Test
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31.07.2017

Ear Trumpet Mabel Test

Großmembran-Kondensatormikrofon

Mabel, ma belle!

Mikrofone von Ear Trumpet Labs sind absolute Hingucker. Das raue Industriedesign erinnert sofort an Steampunk, übersehen wird man diese Mikrofone wohl nie. Nun ist es besonders bei einem Studiomikrofon wie dem Ear Trumpet Labs Mabel durchaus zweitrangig, wie es aussieht: Es muss klanglich liefern. Andere Mikros des Hersteller, etwa Edna, Louise oder Myrtle, genießen in ihrem Heimatland USA einen guten Ruf, dementsprechend interessant ist es zu erfahren, was das Großmembran-Condensermic mit der umschaltbaren Richtcharakteristik an seinem XLR-Ausgang so anzubieten hat.  

Details

Perfektes Design – bis auf ein Teil

Simpel ist der Aufbau des kauzigen Mikros: Die mittenkontaktierte Braunmühl-Weber-Kapsel sitzt in einem runden „Tee-Ei“-Korb, der über zwei Pole mit einer Klammer verbunden ist und auf der Achse zwischen den beiden verdreht werden kann. Die Kapselsignale verlassen das Gebilde über ein flexibles Kabel, welches den im „Griff“, also dem Zylinder untergebrachten Impedanzwandler füttert. Das sieht alles zusammen durchaus ansprechend aus, zudem kommt das Mabel in einer unfassbar schicken roten Blechkiste. Was allerdings negativ auffällt, ist die Mikrofonhalterung: Eine Gummiklemme mit Shure-Aufdruck ist das letzte, was man bei so viel Designaufwand erwarten würde. Bei einem Preis von weit über eintausend Dollar wäre es sicher machbar gewesen, eine stilistisch passende Halterung herzustellen und beizulegen.  

Kugel, Niere, Acht

Auf dem Kopf des Mikrofons befindet sich ein kleiner, dreistufiger Schalter, mit dem die Kapselverschaltung und somit die Richtcharakteristik bestimmt werden kann. Kugel, Niere und Acht stehen zur Verfügung. Kleine Icons sind dort auch eingraviert, doch richtig gut erkennen kann man sie leider nicht. Mit Petitessen wie Zwischenstufen gibt sich das ETL nicht ab, auch sonst häufig anzutreffende Schalter für Hochpassfilterung zur Kompensation des Proximity Effect oder einer Vordämpfung zur Ermöglichung einer stets verzerrungsarmen Übertragung gibt es nicht. Eine Angabe zum Maximalpegel ist in den Unterlagen nicht zu finden, wohl aber zur unteren Dynamikbegrenzung, dem Rauschteppich. Dieser liegt mit 17 dBA etwas über dem modernster Großmembranmikrofone, geht aber in Ordnung. Auf Kugel und Acht geschaltet werden pro Pascal 12 Millivolt ausgegeben, bei der Niere sind es aufgrund der höheren Richtwirkung 23 mV/Pa. Schön: Die Ausgangsimpedanz liegt bei geringen 50 Ohm, wodurch keinerlei Anpassungsschwierigkeiten oder Probleme bei langen Kabeln zu erwarten sind. Allerdings wird damit die Wirkung eines möglicherweise vorhandenen „Impedance“-Schalters eines Mikrofonvorverstärkers auch weniger Gewicht haben. Den Frequenzgang gibt Ear Trumpet Labs mit 20 Hz bis 18 kHz an. Sehr schön ist, dass hier keinerlei Beschönigung stattfindet: Es sind die -3dB-Punkte und die Werte sind absolut typisch für diese Mikrobauart.

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