Hersteller_Dreadbox Keyboards ANL_DesktopSynth
Test
3
17.08.2017

Praxis

Beim ersten Anschließen des Dreadbox Nyx bin ich angenehm überrascht. Der Grundklang des Nyx erscheint mir druckvoll, klar und eigen. Das Filter schmatzt selbst bei herunter gedrehter Resonanz ordentlich, als wäre von Grund auf ein gutes Stück „Basis-Resonanz“ vorhanden. Das verleiht dem Nyx logischerweise auch einen recht mittigen Grundsound, was mich persönlich aber nicht stört und ihn klanglich von anderen Synths absetzt. Durch Detune-Fader und Vibrato lassen sich im Handumdrehen schöne Farben in Melodie- und Bass-Sounds bringen. Leider gibt es keine Möglichkeit, das Level des Vibrato-LFOs auf das Mod Wheel des Controllers zu legen und somit im Live-Workflow gezielte Stellen punktuell mit Vibrato zu versorgen. Dreht man das Filter voll auf, findet außerdem eine hörbare Kompression/Sättigung statt. Ungewollt große Level-Unterschiede bei Filterfahrten sind also nicht zu erwarten.

Das Filter begibt sich bei aufgedrehter Resonanz angenehm in die Selbstoszillation. Für Filter Tracking gibt es kein Bedienelement, es lässt sich aber über die Patchverbindung CV Out an VCF In realisieren (ist dann aber ohne einen externen Abschwächer nicht regelbar).

Kick Drum-Sounds fehlt, vermutlich im Zusammenhang mit dem besonderen Hüllkurven-Konzept, die nötige Knackigkeit.

 An Snare und Percussion ist aufgrund des fehlenden Noise Generators nicht zu denken, auch wenn „Modulator 2“ im Grunde recht schnell und präzise arbeitet. Percussionartige Lead-Sounds funktionieren hingegen sehr gut.

Auch im LFO-Modus machen die Modulatoren eine gute Figur. Gerade durch die verschiedenen Routing-Möglichkeiten von VCOs und Filter können Layer-Sounds entstehen, die rein technisch bei vielen anderen Analogsynthesizern gar nicht möglich sind. Ich habe beispielsweise die Oszillatoren separat an jeweils einen Filter geschickt, den tiefen Oszillator recht stark gefiltert und den hohen mit einem LFO versehen. Heraus kommt eine lebendige und dennoch druckvolle Bass-Lead-Synthese.

Die gleichzeitige Verwendung von VCA- und VCF-LFO ermöglicht außerdem interessante rhythmische Verschiebungen und sequenzerartige Pattern, auch wenn ja eigentlich kein Sequenzer an Bord ist. Durch die Paraphonie können diese Pattern dann auch noch Harmonien andeuten.

Aber auch „echte“ Sequenzen können mithilfe der Patchbay erzeugt werden, indem externes Equipment zur Hilfe geholt wird. Durch CV/Gate können hier auch Sequenzer älteren Datums zum Einsatz kommen.

Als wahres Wunderkind entpuppt der sich der Reverb. Nach kurzer Zeit ist klar, dass ich die Pedal-Version dieses Effektes unbedingt besitzen muss. Träumerische Lead-Melodien mit VCO-Glide erhalten eine angenehme Weite, aber auch Drones und Atmosphäre sind dem „Splash MK3“ keine Fremdwörter. Bei aufgedrehten Reglern mündet er sogar in eine Art Endlos-Hall, was aber bei zu viel Signal-Input leider auch zu vereinzelten digitalen Clippings führt.

Wie auch beim Original-Bodentreter ist aufgrund des fehlenden Stereo-Outs kein Stereo-Reverb möglich. Der Hall kann aber mit externen Signalen gespeist werden. Dies ist leider nicht mit dem Filter möglich, was mich dann doch ein wenig enttäuscht. Ich suche nach Lösungen und muss aufgeben: In der schematischen Darstellung in der Anleitung wird deutlich, dass der Audio Input lediglich dem Reverb zugeführt wird. Hier lässt der Nyx Punkte liegen, denn die fehlende Möglichkeit zum Filtern externer Signale überrascht angesichts der ansonsten vielfältigen Routing-Optionen doch etwas. 

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare