte. Mitten während der Tour dann das: Das hat mich komplett überfordert – und ich habe geweint.

Die schlimmste Erlebnis war in Italien, als ich Support für die Babyshambles gespielt hab. Ich war ziemlich krank und es hat überhaupt nicht funktioniert. Ich wurde von der Bühne runter gebuht…

bonedo.de: Ich hab in einem Interview gelesen, dass du gerne mit Bruno Mars schreiben würdest. Hat das auf der Support-Tour geklappt?

Nein, aber ich sehe ihn morgen noch einmal. Ich geh zu seinem Konzert in London. Ich versuch das mal zu hinzukriegen. Das wäre großartig! Er ist wirklich ein cooler Typ und hat ein paar der größten aktuellen Songs geschrieben.

bonedo.de: Was würdest du ändern, wenn du im Musikbusiness die Fäden in der Hand hättest?

Es gibt sehr viele Sachen, die ich ändern würde. Ich weiß aber nicht, ob es unbedingt funktionieren würde. Ich glaube, dass sich wegen der Macht des Internets und der Downloads der Zugang zu Leuten und der Musik sehr vereinfacht hat. Deshalb bewegt sich die Musikindustrie gerade in eine Richtung, in der sie von niemandem mehr kontrolliert werden kann.

Deshalb ist es sehr schwer zu sagen, was ich ändern würde. Aus der Sicht eines Platten-Labels würde ich vielleicht neue Bands und Künstler unterstützen. Es ist sehr schwer, es heutzutage zu schaffen. Da würde ich gerne mehr Hilfe sehen. Vor allem auch für kleinere Bands. Elektronische Musik und Pop verdrängen Rock-Bands gerade ein bisschen. Ich glaube aber auch, dass es da immer unterschiedliche Phasen gibt. Im Moment ist auf jeden Fall das Pop-Ding angesagt!

bonedo.de: Welchen Ratschlag würdest Du jungen Musikern geben, die es schaffen wollen?

Du musst alles reinstecken was Du hast. Du kannst das nicht nebenbei machen, Du darfst keinen Plan-B haben. Du darfst Dir nicht die Option eines Plan-B geben. Ich habe die Uni geschmissen, und das war ein großes Risiko. Es hat funktioniert, aber ich sage nicht, dass es für jeden klappen wird!

Du musst auf jeden Fall ein Instrument lernen! Du wirst leichter schreiben können! Du solltest Dich auf das Schreiben eigener Songs konzentrieren, und alles tun um Inspiration zu finden: Geh spazieren, lies was, schau Dir Filme an und verbringe Zeit allein. Also mein Hauptratschlag: Schreib deine eigenen Songs!

bonedo.de: Was hat eigentlich Deine Mutter gesagt, als Du die Uni geschmissen hast?

Sie war sehr verstimmt und wollte das natürlich nicht! Auf der anderen Seite war ich die erste in meiner Familie, die überhaupt auf der Universität war. Es gab also keine Erwartungen. Es waren alle eher geschockt, dass ich da überhaupt hingegangen bin. Der Rest war dann keine große Überraschung.

bonedo.de: Aber ich glaube, das war es wert?

Auf jeden Fall war es das wert!

bonedo.de: Danke Dir für das Gespräch und eine gute Show heute Abend!

Danke! (Anm. d. Red.: Das Gespräch wurde vor der Aufzeichnung für die Ultimative Chart Show im November 2013 geführt)

Ellie Goulding Alben

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